Kommentar
Italiens Bittgang nach Peking geht nach hinten los

Italien bittet China um Geldspritzen, um sich gegen den Griechenlandvirus zu wappnen. Das ist der falsche Weg: Er stärkt Vorbehalte gegen die EU und Pekings Überlegenheitsgefühl. Dabei könnte Peking Rom gar nicht retten.
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Italienische Beamte haben es ausgeplaudert: Italien bittet China um Geld. Bettelei in Ostasien hilft verschuldeten Euro-Ländern beim Umgang mit der Finanzmisere allerdings wenig. Roms Sondierungen in Peking zeugen vielmehr davon, wie wenig die unter Druck stehenden europäischen Regierungen die Wirkung solcher Bittgänge verstehen.

Italien ist nicht das erste Euro-Land, das auf Investoren aus Asien hofft – Griechenland, Portugal und Spanien gaben sich in Peking die Klinke in die Hand. Berlin und Paris ist das recht – sie hoffen auf Entlastung in der Dauerkrise. Aber aus asiatischer Sicht demonstriert der römische Verzweiflungsakt erneut die Schwäche des Westens. Wenn Länder der Euro-Zone in Fernost um Finanzhilfe nachsuchen, belegt das für Peking die Zersplitterung des Euro-Wirtschaftsraums. Das schwächt das ohnehin schon lädierte Vertrauen in die Fähigkeit der Europäer, ihre Probleme zu lösen – und dürfte mittelfristig die Märkte eher verunsichern als stabilisieren.

Die Europäer sollten ihre Schuldenkrise aus eigener Kraft bewältigen können. Immerhin handelt es sich bei der Euro-Zone um den Verbund einiger der wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt. Umso mehr stößt die Lähmung Europas im zentral organisierten China auf Unverständnis. Peking hat schon öfters Banken oder die überschuldeten Gemeinden mit dreistelligen Milliardenbeträgen gerettet, ohne dass jemand davon Notiz genommen hätte.

Die Bettelei bestärkt die Chinesen zudem in einem aufkommenden Überlegenheitsgefühl. Staatsmedien haben die Nachricht vom Ansinnen Italiens sofort aufgegriffen und genüsslich weiterverbreitet. Wer derzeit mit jungen Chinesen spricht, hört immer wieder Aussagen wie: „Der Westen ist doch am Ende – jetzt kommt unsere Zeit.“ Für die chinesische Seele ist das Balsam nach einem Jahrhundert als Opfer der Kolonialisierung und selbstverschuldeter Armut. Doch Europa beschädigt sich damit das wertvolle Image einer wirtschaftlich starken, zuverlässigen und fortschrittlichen Region.

Selbst wenn die europäischen Regierungen auf eine Linderung ihrer Probleme durch chinesischen Beistand hoffen und Premier Wen Jiabao verbal auch durchaus darauf eingeht – China kann und will die Südländer nicht herauspauken. Sie haben daher nur vergleichsweise geringe Beträge in europäische Staatsanleihen aus den Krisenländern investiert. Selbst wenn das mit Devisen reich gesegnete China genügend Mittel hätte, wollen die Finanzpolitiker in Peking nicht als Retter auftreten. Schließlich steht es mit der Bonität der Schuldner nicht zum Besten.

Es mag sein, dass ein guter Teil der Rechnung für die Sanierung des Euros an Deutschland hängenbleibt. Europa sollte aber den Stolz aufbringen, seine Schuldenkrise aus eigner Kraft zu überwinden. Dass die Chinesen auch in Staatsanleihen aus dem Euro-Raum investieren, versteht sich von selbst. Wir sollten ihnen jedoch nicht als Bittsteller hinterherlaufen.

