Kommentar
Obama sucht Schuldigen für eigene Krise

Eigentlich sind Barack Obamas Ratschläge an die Euro-Zone richtig. Doch wirken sie wenig glaubwürdig von jemandem, der seine eigene Krise nicht in den Griff bekommt. Und Glaubwürdigkeit wäre wichtiger als Geld.
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DüsseldorfEs ist nicht der Inhalt, es ist der Stil, der verstimmt. Denn Barack Obamas Ratschläge an die Adresse der Europäer, wie diese die Euro-Krise zu lösen hätten, mögen in der Sache richtig sein. Denn, ja, es mangelt den Europäern in der Tat an Bereitschaft zur Verantwortung und an Entschlossenheit beim Krisenmanagement. Und richtig ist auch, dass die Problemfälle Spanien und Italien schwerer wiegen als die unmittelbare Bedrohung durch die griechische Not.

Nur: Wie glaubwürdig sind solche Kommentare von einem, der selbst seit vielen Monaten damit ringt, die Krise vor der eigenen Haustür in den Griff zu bekommen? Und wie viel Sinn hat es deshalb, wenn sich nun der Finanzminister dieses Präsidenten auf den Weg zum EU-Treffen nach Polen macht?

Timothy Geithner wird, nachdem er letzte Woche bereits in Marseille bei der G7 gewesen ist, nun auch in Wroclaw sein Mantra wiederholen: Die Europäer müssten mehr tun als bisher. Sie müssten sicherstellen, dass eine Krise à la Lehman Brothers abgewendet wird. Mit anderen Worten: Die Europäer sollen noch viel mehr Geld als bisher in die Hand nehmen, um Schlimmeres zu verhindern.

Das ist im Übrigen genau das, was die USA derzeit selbst versuchen - mit geringem bis gar keinem Erfolg. Hunderte von Milliarden Dollar sollen die lahmende amerikanische Wirtschaft flottmachen. Doch schon der erste Anlauf im Jahr 2009 produzierte nur ein Strohfeuer, das im ersten Quartal dieses Jahres verglimmte. Ein zweiter Versuch, der von Obama in einer Rede vor dem Kongress angekündigt wurde, dürfte von der republikanischen Opposition gestoppt werden, bevor er überhaupt starten kann.

Natürlich ist Geld eine entscheidende Größe gegen eine sich anbahnende Panik, insbesodere, wenn Banken ins Trudeln geraten. Doch mindestens genauso wichtig sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Das gilt für die Krise in den USA in gleicher Weise wie für jene in Europa. Die hektische Reisetätigkeit des amerikanischen Finanzministers stärkt jedoch nicht das Vertrauen, dass eine Lösung gefunden wird - sie untergräbt es. Und öffentlich über Bankenpleiten zu spekulieren ist fahrlässig, weil damit genau das befördert wird, was eigentlich verhindert werden soll: Panikstimmung.

Die nüchterne Wahrheit ist: 14 Monate vor den Präsidentschaftswahlen interessiert Washington nur das eigene Krisenmanagement. Denn angesichts der ökonomischen Misere zu Hause sieht die Regierung von Barack Obama ihre Felle davonschwimmen. Die Turbulenzen im Euro-Raum beschleunigen diesen Trend noch.

Und wenn es am Ende schon nicht gelingen sollte, das Blatt zu wenden, dann soll doch wenigstens eine gute Legende geschaffen werden. Das wird dann die Geschichte von den bösen Europäern sein, die nicht auf den Rat der Amerikaner gehört haben.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Kommentar: Obama sucht Schuldigen für eigene Krise"

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  • Genau, Geithner könnte seine Auftraggeber von der Wall Street ja mal überzeugen, statt ihr Geld sinnlos bei der Spekulation gegen den Euro zu verbrennen, für ein paar Solidaritätskäufe zu investieren um die GIPSI-Liquiditätsprobleme die wir ja angeblich nur haben, zu überbrücken.

  • Obama und Geithber können jederzeit den PIIGS zinsgünstige Kredite einräumen, die werden es ihnen danken.

  • Obama und Geithner haben einen totalen Dachschaden !!

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