Kommentar
Ein Plan B für Europas Finanzsystem

Nicht alle Euro-Staaten werden von den politischen Partnern gerettet werden können. Aber erneute Finanzkrise muss verhindert werden. Das darf aber unter keinen Umständen so teuer werden wie zuletzt.

DüsseldorfZwei Fragen, die eng miteinander zusammenhängen, bewegen die Euro-Zone. Erstens: Wie groß sind die Probleme der europäischen Banken? Und zweitens: Können die Europäer auf Dauer alle Euro-Staaten retten?

Der Zusammenhang liegt auf der Hand: Wenn einzelne Staaten nicht gerettet werden, geraten reihenweise Banken in Not. Auf diesen Fall muss sich Europa vorbereiten. Die neue Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, trifft mit ihrer Aufforderung, die europäischen Banken mit mehr Kapital wetterfest zu machen, ins Schwarze. Ihre Forderung wiegt umso schwerer, weil sie als ehemalige Finanzministerin Frankreichs die großen Pariser Banken gut im Blick haben dürfte, die ja besonders viel Kredite an schwache Euro-Staaten vergeben haben. Und richtig ist auch die Forderung, dass sich die Banken zunächst aus eigener Kraft mit mehr Kapital gegen den Sturm rüsten sollten, den die Insolvenz eines Mitglieds der Euro-Zone auslösen würde.

Immer stärker zeichnet sich ab, dass irgendwann einer der Euro-Staaten zahlungsunfähig wird - und zugleich möglicherweise wieder eine nationale Währung einführen muss. Die Folge wäre ein Run auf die Banken dieses Landes. Außerdem müssten europaweit viele Banken hohe Abschreibungen verkraften, die einige Institute in ernsthafte Bedrängnis brächten. Wie stark diese Probleme werden, hängt auch davon ab, wie viel Prozent der Schulden eines Staates gestrichen werden oder wie stark dessen Währung nach einem Ausstieg aus der Euro-Zone abwertet. Da es sehr schwierig ist, hierzu einzelne Szenarien genauer durchzurechnen, ist Vorsicht in jedem Fall angebracht, da hat Lagarde recht.

Bisher vertrauen alle Beteiligten noch viel zu stark darauf, dass die Staaten irgendwie durchfinanziert werden und ein Schuldenschnitt, wie jetzt im Falle Griechenlands, nur freiwillig und symbolisch stattfindet, so dass letztlich alle Banken damit klarkommen. Aber wer die politische Situation in Deutschland und in den angeschlagenen Euro-Staaten analysiert, kommt an der Erkenntnis nicht vorbei: Letztlich gibt es keine Sicherheit mehr. Denn die Bereitschaft zu bürgen auf der einen und die, sich einem fremden Diktat zu unterwerfen, auf der anderen Seite schwindet dahin. Es kann daher auch zum Knall kommen, bei dem einige Banken kurzfristig in Finanznot geraten.

Seite 1:

Ein Plan B für Europas Finanzsystem

Seite 2:

Eine Bankenrettung könnte vorteilhaft sein

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%