Der Autor ist Korrespondent in Peking. Sie erreichen ihn unter: mayer@handelsblatt.com.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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  • In manche Beitraege ist die Rede von Stolz und Nord- und Suedeuro. Vielleicht waere es besser wenn alle Eurolaender wieder zurueck kehren wuerden nach die alte Waehrung. Denn es koentte sehr problematisch sein festzustellen wer gehoert zur Sued und wer zur Nordeuro. Zum Beispiel Frankreich ist der zweit groesste Ekonomie der EUlaender aber waere vermuttlich ein Schwaechling fallsch er aufgenommen wurde im Nordeuro, ausserdem wuerden andere Mittglieder im Nordeuro kaum etwas zu sagen haben denn heutzutage sind es ja auch Deutschland und Frankreich die versuchen immer wieder Ihre Enscheidungen zu machen fuer die ganze Eurolaender.
    Die Angst der USA Ihren Platz zu verlieren in die Weltekonomie hat dazu beigetragen den Euro zu vernichten oder zumindest die Anziehungskraft als Reservewaehrung zurueck zu bringen.
    Wenn der ganze Waehrungsraum der Euro aufgehoben wird wuerde es vielleicht bequemer nach ein paar Jahre eine engere Verbindung zwischen diverse Staaten wieder herzustellen aber das sollte nicht unbedingt nur auf eine Muenze festgelegt sein.
    Die Gesetzte fuer den Euroraum sind das beste was produziert wurde, da der EU Parlement einen ganz andere Auffassung hat als die Mittgliedslaender bringt das Parlement nur Unruhe und Bitterkeit. Die Gesetze haben sich bemueht zur Aufstieg der Wirtschaft,das Parlement geht es nur um die Macht.
    Immerhin ist es ja so dass heutzutage schon verschiedene Laender wirtschafftlich zusammen gehoehren. Wenn wir jetzt noch die Baenke wieder unter Kontrolle bekommen waere dass
    der Wachstum wieder auf Fordermann bringen denn die Politiker brauchen Ruhe und Zeit und Abstand von die heutigen Probleme um wieder normal zu funtionieren.

  • Wie hieß es und heißt es bei den Eurotikern: Durch Europa werden wir stark! Selbst der "Altersweise" Schmidt läuft zur Hochform auf und erklärt uns (ausgerechnet er!) die Zukunft wie sie in 40 Jahren aussieht: Nur Europa kann einer der Pole in der Welt sein. So ein Quatsch! Genau wie große Konzerne sind große Staaten sehr unflexibel und eingebildet. Fehlende Flexibiltät wird meist durch straffe Regeln und rigide Methoden "kompensiert"; mit einer freien, demokratischen Gesellschaft hat das meist wenig zu tun. Gerade China ist in dieser Hinsicht das beste Beispiel. Deutschland kann auch ganz allein als Nationalstaat und Volkswirtschaft erfolgreich sein. Man sieht es an Rußland: Ohne Sowjet-Balast kann sich das Land frei entwickeln, ohne seine "Satelliten" mit durchfüttern zu müssen. Der Euro und die EU sind Ballast und keine Chance für Deutschland. Oder wollen auch wir, wie die Italiener, demnächst von Chinesen bevormundet werden?

  • Mehr als diese Bettelgängehat hat die italienische Politik z.Zt. leider nicht zu bieten. Betteln ist für Arbeitsscheue Politiker auch leichter, als die Menschen mit unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren.

    Italien ist nicht dieses wirtschaftstarke Land, als das es (auch leider von den Medien) vielfach hingestellt wird. Dieses Wirtschaft besteht in der Hauptsache aus zehntausenden von Mikrounternehmen mit nur wenigen Beschäftigten. Sollte die Wirtschaft im Euroraum tatsächlich drastisch einbrechen, werden diese Kleinstunternehmen zu den ersten Opfern gehören. Zudem hat Italien ein Steuersystem, das die Kleinen schröpft und die wirklichen Verdiener schont. Außerdem ist Steuerhinterziehung in Italien wohl der Volkssport Numero uno. (Siehe Berlusconi) Sich unter diesen Umständen eine derartig horrende Staatsverschuldung zu leisten, hat schon etwas von der

    Ich fürchte, diese Bettelgänge sollem vor allem die Aufgabe haben, kurzfristig etwas den Druck von den italienischen Anleihen nehmen. Dann könnte Berlusconi zumindest ein letztes Mal prahlen: Seht ihr, ist doch alles gar nicht so schlimm....

    Wer überhaupt kein Schamgefühl mehr hat, handelt so wie der italienische Ministerpräsident.

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