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Kommentar: Keine Vorentscheidung

Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi hatte die Gerüchteküche zum Überkochen gebracht, als er sagte, er werde potenzielle Nachfolger in sein Kabinett berufen, damit diese sich ein „Reformrennen“ liefern. Sein jüngste – und vermutlich letzte – Kabinettsauswahl hält drei der Favoriten im Rennen und billigt unter ihnen dem Kabinettsneuling Shinzo Abe einen Schlüsselposten zu, auf dem er sich breit in alle Ressorts einarbeiten kann.

Das heißt aber nicht, dass der in der Bevölkerung hoch beliebte Abe damit das Rennen schon gemacht hat. Koizumi hat einige Kandidaten für sein Amt in bessere Ausgangspositionen gesetzt, so dass diese in den kommenden Monaten auf sich aufmerksam machen können. Entschieden aber ist noch nichts. Zum einen ist die Frage, ob überhaupt jeder der Favoriten den Posten will. Der neue Außenminister Taro Aso hat klar seinen Hut ins Rennen geworfen, Abe dagegen nicht.

Koizumis direkter Nachfolger wird sich vor allem mit dem unpopulären Thema der Steuererhöhungen befassen müssen. Vor allem die Erhöhung der Mehrwertsteuer, die unumgänglich scheint, hat in der Vergangenheit schon einige Ministerpräsidenten ihr Amt gekostet. Abe ist mit 51 Jahren jung und beliebt genug, diese schwierige Zeit erst einmal jemand anderem zu überlassen. Die anstehende Haushaltskonsolidierung spräche für Finanzminister Sadakazu Tanigaki, der sich ohnehin schon zur Mehrwertsteuererhöhung bekannt hat. Koizumi zumindest fährt mehrgleisig.

Zum anderen wählt die Liberaldemokratische Partei ihren Parteichef, der dann auch Ministerpräsident wird – nicht der ehemalige Ministerpräsident. Das heißt, dass auch der nicht von Koizumi ernannte, aber vorher als aussichtsreicher Kandidat geltende Ex-Kabinettschefsekretär Yasuo Fukuda noch nicht aus dem Rennen ist. In der LDP sind einige Abgeordnete besorgt über die Verschlechterung der Beziehungen mit den Nachbarn China und Korea. Das spräche für den bereits 69 Jahre alten Fukuda. Angesichts seiner Kritik an Koizumis Asienpolitik wäre er in den Beziehungen mit den Nachbarn ein Versöhner, der in den anderen Kandidaten, vor allem aber in Abe und Aso, derzeit nicht zu sehen ist. Allerdings tauchen immer wieder Gerüchte auf, dass er sich dem Rennen gar nicht stellen will. Wie gesagt, der nächste Ministerpräsident Japans muss um höchst unpopuläre Ziele kämpfen.

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