Kommentar Griechenlands Austritt wäre bitter - aber verkraftbar

Die Euro-Zone kann ohne Griechenland weiterleben. Einige Kollateralschäden müsste die Währungsunion doch verkraften. Für die privaten und staatlichen Gläubiger wird es teuer - und für Italien und Portugal wird es eng.
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Ruth Berschens ist Büroleiterin des Handelsblatts in Brüssel. Quelle: Pablo Castagnola

Ruth Berschens ist Büroleiterin des Handelsblatts in Brüssel.

(Foto: Pablo Castagnola)

Griechenland repräsentiert nur einen winzigen Bruchteil des europäischen Bruttoinlandsprodukts. Ein Austritt des Landes wird Wirtschaft und Währung Europas daher sicher nicht in ihren Grundfesten erschüttern.

Einige Kollateralschäden müsste die Währungsunion allerdings verkraften: Die privaten und staatlichen Gläubiger Griechenlands könnten ihre Forderungen an das Land wahrscheinlich endgültig abschreiben. Denn mit dem Austritt würde Hellas sofort zahlungsunfähig.

Wenn das Land die Drachme wieder einführt, wären eine drastische Abwertung und Inflation die sichere Folge. Einen großen Teil der Schulden kann Hellas dann wohl überhaupt nicht mehr zurückbezahlen. Für die europäischen Banken ist der beim letzten Euro-Gipfel vereinbarte Schuldenschnitt um 50 Prozent im Vergleich dazu noch ein gutes Geschäft. Deutschland und die anderen Euro-Staaten müssten sich zudem damit abfinden, dass ein großer Teil der bereits ausgezahlten Kredite an Griechenland verloren sind.

Ein griechischer Ausstieg birgt für die Euro-Zone ein weiteres großes Risiko: Die Ansteckungsgefahr. Die Gläubiger Portugals könnten auf die Idee kommen, dass die Regierung in Lissabon irgendwann auch Abschied von Sparkurs und Euro-Zone nimmt. Für die Regierung in Lissabon würde es dann noch viel schwerer, Vertrauen an den Finanzmärkten zurückzugewinnen.

Noch heikler ist der Fall Italien. Die Regierung in Rom muss den internationalen Investoren nach einem griechischen Austritt noch schneller und dringender beweisen, dass sie Reformen und Haushaltskonsolidierung ernsthaft in Angriff nehmen will. Einen Ministerpräsidenten Berlusconi kann das kaum noch gelingen. Der Mann hat seinen Vertrauensvorschuss an den Märkten endgültig verspielt. Italien braucht daher dringend einen Regierungswechsel.

Die Euro-Zone darf zudem nicht den Fehler machen, Griechenland nach einem Austritt völlig abzuschreiben. Das Land muss wenn irgend möglich Mitglied der EU bleiben - auch wenn der EU-Vertrag von Lissabon das rechtlich eigentlich gar nicht zulässt. Wenn sich die Europäer nicht mehr um die Griechen kümmern, dann entstünde womöglich ein zweites Somalia in der Ägäis. Das kann kein Europäer wollen.

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11 Kommentare zu "Kommentar: Griechenlands Austritt wäre bitter - aber verkraftbar"

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  • Es sind nicht nur die griechischen Politiker, die lügen!
    Während der letzten Jahre habe im Grunde alle Politiker gelogen, auch die deutschen. Auch die Mär von der Erschleichung durch manipulierte Zahlen geht an der Wirklichkeit vorbei. Alle europäischen Staaten wußten um die wahre Lage des griechischen Staatshaushaltes. Nur wollte man Griechenland unbedingt in der Eurozone haben, daher mußte man den Schein wahren.

    Und zu dem Argument, daß in ein paar Jahren die Eurozone pleite wäre, wenn wir Eurobonds hätten. Japan beispielsweise hat eine deutlich höhere Staatsverschuldung als Griechenland. Trotzdem erhält Japan äußerst günstige Zinsen für Kredite. Ähnliches haben wir bei den USA.

