Kommentar
Der IWF braucht keinen Europäer an der Spitze

Wer könnte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ersetzen, sollte er seinen Posten räumen? Die Europäer preschten vor und fordern einen Kandidaten aus ihren Reihen. Doch das wäre nicht mehr Zeitgemäß - und schädlich.
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Dominique Strauss-Kahn sitzt noch in Untersuchungshaft, doch politisch ist das Urteil über ihn bereits gesprochen: Die Debatte um seine Nachfolge als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist voll entbrannt. Besonders schnell haben sich die Europäer zu Wort gemeldet. Nicht nur weil der Chefposten des IWF traditionell nach Europa geht, sondern, so heißt es in Berlin, Brüssel und Paris, weil der IWF angesichts der Euro-Schuldenkrise gerade jetzt einen Europäer an der Spitze benötige. Das Gegenteil ist der Fall.

Drei Gründe sprechen dafür, dass der nächste IWF-Chef aus den Schwellenländern kommen sollte. Erstens: In internationalen Organisationen darf es keine politischen Erbhöfe mehr geben. Die Machtverschiebungen in der Weltwirtschaft müssen sich gerade auch in Institutionen wie dem IWF und der Weltbank widerspiegeln. Sonst verlieren diese Organe jede Glaubwürdigkeit in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Eine Kooperation mit den Industrieländern durch die Vermittlung des IWF würde dadurch noch schwieriger.

Zweitens: Ein IWF-Chef aus den Schellenländern wäre viel eher in der Lage, dort das Vertrauen in den Fonds zurückzugewinnen. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass China & Co. aufhören, unsinnige Währungsreserven anzuhäufen, sondern im Notfall von Finanzkrisen auf die Unterstützung durch den IWF vertrauen. Damit würde ein großer Schritt getan, um die globalen Ungleichgewichte abzubauen. Zudem hätte ein Finanzmanager aus den Emerging Markets auch mehr Autorität, die Währungsmanipulationen durch asiatische Länder zurückzudrängen. Beides liegt im Interesse des Westens.

Drittens: Auch für einer Ausweg aus der Schuldenkrise wäre ein nüchterner Blick eines Nicht-Europäers gerade jetzt außerordentlich hilfreich. Wer politischen Abstand zu den Euro-Hauptstädten hat und auch keine politischen Ambitionen in Europa hegt, ist vermutlich eher in der Lage, die Lage mit ökonomischer Vernunft zu beurteilen. Der Debatte um eine Umschuldung kann das nur gut tun. Europa hat sich viel zu sehr in seinen Rettungsmechanismen verstrickt. Ein klarer, unabhängiger Kopf von außen könnte den Knoten durchschlagen und vor dem Hintergrund, dass viele Schwellenländer bereits Erfahrungen mit Umschuldungen gesammelt haben, den Ausweg weisen.

Natürlich sollte die Kompetenz am Ende darüber entscheiden, wer neuer IWF-Chef wird. Kompetente Kandidaten gibt es aber nicht nur in Europa. Die Erfahrung lehrt, dass politische Gründe oft den Ausschlag geben. In diesem Fall spricht vieles für einen Kandidaten aus den Schwellenländern.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Kommentar: Der IWF braucht keinen Europäer an der Spitze"

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  • Der vorletzte Absatz bringt es exakt auf den Punkt.
    Ein Mann wie Strauß-Kahn, der von seiner sozialistischen Partei schon als Kanditat für die Wahlen aufgestellt war, wird nie neutral über den Euro bestimmen.
    Es sind immer zu viele Verquickungen bei uns und die müssen aufgelöst werden, dann klappt auch vieles wieder besser

  • Na ja, am Schreibtisch ausgedacht. In der Welt der Politik wo neben sachlichen Erwägungen viel mehr Machtausübung und Einfluss eine Rolle spielen,wird man die hier angedachten Ratschläge wohl eher belächeln.

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