Kommentar
Lehrreiche Tragödie

Es steht schlecht um Simbabwe: Staatlicher Terror, Massenflucht und wirtschaftlicher Niedergang. Trotzdem scheuen sich die afrikanischen Staaten, das Treiben Mugabes entschlossen zu verurteilen - das Land droht zum Präsedenzfall zu werden.

DÜSSELDORF. Es fällt schwer, Simbabwe nicht als hoffnungslosen Fall abzuschreiben. Das Ausmaß seines wirtschaftlichen Niedergangs, der staatliche Terror, das soziale Trauma und die Massenflucht von Menschen und Kapital sind so schlimm wie bei einem Land im Krieg. In nur acht Jahren ist seine Wirtschaft um über 40 Prozent geschrumpft - mehr als in Bürgerkriegsländern wie Sierra Leone oder dem Kongo.

Nach dem rücksichtslos erknüppelten Wahlsieg hat sich Mugabe nun in Rekordzeit zum neuen Präsidenten gekürt. Bereits auf dem heutigen Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in Ägypten will sich Mugabe von ihren Führern zum neuen Präsidenten Simbabwes salben lassen.

Die Chancen, dass ihm dies gelingt, stehen nicht schlecht. Statt wie der Rest der Welt die Wahlfarce einmütig zu verurteilen und dem Regime jedwede Anerkennung zu verweigern, kommen aus Afrika erneut widersprüchliche Signale: Obwohl die Solidarität mit Mugabe langsam bröckelt, haben weder die AU noch die Staaten des südlichen Afrikas (SADC) Mugabes Wahlterror bislang klar verurteilt. Stattdessen wird vage über Verhandlungen des Regimes mit der Opposition schwadroniert - Gespräche, die ein durch Afrika legitimierter Mugabe dann aus einer Position der Stärke führen könnte.

Die immer wieder von Afro-Optimisten beschworene Annäherung Afrikas an demokratischere Verhältnisse würde bei einer Anerkennung Mugabes als Präsident einen schweren, vermutlich dauerhaften Rückschlag erleiden. Denn wenn Afrika nicht einmal im Fall Simbabwes aktiv eingreift, schafft der Kontinent einen Präzedenzfall, der jedem zukünftigen Gewaltherrscher freie Hand gibt.

Besonders schändlich ist in dieser Tragödie die Rolle Südafrikas und dessen Präsidenten Thabo Mbeki. Ausgerechnet der langjährige Hoffnungsträger des Westens hat sich nun endgültig als Anti-Demokrat und treuester Vasall Mugabes entpuppt. Dabei hält Südafrika den Schlüssel zu einer Lösung in Simbabwe: Sollte das Land sich entschließen, die Grenze zu seinem nördlichen Anrainer auch nur einen Tag zu schließen, stünden dort alle Räder still.

Dass Jacob Zuma, Mbekis möglicher Nachfolger im Präsidentenamt, mehr Rückgrat hat als Mbeki, steht zu bezweifeln. Als Populist hängt Zuma sein Fähnchen gerne nach dem Wind. Dass er die Lage in Simbabwe schärfer als Mbeki kritisiert, heißt nicht, dass er mit Nachdruck gegen das Regime in Harare vorginge. Sicher ist aber, dass Zuma weniger dogmatisch als Mbeki ist und stärker mit dem Westen kooperieren würde.

Ein echter Demokrat ist aber auch Zuma nicht. So hat er erst vor ein paar Wochen den totalen Machtanspruch des ANC am Kap mit der Aussage untermauert, dass die frühere Widerstandsbewegung "bis zur zweiten Wiederkehr Jesu" herrschen werde.

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