    Und wenn schon ein Staat die Eurozone verlassen sollte, dann vor allem Deutschland. Es ist das einzige Land, das ganz bewußt die Stabilitätskriterien durch Deflation und Lohndumping untergräbt. Deutschland macht seine Exportgewinne auf Kosten seiner Nachbarn. Diese können sich wegen der gemeinsamen Währung aber nicht wirkungsvoll zu Wehr setzen und werden so in die Schuldenfalle getrieben. Genau genommen sind wir die europäischen Schmarotzer, nicht etwa die Griechen, Portugiesen, Spanier, Irländer oder Italiener. Deutschland ist das Krebsgeschwür in der EU, wir ziehen die Kapitalflüsse zu uns und geben wenig zurück!

  • @gerhardq, deine Ansicht bezüglich Spekulanten ist völlig falsch. Man kann nicht seine Haustür immer offen lassen, und dann wenn etwas weg ist, sind die Diebe schuld.Die Hauptschuldigen sind die griechischen Politiker, die ständig lügen, die Europäische Politiker, die durch Ideologie der Euroromantik, die Probleme und Lügen ausgeblendet haben, und die EZB, die gerade die Banken motiviert hatte griechische Anleihen zu kaufen. Die EZB akzeptierte diese Anleihen als Sicherung für Kredite an den Geschäftsbanken. Ich rede hier von 2009. Es war eindeutig von Politik und EZB gewollt, dass die Banken die Gr.Anleihen kaufen. Man muss faire Weise sagen, dass hier die Banken nicht nur aus Gier gehandelt hatten. Man bekommt einen besseren Durchblick, wenn man politisch gewollten Maßnahmen genauer betrachtet. Auf die Spekulanten zu schimpfen, ist genauso ungerecht. Wenn die Leichen der Toten rumliegen, sind die Geier als Umweltpolizei sogar sehr wichtig, sonst verbreiten die Leichen die Krankheiten. Die kronische Krankheit ist hier: Unendlich und unbegrenzt an GR zahlen.

  • Wäre es gut wenn Kalifornien darüber abtimmet ob es in den USA verbleiben will oder nicht ?
    Eines wird deutlich . Wir brauchen eine gemeinsame Wirtschaftsregierung in Europa . Sonst ist diese Union auf dauer nicht schwer zu halten .
    Das alles kam weil die deutsche Regierungspartei , Eurobonds verteufelt und ein vereinigtes Europa ablehnt .
    Es wäre alles leichter geworden wenn wir mit einer gemeinsamen Simmte sprechen .
    Wenn Griechenland geht sind die so verschuldet das die leicht nicht zurück in die Europäische Union können .

  • Was Sie vorschlagen, ist das Dümmste, was man sich nur vorstellen kann. Das ist der gemeinsame Bankrott der Eurozone in wenigen Jahren. Aber so sind die Deutschen: Verführbar wie früher, was "politische Projekte" abbelangt. Sie können kosten, was sie wollen - und wenn es der gesamte deutsche Wohlstand ist.
    Sie sollten sich vielleicht mal mit den Argumenten der Volkswirte auseinandersetzen, die genau darlegen, warum der Euro als Währung in diesen unterschiedlichen Nationen nicht funktionieren kann! Setzen Sie mal Ihre Ideologenbrille ab. Manchmal hilft es... bei anderen ist alles vergeblich. Sie gehen lieber gemeinsam in den Untergang, das kennen wir speziell aus der deutschen Geschichte zu Genüge!

  • Ich glaube, das grundsätzlich Problem ist das Konstrukt EURO selber. Ohne eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik auf europäischer Ebene ist diese Währungsunion zum Scheitern verurteilt. Auch ohne Sanktionsmechanismen hinsichtlich der Einhaltung der sog. Maastrichtkriterien hat diese Währungsunion keine Zukunft. Hier muss ein radikaler Vorschlag her, da man bei Einführung des Euros den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht.

  • Die Ansteckungsgefahr eventl. gar nicht so groß . Wenn die anderen Länder sehen was aus Griechenland wird nach dem Austritt , will die Euro Union keiner mehr verlassen . Griechenland wäre das Ärmste Land der Welt .
    Aber wer so gegen die Leute tritt die im Helfen wollen hat es nicht besser verdient .
    Abstimmen hört sich immer gut und Demokratisch an . Der Zeitpunkt ist wichtig . Wenn der Kranke seine Medizin ablehnt brauchen wir ihm nicht mehr helfen .
    Wenn unser Boot untergeht brauchen wir nicht mehr abstimmen ob wir von Bord gehen oder nicht .

