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Europa kann stolz sein

Seit 1945 hat es in Europa kein solches Blutbad wie den Zweiten Weltkrieg gegeben – ein Verdienst der Europäischen Union. Der Friedensnobelpreis war daher überfällig. Er entlässt aber nicht aus der Verantwortung.
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Was für ein politisches Signal: Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr an die Europäische Union. Ausgerechnet die Jury aus Norwegen, einem Land, dass sich in der Vergangenheit zweimal gegen einen Beitritt zur EU ausgesprochen hat, adelt das europäische Projekt. Diese Würdigung ist eine schöne Überraschung – und als solche überfällig gewesen. Denn nominiert war die EU in den vergangenen Jahren schon mehrfach.

Zu Recht: Die Einigung Europas hat einen Kontinent befriedet, der über Jahrhunderte in Kriegen um Blut und Boden versunken war. Menschen und Nationen trauten einander nicht über den Weg. Es war viel die Rede von Todfeindschaften und Mentalitäten, die einfach nicht zu einander passen. Europa als Friedens- und Demokratieprojekt hat mit dieser Mär aufgeräumt.

Angesichts der Schuldenkrise und der damit wachsenden EU-Skepsis bei den Menschen ist dies weitgehend in Vergessenheit geraten – dies umso mehr, als Politiker, die das Leid des Zweiten Weltkrieges noch am eigenen Leib erfahren haben, die aktuelle Politik inzwischen kaum mehr mitbestimmen.

Umso wichtiger ist das Lob aus Oslo. In wirtschaftlich harten Zeiten ist das europäische Wir auf eine harte Probe gestellt. Die Entscheidung des Nobel-Komitees ist deshalb eine Ermahnung, die Errungenschaften Frieden, Demokratie, Menschenrechte und sozialen Zusammenhalt nicht aus den Augen zu verlieren oder gar leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Denn ohne Frieden, ohne gegenseitiges Vertrauen der Staaten untereinander, ist aller Wohlstand nichts. Das Lob aus Oslo macht Mut, am europäischen Projekt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten festzuhalten.

„Der gerade flügge werdende Europäische Traum repräsentiert das beste menschliche Streben nach einem besseren Morgen", hat der amerikanische Publizist Jeremy Rifkin vor ein paar Jahren über die Europäische Union geschrieben. Damit hat er das europäische Projekt zwar etwas pathetisch doch treffend auf den Punkt gebracht.

Tatsächlich steckt das bessere Morgen heute in der Krise, die Gemeinschaft im Schlamassel von Staatsschuldenkrise, sozialer Spannungen und schwindendem Bürgervertrauen. Ein gefährliches Gemisch. Es droht ein neuer Nationalismus. Doch der ist keine Alternative zu einem einigen Europa. Wohin übersteigerter Nationalismus führen kann, haben wir in Europa in der Vergangenheit mehrfach schmerzhaft erfahren müssen.

Ob sie wollen oder nicht, die Geschichte verbindet die europäischen Staaten miteinander. Und genau darin liegt die Chance. Die Europäische Union ist aus den Erfahrungen und dem Leid des Zweiten Weltkrieges heraus entstanden. Ein solches Blutbad mit Millionen Toten sollte es nie wieder geben. Im Mai 1950, knapp ein Jahr nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, legte Frankreichs Außenminister Robert Schuman einen Plan für eine engere Zusammenarbeit in Westeuropa vor. Im April 1951 wurde dann die „Montanunion“ gegründet, ein Vorläufer der EU. Mit ihr wurden die als kriegswichtig geltenden Branchen Kohle und Stahl in Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden unter eine gemeinsam organisierte Kontrolle gestellt.

Kommentare zu " Kommentar: Europa kann stolz sein"

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  • Wenn ich immer höre, der Euro und die EU haben den Frieden in Europa gebracht. So ein dummer, verlogener Quatsch. Wer war denn für alle Kriege in der Geschichte verantwortlich - na , mal nachdenken. Die Kriege wurden immer von den Herrschenden, den Königen, Präsidenten oder verantwortlichen Politikern angezettelt. Das Volk wurde getäuscht und aufgewiegelt. Immer waren es die Regierenden und nicht die Bevölkerungen der einzelnen Staaten. Nach zwei grausamen Weltkriegen mit Millionen Toten, haben die Völker erkannt, dass sie nur ausgenutzt wurden von den Regierenden. Sie mussten Kinder und Ehemänner für verblendete Politiker in den Krieg schicken. Die Leute heute sind aufgeklärter und haben genug vom Gemetzel auf dem Schlachtfeld. Und sie wissen genau, ein Krieg heutzutage, würde in einem atomaren Krieg enden. Und das macht heute niemand mehr in der Bevölkerung mit, da ist das Risiko zu groß, heil aus der Sache herauszukommen. Das ist der Grund für den nun ca. 60-jährigen Frieden in Europa - UND KEINESFALLS DER EURO. Das ist dumme Propaganda der eurowahnsinnigen Politiker

  • @Scheinwelt_und_Eurocrash
    Ich fühle wie Sie.
    Dieser pro Europa-Journalismus wird kontrolliert und manipuliert von Frau M. Wie das funktioniert hat sie in der DDR gelernt. Diese Gutmenschen-Medien ARD, ZDF, Dritte, Bild, manipulieren genau so die Menschen wie die Aktuelle Kamera in der DDR. Ekelhaft es hat sich nichts geändert. Die DDR existiert weiterhin. und der deutsche Michel ist zu blöd um das zu merken

  • Pardon: Die Chinesen haben die 1-Kind Politik (weitgehend) realisiert.

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