Kommentar
Schwierige Aufgaben für den Schoko-Baron

Die Präsidentschaftswahl in der Ukraine schafft klare Verhältnisse – und das ist auch gut so. Denn ein zweiter Wahlgang hätte Zeit und Geld gekostet. Beides hat das Land gerade nicht. Jetzt ist Poroschenko gefragt.
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Eine Überraschung ist ausgeblieben. Petro Poroschenko, der ukrainische Schokoladen-Milliadär, hat bei den Präsidentschaftswahlen nach ersten Prognosen einen eindeutigen Sieg hingelegt. Mit absoluter Mehrheit gewinnt er die Präsidentschaftswahlen bereits im ersten Wahlgang. Das ist eine positive Meldung, denn ein zweiter Wahlgang in drei Wochen hätte Zeit gekostet, die das Land nicht hat, und Geld, das ebenso fehlt.

Den ganzen Tag über wurde von den lokalen Wahlkommissionen eine hohe Wahlbeteiligung gemeldet. In Kiew gab es Schlangen vor vielen Schulen, in denen die gläsernen Wahlurnen aufgestellt waren. Nach dem wochenlangen Wahlkampf kann sich das Land nun endlich auf das Wichtigste konzentrieren: Die Stabilisierung der Ukraine wird zur großen Herausforderung von Poroschenko. „Leben auf eine neue Art“ lautete seine Botschaft im Wahlkampf. Die neue Art soll ein Leben ohne Korruption und Vetternwirtschaft sein. Gleichzeitig will er die marode Wirtschaft reformieren und den Regionen ein größeres Mitspracherecht einräumen. Das hört alles gut an und ist auch notwendig, doch Zweifel bleiben, ob es ihm gelingen wird, das Land tatsächlich so grundlegend zu verändern.

Denn die Rechte des neuen Präsidenten sind beschnitten, er wird sich mit dem Parlament um Einfluss streiten müssen. Und trifft er auf seine Gegenspielerin Julia Timoschenko, die zwar ihre Niederlage eingeräumt hat, aber sicherlich weiterhin Einfluss auf die ukrainische Politik nehmen wird. Und wer Timoschenko die vergangenen Jahre beobachtet hat, wird daran zweifeln, dass sie kampflos das Feld räumen wird.

Als wären die Aufgaben nicht schon schwierig genug, muss Poroschenko die Maidan-Demonstranten, die noch immer den Unabhängigkeitsplatz in Kiew besetzt halten, überzeugen, ihre Barrikaden und Zelte abzuräumen. Keine leichte Aufgabe angesichts des tiefen Misstrauens vieler Demonstranten gegenüber der alten Politikergarde. Und zu ihnen zählt auch Poroschenko, der bereits in zwei Regierungen Ministerämter inne hatte. Auf der Plus-Seite schlagen für ihn zu Buche, dass er sich frühzeitig zu den Maidan-Protesten bekannt hat.

Es war, als habe der Wettergott bei den ukrainischen Präsidentschaftswahlen ein Wörtchen mitreden wollen: Bei hochsommerlichen Temperaturen und Sonne pur gingen am Sonntag Millionen Ukrainer zu den Wahllokalen, um einen Präsidenten für ihr Land zu wählen. Als dann erste Meldungen über die Ermordung eines italienischen Fotoreporters sowie seines Dolmetschers in der Nähe der seit Wochen von prorussischen Separatisten kontrollierten Stadt Slawjansk bekannt wurden, als Meldungen über massive Wahlstörungen durch prorussische Separatisten in der Ostukraine die Runde machten, zog sich über der Hauptstadt der Himmel zu. Tennisball-große Hagelbrocken fielen vom Himmel, binnen weniger Minuten hatten sich die Straßen für kurze Zeit in rasende Bäche verwandelt.

Die Wetterkapriolen am Sonntag standen für den Zustand des ganzen Landes. Am Abend klarte sich der Himmel wieder leicht auf. Und Poroschenko sagte in seiner Sieger-Rede, der Regen habe das Alte weggespült und den Weg für einen Neuanfang geschaffen. Es sei eine Wahl für Europa gewesen, erklärte er und versprach, seine ganze Kraft in die Beendigung der militärischen Auseinandersetzungen in den östlichen Landesteilen aufzubringen. Man kann ihm nur viel Erfolg wünschen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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  • @ dueffeldoffel

    Zitat : Ukrainische Oligarchen schlecht-Russische gut

    - Dass die Russischen Oligarchen gut sind, haben
    Sie hinzugedichtet…das hat mit meiner Argumentation nichts am Hut…..ist ein sehr verleumderischer Stil von Ihnen !

    Zitat : Maidan-Bewegung wurde verraten-besteht nach ihrer Auffassung aber ohnehin nur aus US-ferngesteuerten Faschisten

    - Die Maidan-Bewegung hat ohne Faschisten und Ami-Spekulanten angefangen….voll von Idealisten, die von einer freien Ukraine ohne Oligarchie und damit zwangsläufiger Korruption geträumt haben…es ist wohl bei den Träumen geblieben.

    Die Alligatoren haben eben Schafe auf den Maidan geschickt, um die Wölfe zu vertreiben…!!!!

    Zitat : Wahlen in der Ukraine nach sorgfältigen Vorbereitungen, unter internationaler (auch russischer) Beobachtung und ohne Bewaffnete in den Wahllokalen undemokratisch – Wahlen

    - Wahlen, bei denen man die nicht genehme Präsidentschaftskandidaten eingesperrt, verprügelt und aus dem Wahlkampf ausgeschlossen hat…?

    - Wahlen, bei denen man auf die zivile Bevölkerung Panzer und Artillerie losgeschickt hat…..

    - Wahlen, bei denen im Lande Amerikanischen und Polnischen Soeldner zusammen mit Faschisten und Neonationalisten die Zivilbevölkerung abschlachten….?

    Verdrehen Sie nicht die Tatsachen und lesen Sie nicht nur die Mainstream-Propagandapresse, dann erhalten Sie auch ein realistisches Bild.

  • @Furfante
    Nein, der größte Witz ist Ihre Pseudoargumentation.
    Ukrainische Oligarchen schlecht-Russische gut, Maidan-Bewegung wurde verraten-besteht nach ihrer Auffassung aber ohnehin nur aus US-ferngesteuerten Faschisten, Wahlen in der Ukraine nach sorgfältigen Vorbereitungen, unter internationaler (auch russischer) Beobachtung und ohne Bewaffnete in den Wahllokalen undemokratisch - Wahlen, die auf der Krim über Nacht aus dem Hut gezaubert und von bewaffneten Streitkräften beschützt werden, deren Boykottaufrufe neben den Einwohnern auch aus dem ganzen Rest der Welt ex Rußland laut vernehmlich waren, das ist in Ihrer Weltsicht das Modell, an dem sich künftig alle demokratischen Wahlen orientieren sollen!?
    Für die dort enteigneten ukrainischen Oligarchen haben sich bestimmt schon neue russische von Putins Gnaden gefunden. Oder gab es ein par verdiente Freiheitskämpfer, natürlich alles lupenreine Demokraten, zu bedenken?

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