  • Schade ist - bei Frau Berschens wie bei anderen - dass Journanisten so wenig Traute haben, sich volkswirtschaftlichen Sachverstand anzueignen und die Dinge vorurteilslos analysieren und nicht auf die Zwangsjacke "politisches Projekt" reinfallen.
    Deutschland muss dringend sofort die Eurozone verlassen. Nicht aus Egoismus, sondern weil Deutschland der Fremdkörper ist. Die PIIGS müssen dringend in die Lage versetzt werden, die ihnen verbleibende Währung Euro abzuwerten, damit die Wirtschaft anspringt.
    Auch das wird teuer für Deutschland - denn es muss schon sichergestellt werden, dass diese Staaten dann nicht reihenweise insolvent werden.
    Der eingeschlagene Weg führt allerdings dazu, dass Deutschland in viel kürzerer Zeit als allgemein vorstellbar ist, den eigenen Staatsbankrott im Kreise seiner westlichen (nicht östlichen - die schlauen Polen!) Nachbarn feiern kann. Damit ist Europa dann vollends zerstört. Die Politiker spielen ALLES oder NICHTS - es wird leider beim NICHTS enden!

  • Die Anti-Demokraten sind in Aufruhr! Das Volk soll bestimmen sowas geht natürlich gar nicht....

    Raus aus der EU und dem EURO! Direkt Demokratie in Deutschland per sofort.

  • Ich glaube nicht, daß ein Austritt Griechenlands für die Eurozone verkraftbar wäre. Zum einen würde das eine Art Initialzündung für andere Länder wie Portugal, Spanien, Italien, Irland bedeuten. Zum anderen würde es die internationale Spekulation mit Regierungsanleihen dramatisch erhöhen. Wenn die Hedgefonds dann auf den Austritt anderer Länder wetten, könnten sie indirekt auch dafür sorgen, daß das Ereignis eintritt.

    Was wir dringend brauchen, ist eine europäische Lösung der Finanzierung der Euroländer. Die Finanzierung muß von den Geschäftsbanken unabhängig sein, am Besten wäre es, wenn sie direkt unter der EZB aufgehängt würde. Wenn die EZB Euro-Anleihen herausgeben kann, die direkt von der ganzen EU garantiert werden, sind wir in der Lage, der internationalen Spekulation das Genick zu brechen. Denn sie trägt die Hauptverantwortung für das jetzige Desaster und sie hat es im Grund verdient, bildlich gesprochen, richtig auf die Schnauze zu fallen. Wenn die notleidenden Länder ihre Schulden zu einem geringen Zinssatz umschulden und frisches Geld zu einem ebenfalls geringen Zinssatz aufnehmen können, hätten sie die Chance, ihre Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen. Leider haben wir vor allem in Berlin idiologisch verblendete Betonköpfe sitzen oder geniale Spekulanten, die den Ruin Griechenlands billigend oder bewußt in Kauf nehmen. Nur eines vergessen diese, in der heutigen komplexen und dicht vernetzten Welt sind die Reaktionen des Systems nicht vorhersehbar. Und, sie können sehr dramatisch sein. Daher sollten unsere berliner Betonköpfe im Grunde äußerst vorsichtig sein, sowohl mit ihren Äußerungen wie auch mit ihren Handlungen. Aber wie sagte schon Albert Einstein so schön (sinngemäß): "Es gibt zwei Dinge die unendlich sind, das Universum und die menschliche Dummheit. Bei dem Universum bin ich mir allerdings nicht mehr sicher."

  • "Wenn sich die Europäer nicht mehr um die Griechen kümmern, dann entstünde womöglich ein zweites Somalia in der Ägäis. Das kann kein Europäer wollen."
    Was für ein Schwachsinn ist das denn? Soll damit die Notwendigkeit zur Finanzierung des betrügerischen Staats verkauft werden um zu vermeiden, dass GR zu einem Piratennest wird? Wenn diese Erpressung versucht werden sollte, kann es nur eine Reaktion geben: Griechenland raus aus der EU!

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