Kommentar
Die unbemerkte Allianz zwischen Russland und China

Russland und China arbeiten auf vielen Ebenen weit enger zusammen, als dem Westen oft wahrnimmt. Zudem ist Europa mit der eigenen Krise beschäftigt. Welche Folgen diese mächtige Allianz in Zukunft haben könnte.
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Europa ist derzeit sehr mit sich selbst beschäftigt. Aber der Rest der Welt wartet nicht auf uns. Davon zeugt auch der dreitägige Peking-Besuch Wladimir Putins, der am gestrigen Donnerstag zu Ende ging. Der russische Präsident, von europäischen Politikern immer wieder brüskiert, reist inzwischen gerne nach Osten. Die einstigen Rivalen Moskau und Peking finden immer größere Gemeinsamkeiten, etwa wenn es um die Gestaltung der neuen, multipolaren Weltordnung gehen soll.
Wirtschaftlich gesehen: Russland hat die Bodenschätze, die China braucht, und China hat das Infrastruktur-Know-how, das wiederum Russland braucht. Aber auch politisch findet man mehr und mehr zueinander: Im Umgang mit den notorischen Störenfried-Staaten Syrien und Iran zum Beispiel ziehen beide Weltmächte längst zusammen an einem Strang. Gemeinsam will man jetzt auch Afghanistan wieder auf die Beine helfen, diesmal aber ganz ohne Waffen.
Der größte Flächenstaat und das bevölkerungsreichste Land der Welt betreiben zudem einen Klub, für den sie weiterhin fleißig Mitglieder werben, die ihre Interessen teilen: die im Jahre 2001 gegründete "Shanghai Cooperation Organisation" (SCO). Dankbare Mitglieder sind die Staaten Zentralasiens. Anlässlich des Putin-Besuchs kamen alle diese Interessenten in Peking zu einem Gipfel zusammen. Iran und Afghanistan sind als Beobachter ebenfalls dabei.

Eine mächtige Allianz Gleichgesinnter bildet sich dabei heraus, und man muss wohl auch erkennen: gegen die Interessen des Westens. Das ist immer noch ein politisches Ambiente, in dem sich Putin sichtbar wohlfühlt. Die Chinesen haben ihn dabei nicht spüren lassen, dass er in der SCO eigentlich nur der Juniorpartner ist. Deshalb auch schwelgt Russlands Präsident nun von "Beziehungen auf einer noch nie erreichten Höhe".

Auf dem Sankt Petersburger Gipfel der Europäischen Union und Russlands von Anfang der Woche war das noch anders. Dort musste sich Putin erneut herbe Vorwürfe zu seinem autokratischen Umgang mit den politischen Gegnern anhören. In Peking dagegen herrsche, so Putin unverblümt, ein pragmatischerer Ansatz "ohne Vorurteile und Stereotypen". Da mag man in Europa noch so viel über die neue Einigkeit der Diktatoren schimpfen. An der wachsenden Bedeutung der SCO wird dies absolut nichts ändern. Und je schwächer Europa wird, desto einfacher kann diese neue Allianz auftrumpfen.

Frank Sieren. Der Bestsellerautor ("Der China-Schock") gilt als einer der führenden Chinakenner.
Frank Sieren
Handelsblatt / Korrespondent China

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  • Unbemerkt?

    Wer in den letzten fünf Jahren Zeitung lesen/fernsehen konnte, hat bestimmt immer mal wieder Meldungen registrieren können, daß Rußland und China immer mehr zusammenrücken. Aber unsere Politiker und Firmenbosse, die sich selbst in ihrem Wahn gerne als "Elite des Landes" bezeichnen, nehmen längerfristige Entwicklungen eben nicht wahr.

  • @smersh
    @anonym oder Jaja??? Sie haben vermutlich mich gemeint, dann bitte bemühen Sie sich auch zumindest um richtige Ansprache. Mich wundert allerdings nicht, dass man für persönliche Meinung als Handlanger, Schreiberling, Pressesprecher... etc. von Putin beleidigt. Ist halt Ihr Niveau... Ein gekränkter Nationalstolz ist eher bei Ihnen einzuordnen.
    Was haben Sie mit Ihrem Kommentar eigentlich ausdrücken wollen? Dass Russlands Etat zum größten Teil aus Rohstoffexporten besteht weiß doch jedes Kind. Aber, dass dieser Etat auf dem möglichst niedrigen Rohstoffpreis geplant wird um sogar alle Rüstungs-/Sozialprojekte zu erfüllen und im Notfall gewisse Ausgaben einzusparen, ist Ihnen entgangen. Das nennt man wirtschaftliche Zusammenhänge. Vor lauter Schadenfreude haben Sie dies leider nicht aufgenommen. Bitte verschonen Sie die Welt mit Ihren "Weißheiten". Aber Ihre Meinung akzeptiere ich.

  • @anonym: dienstbeflissen geben Sie hier den Pressesprecher Putins. Es mag Ihren patriotischen Stolz missfallen, aber Russland ist sowohl gegenüber China, als auch gegenüber der EU lediglich ein Juniorpartner, hinsichtlich der Bevölkerung und der Wirtschaftskraft. China hat Russland industriell längst links liegen gelassen, während es sich um Russland in erster Linie um einen Rohstoffexporteur mit etwas Waffen und Raketen als Beigabe handelt. Ein bedeutender Teil des russischen Staatshaushaltes stammt aus den Einnahmen durch Rohstoffexporte. Alleine deswegen wird Russland seine Lieferverträge erfüllen müssen. Es ist auf das Geld des lästigen Westen angewiesen. Un das so sehr, das Kudrin vor den Auswirkungen der europäischen Krise auf Russland eindringlich warnte:
    http://www.nytimes.com/2012/05/25/business/global/russias-aleksei-kudrin-warns-of-fallout-from-economic-crisis.html

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