Kommentar: Nordkorea ist eine Atommacht

Kommentar
Nordkorea ist eine Atommacht

Die Erbdiktatur führt dem Westen seine Ohnmacht vor Augen. Nordkorea hat zum dritten Mal nach 2006 und 2009 eine Atombombe getestet. Dennoch gibt es keine Alternative zum Sanktionskurs.
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Weder Sanktionsdrohungen der Vereinten Nationen noch Druck aus China haben etwas bewirkt: Nordkorea hat zum dritten Mal nach 2006 und 2009 eine Atombombe getestet. Und damit stellt sich erneut die Frage, was die Welt noch tun kann, um der Erbdiktatur der Familie Kim noch den Zugriff auf ein nukleares Faustpfand zu entreißen. Die Antwort ist frustrierend: Außer einem militärischen Regimesturz gibt es nichts, mit dem die Vereinten Nationen (UN) Nordkorea davon abhalten könnten, zur Atommacht aufzusteigen.

Für Nordkorea sind weder sein Atomprogramm noch die Entwicklung von Langstreckenraketen verhandelbar, weil das Regime die Bombe als Sicherheit gegen militärische Interventionen sieht. Und Sanktionen wie nach dem von den den UN verbotenen Weltraumraketentest im Dezember 2012 ziehen nicht, solange China zu seinem Verbündeten an seiner Nordostflanke steht.

Doch so paradox es klingt: So ohnmächtig er scheinen mag, der Sanktionskurs der UN ist grundsätzlich richtig. Auch wenn Sanktionen das Regime des jungen Führer Kim Jong-Un nicht von militärischen Streichen abhält, muss es für jeden auf internationaler Bühne konsequent in die Ecke gestellt werden. Allein auf Wandel durch Handel und Reden auf höchster Ebene zu setzen, wäre verfehlt. Der Grund, der gegen die Aufgabe erzieherischer Maßnahmen spricht, ist China. Die extrem rational handelnde Führung in Pjöngjang kalkuliert zurecht darauf, dass ihr mächtiger Verbündeter China ihr Regime nicht kollabieren lassen wird.

Trotz der Sanktionen fließen aus China genug Geld, Waren und Luxusgüter nach Nordkorea, um das Volk nicht verhungern und die Kader nicht darben zu lassen. Denn den Machthabern in Beijing mögen die Eskapaden und die Widerborstigkeit ihrer nationalistischen koreanischen Genossen ein Dorn im Auge sein. Aber China hat übergeordnete strategische und wirtschaftliche Interessen: Erstens will China will seine Pufferzone zwischen sich und den US-Truppen auf der koreanischen Halbinsel nicht verlieren. Zweitens ist Nordkorea, so arm es wirtschaftlich auch ist, reich an Naturschätzen wie Gold, Kohle, Eisenerz und seltenen Erden. Das Institut für Ressourcen in Nordkorea in Seoul taxierte im August 2012 den Wert an Vorkommen auf 10.000 Milliarden US-Dollar. Und China kann sie ausbeuten, um das eigene Wachstum zu befeuern.

Aber eine Ware, nach der Kim & Co. dürsten, führt selbst das mächtige China nicht: internationale Anerkennung als gleichberechtigter Partner, am besten durch direkte Verhandlungen mit den USA. So wichtig und richtig es für Südkorea als Nordkoreas Nachbar und Hilfsorganisationen ist, mit dem Norden zu handeln und zu reden, so wichtig ist es für den Rest der Welt, dieses Privileg aus zwischenstaatlicher Ebene extrem teuer zu verkaufen: gegen den erbrachten Nachweis, gewisse Normen einzuhalten.

Der Ansatz ist frustrierend und beileibe nicht ohne Risiko. Nordkoreas Führung wird weiter provozieren, um wieder an den Verhandlungstisch gelassen zu werden. Aber auch wenn es brenzlig wird, sollte die Welt auf die Stärke der Kommunisten in Pjöngjang setzen: ihre Rationalität. Einen richtigen Krieg wird die Führung kaum riskieren. Das würde China zu verhindern wissen. Gleichzeitig wird der außenpolitische Preis für China höher, zu Nordkorea zu stehen.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

Kommentare zu " Kommentar: Nordkorea ist eine Atommacht"

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  • Na ja, Ameriak ist ethisch auch ziemlich rückständig! Wo ist da der Unterschied, ausser das Amerika den Markt schon bereitet hat durch dutzende Kriege in der Welt?

  • So schlimm das klingt. Das Land macht nur das was aus seiner eigenen Sicht richtig ist. Es macht sich mit dem Besitz der Atomrakete nahezu unantastbar. Tatsache ist das noch kein Land welches im Besitz von Atomwaffen war in jüngerer Zeit einen größeren militärischen Angriff erleben musste. Das Atomwaffen als Angriffswaffen gedacht sind ist aus militärischer Sicht eher unwahrscheinlich. Der Einsatz der Atom-Waffen als angriffswaffe hätte unweigerlich das Ende des jeweiligen Landes zur Folge. Dessen sind sich wohl auch die größten Spinner dieser Regierungen bewußt. Genau so sieht es wohl übrigens trotzt städigem Säbelrasseln auch der Iran. Der Westen und der rest der Welt, wird auch hier sehr schnell mit den Tatsachen konfroniert werden.

  • Wenn ein rückständiges Land wie Nordkorea mit nuklearem Material herum experimentiert, bekomme ich Magenschmerzen. Hoffentlich wissen sie, was sie tun. Läuft etwas schief, ist die ganze Region verseucht.

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