Kommentar
Minimale Blamage für Spanien

Spanien schlüpft zur Sanierung maroder Banken als viertes Land unter den Euro-Rettungsschirm - ohne, dass es weh tut. Dadurch wird das Land vermutlich für eine Zeit eine Normalisierung der Marktbedingungen sehen.
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MadridSpanien hat sich dem Druck der Europartner gebeugt und bekommt Finanzhilfen für seinen Bankensektor vom europäischen Rettungsschirm. Madrid, das wurde bis zum letzten Moment an den Äußerungen der Regierungsmitglieder deutlich, hätte es vorgezogen weiter abzuwarten, zumal die Spanier unter normalen Marktumständen durchaus in der Lage gewesen wären, die Sanierungskosten für ihre Banken selbst zu tragen.

Doch insbesondere die deutsche Regierung wollte offensichtlich den Brandherd auf der iberischen Halbinsel schnell löschen, um die Auswirkungen der Griechenland-Wahlen nächste Woche und die danach voraussichtlich anstehende extreme Belastungsprobe für den europäischen Währungsraum zu minimisieren.

Für Spanien wurde aufgrund der besonderen Umstände des Landes, das eine deutlich niedrigere Schuldenquote hat als etwa Deutschland und sich bereits einen harten Reform- und Sparkurs auferlegt hat, eine gesichtswahrende Lösung gefunden. Die Hilfen gehen an den staatlichen spanischen Rettungsfonds FROB und von dort, gegen strenge Auflagen, an bedürftige Banken. Das mindert die Blamage für den spanischen Premier Mariano Rajoy, der sich seit seinem Amtsantritt vor rund einem halben Jahr als Musterschüler Brüssels hervorzutun suchte.

Zweifellos ist die Finanzhilfe aber auch eine Erleichterung für die spanische Regierung, die inmitten einer schweren Rezession enorme Spar- und Restrukturierungsleistungen erbringen muss. Das Land wird vermutlich für eine Zeit eine Normalisierung der Marktbedingungen sehen, zumindest eine gründliche Bankensanierung kann es nun zu geringeren Kosten finanzieren und hat zudem die Hoffnung, dass die Banken nach der Generalüberholung endlich wieder imstande sind, dem klammen Mittelstand mit Krediten zur Seite zu stehen.

Die Euroländer indes haben sich einmal mehr dem Druck der Märkte gebeugt und die Geburtsfehler der Währungsunion erneut mit einem provisorischen Pflaster, statt mit einer nachhaltigen Therapie zu heilen versucht. Allen dürfte klar sein, dass es damit nicht getan ist. Die Spekulation der Finanzmärkte gegen den Euro richtet sich immer gegen das jeweils schwächste Glied der Kette. Nachdem Spanien nun aus der vordersten Schusslinie entfernt wurde, dürfte sich der Druck als nächstes auf Italien konzentrieren. Das Problem aber ist weder Spanien noch Italien, sondern die Unfähigkeit der Euro-Mitglieder, die gemeinsame Währung endlich durch eine gemeinsame Fiskalpolitik auf ein stabiles Fundament zu stellen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kommentar: Minimale Blamage für Spanien"

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  • Es wird wirklich Zeit, dass dieses ganze Konstrukt platzt! Es ist vollkommen pervers und hat überhaupt keine Grundsätze mehr! Jedem normalem Menschen muss bei so viel verlogenen und grotesken Machenschaften schlecht werden!

  • unsinn...es wird keine "normalisierung" und keine beruhigung kommen - lasst uns schon am montag sehen...

  • Da spanische Sparkassen jetzt offenbar auch systemrelevant sind, müssen sie von den nordeuropäischen Steuerzahlern gerettet werden. Da die Finanzmärkte wesentlich intelligenter sind als die deutschen Politiker, werden sie bald erkennen, dass D dies nicht bewältigen wird. D wird mit untergehen. Kohl, Merkel und Schäuble werden auch in 100 Jahren in deutschen Schulbüchern Erwähnung finden, als diejenigen die in Verfolgung ihrer Visionen D runiniert und die Völker Europas in einen kalten Krieg gestürzt haben. Aber, der Euro hatte auch Vorteile, man braucht im Urlaub kein Geld mehr umtauschen und konnte sich die Umtauschgebühren sparen.

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