Kommentar
Skandal um Strauss-Kahn bringt USA und Europa in die Bredouille

Überschattet von der Festnahme des IWF-Chefs beraten heute die Euro-Finanzminister über Portugal und Griechenland. Der plötzliche Ausfall von Strauss-Kahn schwächt die Europäer und hilft den Schwellenländern.
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Die spektakuläre Verhaftung von Dominique Strauss-Kahn kommt für den Internationalen Währungsfonds und für die Euro-Zone zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Im IWF sorgt die nicht enden wollende staatliche Euro-Schuldenkrise für immer mehr Unruhe. Wichtige IWF-Geldgeber, insbesondere China und die USA, haben Zweifel, ob Griechenland die mit dem IWF-Milliardenkredit verbundenen wirtschaftspolitischen Auflagen erfüllt. Eigentlich sollte Strauss-Kahn diese Bedenken heute Abend in Brüssel in der Gruppe der Euro-Finanzminister vortragen.

Die Euro-Zone ist darauf angewiesen, dass der IWF den drei hochverschuldeten Euro-Staaten Griechenland, Irland und Portugal wie verabredet finanziell unter die Arme greift - obwohl Griechenland mit der Haushaltskonsolidierung bei weitem nicht so schnell vorankommt wie abgemacht. Ausgerechnet in dieser heiklen Situation fällt der IWF-Chef völlig unerwartet aus. Das ist auch deshalb ein Problem, weil der französische Sozialist Strauss-Kahn in Washington sicher öfter um Verständnis für die sozialistische Regierung Griechenlands geworben hat.

Zwar ist nun nicht zu befürchten, dass der Fonds die Euro-Zone Knall auf Fall im Stich lässt. Die Washingtoner Organisation funktioniert verlässlich - notfalls auch ohne ihren Chef. Stellvertreter John Lipsky hat seinen Abschied vom Fonds zwar schon angekündigt, doch noch ist er im Amt und kann Strauss-Kahn vertreten.

Die plötzliche Vakanz an der Spitze könnte allerdings eine Entwicklung beschleunigen, die sich ohnehin schon seit mehreren Jahren abzeichnet: Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte, allen voran China, gewinnen im IWF mehr und mehr Einfluss. Vergangenes Jahr musste die EU im IWF-Exekutivdirektorium zwei von acht Sitzen an die Schwellenländer abgeben. Und die mit den USA getroffene Vereinbarung, dass der geschäftsführende IWF-Direktor immer aus Europa und der Weltbankpräsident immer aus den USA kommen, steht zur Disposition.

Die EU hatte schon Mühe, Strauss-Kahn gegen den Widerstand der großen Schwellenländer auf dem IWF-Chefsessel zu platzieren. Dass die Europäer seine Nachfolge unter sich ausmachen können, ist nun nicht zu erwarten. Falls die Bundesregierung den Posten für sich reklamieren will, wird sie das bald merken. Und die Euro-Zone könnte schon bald feststellen, dass Chinesen, Inder oder Brasilianer nicht unbedingt Verständnis aufbringen für kostspielige Sozialsysteme und Staatsbetriebe in Griechenland und Portugal.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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  • Fakt ist mal, dass der IWF früher in Europa nicht präsent war. Dass er das jetzt ist, haben wir der FDJ-Merkel zu verdanken, die ihn im letzten Jahr bei der ersten Griechenkrise reingeholt hat.
    Denn auch Merkel strebt ja einen Staat Europa an unter sozialistischer Führung.
    Die Frau hat uns wirklich verraten und verkauft.
    Von einem eigenständigen Staat oder eigenständigen europ. Staaten kann man da nicht mehr reden. Deswegen macht ja Brüssel auch so viel Scheiße, z. B. Gitwaren aus China reinlassen, die wir weder wollen noch brauchen.
    Und überall in Europa kommen rechtskonservative bais auch rechtsextreme Parteien auf, die nämlich genau das alles wieder beenden wollen. Und Recht haben sie.
    So auch in Frankreich. Die rechte Partei von Le Pen ist gegen den Euro.
    Nur gut, dass die diesmal die rechten Partein nicht in Deutschland zuerst sich formiert haben, sondern in anderen EU-Ländern. Bei usn werden sie noch kommen, aber wir waren jedenfalls nicht die Ersten, den Vorwurf können nicht mal die grünen Deutschhasser dann vorbringen.
    Vielleicht hat Straß-Kahn das Zimmermädchen angegriffen, er ist ja als Weiberheld bekannt, vielleicht auch nicht und es ist ein Schachzug ihn, der ja ein strammer Sozialist ist, auf diese Art kalt zu stellen. Denn er war von den Sozialisten in Frankreich als Nachfolger Sarkozys aufgestellt. Und daraus wird ja nun nichts.
    Er ist nun mal als Weiberheld bekannt und da wäre ein solcher getürkter Vorfall doch glaubhaft für die Welt.
    Frühr hat man Gegner gemeuchelt, hetue gibt es eben andere Methoden

  • erst HAARP/STUXNET gegen Japan und jetzt der DSK-Plot gegen Europa. Da sind die Europäer bislang noch deutlich glimpflicher davongekommen. Jedem musste klar sein, dass es sehr ungemütlich auf dem Globus wird, wenn die USA erst einmal richtig anfangen um ihr Überleben zu kämpfen...

  • Ist die Presse da um uns zu informieren?

    Die privaten Konzernmedien sind nicht da um uns zu informieren!!!
    Medien sind da um uns eine bestimmte Meinung einzupflanzen!
    ( Je nach Wunsch der Eigentümer bzw. Drahtzieher )


    Wenn man früher ein Land besetzten wollte um deren Rohstoffe und Menschen auszubeuten,
    schickte man seine Panzer und Soldaten.
    Heute macht man das anders.
    Man nennt es "Globalisierung"!!
    Als erstes werden die "Medien AG's" übernommen.
    Dadurch manipuliert man die Massenmeinung und die Politik.
    Länder werden ausgebeutet bzw. zerstört und die Menschen merken nicht,
    dass ihr Land "besetzt" wurde!

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