Kommentar Warum die Zuckerberg-Anhörung im EU-Parlament derart misslungen ist

Die gewählten Volksvertreter der Europäischen Union haben es Mark Zuckerberg sträflich leicht gemacht. Das Format der Befragung war völlig unsinnig.
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Facebook-Chef im EU-Parlament: Warum die Anhörung misslungen ist Quelle: AP
Mark Zuckerberg

Der Facebook-CEO kam beim Europaparlament nur auf einen Sprung vorbei.

(Foto: AP)

Der Chef der sozialistischen Fraktion im Europaparlament zog ein Fazit, das treffender nicht sein könnte: „Zuckerberg-Treffen im Europäischen Parlament war komplett unzulänglich“, konstatierte Udo Bullmann (SPD) nach der Anhörung mit dem Facebook-Gründer am Dienstagabend.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – bis auf eines: Die Volksvertreter sind selbst schuld daran, dass bei der Unterredung mit dem Internet-Milliardär so wenig herausgekommen ist. Eine parlamentarische Anhörung, die diesen Namen verdient, muss viele Stunden lang dauern. Nur dann kann es den Fragestellern gelingen, einen perfekt vorbereiteten Konzernchef aus dem Konzept zu bringen.

Doch beim Europaparlament kam Zuckerberg nur auf einen Sprung vorbei. Es handelte sich um einen Höflichkeitsbesuch von rund 70 Minuten. Hartnäckiges Nachfragen war in dieser kurzen Zeit natürlich vollkommen unmöglich. Man fragt sich, wieso sich die Parlamentarier überhaupt darauf eingelassen haben.

Mehr als die Hälfte der knappen Zeit verbrachten die zwölf anwesenden Abgeordneten damit, Zuckerberg ihre Fragen vorzutragen. Manche davon hat Zuckerberg beantwortet, andere nicht. Man kann dem Facebook-Chef noch nicht einmal vorwerfen, dass er sich vor Antworten gedrückt habe, denn am Ende fehlte schlichtweg die Zeit dafür.

Grüne und Sozialdemokraten im Parlament geben dem italienischen Parlamentspräsidenten Antonio Tajani nun die Schuld dafür, dass diese peinliche Veranstaltung derart unprofessionell organisiert war. Dass der Vertraute von Silvio Berlusconi dem „großen“ Zuckerberg mit vorauseilendem Gehorsam begegnete, ist sicher richtig.

Doch auch die Kritiker müssen sich fragen lassen, wieso sie dieses von vornherein unsinnige Format zugelassen haben. Nicht Tajani allein, sondern die Konferenz der Präsidenten des Parlaments entscheidet über Einladungen. Ihr gehören neben dem Parlamentspräsidenten alle Fraktionsvorsitzenden an. Letztlich sind alle gemeinsam dafür verantwortlich, dass die Zuckerberg-Anhörung derart misslungen ist.

Die parlamentarische Demokratie der Europäischen Union hat sich selbst ein Armutszeugnis ausgestellt. In der Öffentlichkeit stehen sie nun da als Politiker, die einem amerikanischen Konzernchef nicht einmal annähernd das Wasser reichen können. Die Volksvertreter sollten jetzt gründlich in sich gehen und darüber nachdenken, welche Lehren sie daraus ziehen.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Warum die Zuckerberg-Anhörung im EU-Parlament derart misslungen ist "

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  • Man sollte nicht zu hart mit den Volksvertretern des Europaparlaments ins Gericht gehen. Denn auch wenn mehr Zeit vorhanden gewesen wäre, hätte Mark Zuckerberg nur mit Antworten "geglänzt", die er vorher auswendig gelernt hat. Was er immer tut, seitdem ihn Kara Swisher einst ins Schwitzen gebracht hatte.
    Er wird seiner Methode der gespielten Reue treu bleiben.

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