Kommentar
Mario Monti, der überforderte Hoffnungsträger

In der Euphorie über die neue Technokratenregierung in Rom wird gerne übersehen, dass trotz allem die Parteien in der Pflicht bleiben. Und die Märkte sind zurecht skeptisch, ob sie es jetzt ernst meinen mit Reformen.
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Der Vorschusslorbeer für Mario Monti war überwältigend. Kaum war er als neuer italienischer Regierungschef auf Zeit benannt, schien die Tristesse in Italien Vergangenheit. Das sei ein „ermutigendes Signal zur Krisenüberwindung“, jubelten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft auf einen „stabilisierenden Effekt“ für die ganze Euro-Zone. Auch die Märkte atmeten auf: In Asien schlossen die Börsen im Plus, der Euro-Kurs stieg.

Offenbar war die Freude über den Abgang des ungeliebten Silvio Berlusconi so groß, dass mit vielen die Fantasie durchging.

Mario Monti selbst sah es realistischer. Er sprach nüchtern von einer „Notlage“ und nahm den Auftrag zu Regierungsbildung nur unter Vorbehalt an.

Die Vorbehalte sind mehr als berechtigt. In der Euphorie über die Technokratenregierungen in Italien und Griechenland, wird gerne übersehen, dass es sich zunächst einmal um eine Bankrotterklärung der Politik handelt. Die gewählten Vertreter des Landes sahen sich offenbar nicht mehr in der Lage, das von ihnen angerichtete Chaos wieder zu ordnen – und stehlen sich jetzt aus der Verantwortung.

Und auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, warum ein Wirtschaftsexperte wie Monti den politischen Saustall besser ausmisten könnte. Denn für Veränderungen braucht auch er politische Mehrheiten und die Rückendeckung der gewählten Politiker.

Das ist genau die Krux an der ganzen Geschichte. Ein Staat ist eben nicht zu führen wie ein Unternehmen, wo der Vorstandschef Strategieänderungen und neue Programme anordnet und die Fachabteilungen dies exekutieren. In der Politik geht es nicht nur darum, das Richtige zu erkennen und Reformprogramme zu entwerfen. Es geht auch darum, parlamentarische Mehrheiten für Veränderungen zu organisieren. Denn ohne diese lassen sich die besten Ideen nicht in die Praxis umsetzen.

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Ob das Vertrauen zurückkehrt hängt nicht von Monti ab

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  • Ist doch wenigsten ehrlich, wenn die Bilderberger alleine entscheiden, wer Staatschef wird. Wozu das Parlament noch einschalten, die haben eh nix zu sagen.

    Genau so wie die nächste Bundes-Wahl voll Betrug ist. Peer Steinbrück wird Bundeskanzler, wie von den Bilderbergern 2011 festgelegt. die 400 Millionen, die die nächste Wahl kostet, sollte man besser als Entwicklungshilfe spenden.

  • Eins frage ich mich doch: Wiso hat sich dei Grinsekatze nicht wie sein Freund Gaddhafi in ein Kanalrohr verkrochen? Weil er demokratisch gewählt wurde?
    Immerhin hat Monti jetzt alle RAI-Kanäle zur Verfügung, während B. Blasensender zur Zeit beim Puplikum diskreditiert sind.
    Einem geschickten Amtinhaber, der seinen Fürsten und seine Prinzipien gelsen hat (ich meine die Bücher von Nicolo Macchivelli), sollte es gelingen, die Parteien so gegeneinander auszuspielen, dass sie in seionem Sinne funktionieren. Wenn dieser Sinn denn auch noch im Sinne des Wohles der italienischen Völker ist: Party³!

    Geht zugegebenermaßen sehr stark in Richtung heftigste Romanfantasie, aber träumen kann man nicht verbieten und man sollte dem Herren doch wenigstens erst mal 50 Amtstage gönnen.
    So ist das hier alles übelste Kaffefahrtensatzleserei!
    Solche Kommentare brauchen wir hier nicht. Reine Platzverschwendung.
    Statt dessen wäre ein kenntnisreicher Report über Montis gesammelte Werke in Politik, Verwaltung und Wirtschaft eher von Interesse. Spaekulationen kann man sich auf solcher Grundlage selber entwickeln.

    Man sieht sich!

  • ... auch und deshalb versuchen die Investoren durch wilde Wetten auf die Sturz Italien die Situation noch zu verschlimmern? Wenn ich schon in einem brennenden Haus sitze dann gieße ich doch nicht noch mehr Öl ins Feuer ...
    Der Homo Economicus versagt gerade auf ganzer Linie!!!

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