Kommentar
Ohne neue Hilfen geht Griechenland unter

Die bisherige Finanzspritze der EU-Partner kann Griechenland nicht retten: Die Länderchefs der Euro-Zone sollten das nicht länger leugnen und stattdessen über neue Hilfen nachdenken. Optionen gibt es genug.
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Schon wieder kursieren Spekulationen über die Zukunft der Währungsunion. Die Verantwortung dafür tragen weder die Medien noch die Banken, sondern einzig und allein die Regierungen der Euro-Staaten. Könnte Griechenland die Euro-Zone verlassen? Müssten andere hochverschuldete Euro-Staaten dann dem griechischen Beispiel folgen? Darf man den Gläubigern Griechenlands Milliardenverluste zumuten? Jean-Claude Juncker und die übrigen Teilnehmer haben mit ihrem Geheimtreffen in Luxemburg die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt.

Vielleicht sollten Juncker und seine Kollegen es zur Abwechslung einmal mit der vollen Wahrheit versuchen: Wahr ist, dass der dreijährige Überbrückungskredit der Euro-Zone in Höhe von 110 Milliarden Euro Griechenland nicht retten kann. Der Plan, das Land 2012 an die Märkte zurückzuschicken, funktioniert nicht. Wenn die Euro-Zone nichts unternimmt, fehlen Griechenland nächstes Jahr 25 Milliarden Euro. Das Land stünde endgültig vor der Pleite.

Nachhaltig lösen kann die Euro-Zone das Problem nur, wenn sie Griechenland von einem Teil seiner Schulden befreit und entsprechende Verhandlungen mit den Gläubigern führt. Die Geldgeber Griechenlands müssten zumindest auf einen Teil der Zinsen verzichten und die Laufzeit der griechischen Anleihen verlängern. Betroffen davon wären beileibe nicht nur private Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds und Banken. Auch die Steuerzahler müssten bluten. Verstaatlichte Geldinstitute wie die Hypo Real Estate wären zu Abschreibungen gezwungen. Vielleicht müsste die Bundesregierung deshalb Kapital nachschießen. Noch höher wären die Verluste bei der EZB, da sie bereits seit einem Jahr griechische Staatsanleihen aufkauft.

Dafür müssten alle Euro-Staaten finanziell einstehen. Eine Restrukturierung der griechischen Staatsschulden würde zudem das Misstrauen gegenüber den Anleihen anderer hochverschuldeter Staaten schüren. Portugal, Irland, Spanien und Italien müssten wahrscheinlich noch höhere Zinsen an die Investoren zahlen, und das wiederum würde die Haushaltssanierung erschweren.

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  • Es ist inzwischen ziemlich offensichtlich, dass die Handelsungleichgewichtr innerhalb der EU durch die hemmungslose Euroverschuldung der Mittelmeerländer entstanden ist. Wie Sie diesen ökonomischen Prozess einfach ausblenden können, nur um Deutschland als den großen Buhmann hinzustellen, ist mir schleierhaft. Was Sie in Bezug auf Südamerika beschreiben, hat man im Ostblock Jahrzehnte durchgespielt und hat in die vollständige ökonomische Katastrophe geführt, es nennt sich sozialistische Planwirtschaft.

  • Die BRD saniert sich durch extreme Handelsbilanzungleichgewichte seit Jahrzehnten auf Kosten anderer Staaten. Wie man es richtig macht, zeigen einige Staaten in Südamerika: Unternehmen die nach Argentinien importieren wollen, müssen den Nachweis erbringen, dass sie in gleicher Höhe Güter in Argentinien einkaufen. BMW konnte das jüngst nicht, und musste die im Hafen von Buenos Aires stehenden Autos wieder abtransportieren. Wird Zeit, dass die anderen Staaten endlich aufwachen oder die BRD die Folgekosten für die permanenten Handelsbilanzungleichgewichte übernimmt.

  • @Berschens

    Was soll dieser Bettelbrief?

    Zitat"Eine dritte Option gibt es nicht. Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion würde das Land in die Pleite treiben. Mit einer drastisch abgewerteten Drachme könnten die Griechen ihre auf Euro lautende Staatsschuld nie im Leben zurückzahlen. Und die Investoren würden um die Wette spekulieren, welches Land als nächstes die Euro-Zone verlässt. Mit diesem Szenario wäre der Euro tatsächlich verspielt."

    Griechenland kann dann so viel Drachme drucken wie sie wollen! Die können dann garnicht mehr pleite gehen!

    Der "Euro" ist gescheitert! Merken sie es nicht? Wie wäre es mit der Grundschule? Dort könntem sie ja rechnen lernen und würden endlich begreifen was los ist!

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