Kommentar

Fataler Fehler

Die irrtümliche Herabstufung von Frankreich hat eines gezeigt: Die Ratingagenturen haben aus der Krise nichts gelernt. Wir brauchen endlich eine unabhängige Institution, die die Bonität von Ländern beurteilt.
13 Kommentare

Der Fehler der Ratingagentur ist mehr als ein ärgerlicher Patzer. Standard & Poor's gehört zu den Ratinagenturen, deren Urteil für Investoren lebenswichtig ist. Wenn aus diesem Haus die Kunde nach außen dringt, dass ein Kernland der Eurozone als dauerhaft weniger kreditwürdig gilt, halten die Märkte den Atem an. Es ist so, als würde der Zünder einer Atombombe scharf gestellt. Wenn dann einer "Entwarnung - war ein Versehen!" ruft, ist es damit nicht getan. Der fatale Fehler muss vielmehr dazu führen, dass endlich die Macht der Ratingagenturen beschnitten wird.

Es ist doch so: Wer auch immer Geld anlegen will, steckt spätestens seit der Finanzkrise in einem Dilemma. Es gibt für große Unternehmen, für Finanzprodukte und für Länder genau drei Ratingagenturen, die die Bonität der Schuldner prüfen. Diese drei Agenturen haben komplett versagt, als es darum ging, heikle Finanzprodukte richtig zu bewerten. Sie haben damit die Krise zwar nicht verursacht, sind aber ihrer Rolle als entscheidender Notengeber nicht gerecht geworden. Also, so hoffen Anleger und Steuerzahler seither gleichermaßen, muss sich beim System der Agenturen etwas ändern.

Diese Hoffnung ist inzwischen in Verzweiflung umgeschlagen. Tatsächlich ändert sich nämlich kaum etwas. Als Folge der Finanzkrise gewinnt ein nur leicht modifiziertes System von Ratingagenturen mitsamt seinen Protagonisten noch an Bedeutung. Eine Mail von diesen Herren, die offenbar im Mailfeld "Adressaten" nicht ganz sattelfest sind, bedeutet, dass das Euro-System ins Wanken gerät.

Im Fall von Länderratings bedeutet diese Erkenntnis, dass eine unabhängige Institution, die über Expertise verfügt, hier eine dringende Aufgabe findet. Vielleicht könnte die EZB, die derzeit ja nichts anderes zu tun zu haben scheint, als Staatsanleihen zu kaufen, sich dieses Themas endlich einmal annehmen.

Startseite

13 Kommentare zu "Kommentar: Fataler Fehler"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Frankreich war zweimal frech: hat erstens mit JA zur Mitgliedschaft eines Nichtstaates in der UNESCO gestimmt -
    hat zweitens jemanden einen Lügner gescholten! Da gabs einen Schuß vor den BUG! Wollen doch mal sehen, wer hier stärker ist. Versehen, technische Panne? hahah - man muß die Dinge steuern und seinen Erfüllungsgehilfen sogen, wo es lang geht! Gruß auch an Barack - mach dich nicht frech!

  • Klartext Dieser Vorfall zeigt Eindeutig das Europa so eine Instanz die glaubwürdige Bewertungen abgibt DRINGEN braucht !Gelinde Ausgedrückt ist das ein Starkes Stück !Gerade die USA haben durch die Ratingagenturen Enorme Vorteile !Loyalitätskonflikte und unabhängig zu Urteilen gehen immer zu LASTEN des EURORAUMES weil Sie nicht wollen das Europa eine Starke Währung hat!Basta .

  • Ich habe mich sehr bemüht, den alle ersten Satz zu verstehen:
    "Die irrtümliche Herabstufung von Frankreich hat eines gezeigt: Die Ratingagenturen haben aus der Krise nichts gelernt."

    Doch aus einer irrtümlichen Mitteilung durch S&P kann ich wirklich nicht erkennen, warum die Ratingagenturen einschliesslich Moody's und Fitch aus der Krise nicht gelernt haben.

  • Bingo. Bestens erkannt.
    Der Meinung bin ich nämlich auch.
    Das war kein Fehler, das war pure Absicht

    Und was heißt schon unabhängige europ. Rating-Agentur?
    Unter der Aufsicht der Kriminellen aus Brüssel oder Merkel?

  • Die Bonität Frankreichs und Deutschlands ist angeschlagen. Durch dies irrwitzigen Zahlungen und Garantien der Rettungsfonds. Es ist vollkommen richtig, dass die Ratingagenturen da reagieren.

  • Es ist mir unbegreiflich, wie man von einer Institution, die auf Druck der Politik am laufenden Band wertlose Staatsanleihen kauft, um Staaten zu stützen, unabhängiges Rating erwarten kann? Wer diesen Interessenkonflikt nicht sieht, braucht'n Blindenhund!
    Die einzige Lösung wäre es doch wohl, GAR KEINE Staatsanleihen mehr zu kaufen > DAS ist dann auch die einzige Form einer wirksamen Schuldenbremse. Ansonsten gilt: wer Staaten sein Geld anvertraut, ist selber dran Schuld!

  • Ratingagenturen brauchen zur Geldanlage nur die, die auch italienischen Statistiken und griechische Reformgesetze glauben . Frankreich ist total pleite, bei der kleinsten Reformankündigung demonstrieren 1 Mio Leute und die Arbeitnehmer haben nicht das Arbeiten gefunden (ich arbeite für ein französisches Unternehmen, kenne daher bestens die fanzösische Arbeitsmoral). Wenn das Land AAA ist, dann ist Nordkorea mindestens AA-. Wer Frankreich Geld leiht, hat einen Knall. Für das Wissen brauch ich kein S&P.

  • Hat der Autor vielleicht blaue Augen. Die Augenfarbe soll ja in D besonders häufig vorkommen.

  • Veehrter Herr Stock, wir befinden uns in einem trasatlantischen Währungskrieg, falls Sie das noch nicht bemerkt haben sollten. Da wir im Moment aus allen verfügbaren Rohren geschossen nach dem Motto Aktion-Reaktion.
    Aktion Frankreich-Deutschland, wir verkleinern die Währungszone. Dementi.
    Aktion USA, wir demontieren das Frankreich-Rating. Dementi.

    Wenn wir Optimisten sind, nehmen wir den Vorgang als bloße Manöversituation. Es wird noch nicht scharf geschossen.Die Möglichkeiten , die zur Verfügung stehen, werden vorgeführt.

  • Aber Herr Stock, die Agenturen haben damals bei der Bewertung der Papiere nicht "versagt", die haben blendend daran verdient! Man muß sich nur die Liste der Inhaber ansehen, um zu begreifen, warum die gar nicht anders "konnten"...

    Aber mit solchen Methoden beginnt man einen Wirtschaftskrieg. Krugman plädiert zeitgleich mit Mayer von der DB für das Anwerfen der Druckpresse für den Euro, zusammen mit dem S&P Schuß gegen Frankreich kann man das schon eine "Konzertierte Aktion" nennen. Es geht nicht um den Euro, es geht um die Reputation des Dollar.

    Und um den etwas besser dastehen zu lassen, versucht man eben, den Euro sturmreif zu schießen. Ist ja auch zu peinlich, wenn der Euro bei den Problemen insgesamt in Euroland immer noch um rund 15 Prozent gegenüber dem Dollar über dem Ausgabekurs kiegt! Das muß geändert werden - notfalls mit Gewalt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%