Kommentar
Die Herabstufung der USA durch S&P ist nur konsequent

Nach dem Schuldenkompromiss hatte die Ratingangentur Standard & Poor's einige Tage still gehalten. Jetzt hat sie die Kreditwürdigkeit der USA wie von den meisten Beobachtern erwartet herabgestuft. Und das ist gut so.
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Im Jahr 1941 brannte die Welt. Die USA waren mittendrin und kämpften einen Krieg an vielen Fronten. Das Ende war alles andere als gewiss. In jenem Jahr setzten die Ratingagenturen hinter die Bonität der Vereinigten Staaten von Amerika ein Fragezeichen. Heute Nacht hat Standard & Poor's, eine der drei großen Bonitätswächter dieser Welt, es wieder getan. Aus ihrer Sicht ist Amerika kein Kandidat mehr, der uneingeschränkte Kreditwürdigkeit besitzt. Brennt die Welt erneut?

Sie glimmt. Das allerdings macht sie mit einer erschreckenden Ausdauer. Die durch ungehemmte Spekulation der Banken entstandene Finanzkrise hat gigantische Ausgabe der Staaten nach sich gezogen, die mit Konjunkturprogrammen und Rettungsaktionen das schlimmste verhindern halfen. Nur leisten konnten sich die Staaten, deren Finanzen alles andere als solide waren, diese Aktionen nicht. Die Folgen sind jetzt zu besichtigen: Ein Land nach dem anderen rauscht in die Schuldenfalle. Die Hoffnung, dass die Konjunkturprogramme so stark greifen, dass eine boomende Wirtschaft hilft, die Schulden zu bezahlen, hat sich in vielen Euro-Ländern und in den USA nicht erfüllt. Wir in Deutschland reiben uns darüber vielleicht verwundert die Augen. Das aber liegt nur daran, dass die Rechnung bei uns besser aufgegangen ist als anderswo.

Dies sind die bekannten Fakten. Die Ratingagenturen können sie nicht ignorieren. Sie dürfen es nicht, wenn sie ihre in der Finanzkrise verlorene Glaubwürdigkeit wiedergewinnen wollen. Damals hatten sie viel zu lange stillgehalten, als die Banken bei der Kreditvergabe über die Stränge schlugen. Sie hatten die Krise aktiv befördert, in dem sie Kreditpaketen Bestnoten verpassten, die sie niemals hätten bekommen dürfen. All diejenigen, die jetzt über die Entscheidung von Standard & Poor's zu den USA fluchen, sollten sich fragen, was sie eigentlich wollen: eine Polizei, die rechtzeitig eingreift, oder eine die mit denen, über sie wacht, gemeinsame Sache macht.

Und Standard & Poor's musste handeln: Die Ratingagentur hatte Einnahmeerhöhungen und Ausgabekürzungen von vier Billionen Doller errechnet, die die USA leisten müssten, um ihre Kreditwürdigkeit zu behalten. Republikaner und Demokraten konnten sich aber nach einem unwürdigen Ringen am vergangenen Montag nur auf rund die Hälfte einigen. Dieser müde Kompromiss reicht nicht, ist die konsequente Botschaft der Ratingagentur.

Sie geht heute als weiteres Alarmzeichen um die Welt. Sie zeigt, dass die Lage brandgefährlich ist. Aber sie kommt, bevor der Brand wirklich ausgebrochen ist. Noch ist Zeit, schlimmeres zu verhindern.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Leider wird bei Amerikas Schuldenkrise immer nur auf Obama geschimpft. Aber er hat diese Schulden geerbt, er hat sie mitnichten verursacht. Verursacht wurden sie zu ganz wesentlichen Teilen von den Republikanern. Z.B. hätte die Familie Bush nicht soviele Kriege -mit sehr zweifelhaften Argumenten!- anfangen sollen und gleichzeitig ihre -und ihrer Freunde- Steuern reduziert.

    Der kleine Mann in Amerika wird zu einem (krankhaften?) Patriotismus erzogen (Beispiele gefällig? Nationalhyhmne selbt beim Rodeo, die vielen militärischen Feiertage ...) ... und die ganz Großen in den USA entziehen sich jeder nationalen Verantwortung z.B. durch Steuern welche sie ohne weiteres tragen können.

    Dieses verlogene Selbstverständnis der Republikaner in den USA ist die eigentliche Ursache.

  • Also ich weiss nicht ob die Ratingargenturen viel zu lange still gehalten haben, als der US-Immobilienmarkt boomte. Greenspan von der FED reduzierte die Zinsen und sprach staendig von der Wohlstandsvermehrung fuer das US-Volk. Zu der Zeit war es wohl fuer jeden Idioten ersichtlich, dass es den Knall geben wird - auf jedem Flecken wurden Immobilien errichtet, die TVs waren voll von Immobilien-Anlage-Sendungen. Greenspan war im Erfolgsrausch, wurde gar als das absolute Genie gehandelt (hinterher wurde nur gesagt - bitte keinen Fingerzeig auf die Schuldigen (Anm. Beguenstigten) - dies hilft nicht).

    Greenspan hat kein Problem - er hat seine Pension. Bernanke, sein noch unfaehigerer Nachfolger, lacht und druckt und raubt das Vermoegen der Sparer mit 0 % Zinsen bei doch hoher Inflation (wobei ja auch diese Berechnungsbasis angepasst wurde...).

    Ein erster guter Schritt waere endlich die FED zu beseitigen. Dann Neuwahlen.

    Ansonsten China! Koennte ja nicht mehr schlimmer werden - oder?

  • Ein weiterer Sargnagel für die Fehlkonstruktion Eurozone und die Schnapsidee "illegaler Rettungsschirm". Denn viele europäische Banken und Versicherungen haben US-Anleihen und am kommenden Montag Milliardenverluste! Soll der deutsche Steuerzahler jetzt auch für Amerika einspringen und die Zinsen zahlen? Langsam wird es irrational.

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