International
Kommentar: Keinen Zweifel mehr

Mit aller Macht greift der Kreml gegen den russischen Ölkonzern Yukos durch.

Oder wie es der Chef des größten russischen Ölkonzerns, Michail Chodorkowskij, als Karate-Kämpfer in Richtung des Judoka Wladimir Putin ausgedrückt hat vor seiner Verhaftung vorigen Samstag: „Das ist eine Politik des Armauskugelns.“ Am frühen Abend beschlagnahmte die Generalstaatsanwaltschaft jetzt das 61%ige Yukos-Paket, das Chodorkowskij und seine Partner an den dem Unternehmen hielten.

Jetzt kann es keinen Zweifel mehr geben: Der Kreml will Yukos. Denn die Beschlagnahme erfolgte, nachdem der Aufsichtsrat am Mittag eine 2 Mrd. $ große Rekorddividende beschlossen hatte, die eben zu 61% in die Taschen von Chodorkowskij & Co geflossen wäre. Das kann mit der Beschlagnahmung nun ausgehebelt werden, da damit die Hauptversammlung am 28.November wohl hinfällig werden dürfte. Yukos ist in der Hand des Staats.

Damit hat der nach Westen hin so joviale und angeblich offene Putin auch den Verkauf eines großen Anteil des Yukos-Konzerns vereitelt. Denn ohne Väterchen Staat geht nun nichts mehr. Genau darum aber scheint es zu gehen: Der Staat will die Kontrolle über die Wirtschaft und unliebsame Unternehmer müssen als erste daran glauben. Man kann hoffen, dass es nur um Yukos geht und andere Firmen verschont werden.

Diese Hoffnung trübt aber die Aussage des Innenministers und Putin-Intimus Boris Gryslow, „Russlands Rohstoffe gehören nicht Konzernen, sondern dem Volk“. Hatte Putin mit der ihm eigenen Doppelzüngigkeit bisher immer von der Unantastbarkeit der Privatisierung gesprochen, so sind nun Zweifel auch daran erlaubt. Stabilität, die Putin für sein Land versprochen hat und die er so dringend für die wirtschaftliche Genesung des jahrelang geplagten Landes braucht, schafft das nicht.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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