Kommentar
Warum sich Briten und Deutsche nicht verstehen

Auch wenn die Briten nicht in der Euro-Zone sind, steht für das Land mit der Eurokrise viel auf dem Spiel. Aber auch Deutschland könnte bei einer wachsenden Distanzierung Großbritanniens vom Kontinent verlieren.
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LondonSo weit man zurückdenken kann, wollten Engländer verhindern, dass auf dem Kontinent ein Machtblock gegen sie entsteht. Genau das fürchten sie nun mit der Konsolidierung der Euro-Zone im Zeichen der Krise. Die Debatte zwischen Briten und Deutschen, aber auch zwischen Briten und Frankreich wird hitziger.

In britischen Ohren klangen die Worte von Volker Kauder wie ein Wehrmachtsbefehl. "Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen - nicht in der Sprache, aber in der Akzeptanz der Instrumente, für die Angela Merkel so lange und dann erfolgreich gekämpft hat," hatte der Unionsfraktionschef beim CDU-Parteitag gewettert. Zuvor hatte schon Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit seinem „Mund halten“-Zitat in Richtung Cameron die Richtung gewiesen.

Der Eindruck in London: Europa wird jetzt in Berlin gemacht, es wird monolithischer und die britische Politik wechselnder Allianzen damit schwerer. Sarkozy klammert sich an die Bundeskanzlerin, um noch Einfluss vorzutäuschen. Merkel spielt mit, um den Eindruck deutscher Dominanz abzuschwächen.

Der britische Premier fordert, dass sich die 17 Euro-Zonen-Länder enger zusammenschließen, um das Schlimmste zu verhüten. Gleichzeitig fürchtet er nichts mehr als den neuen Block, der Europa endgültig in „ins“ und „outs“ spaltet. Großbritannien könnte die Wortführerschaft bei den „outs“ übernehmen, aber die Dynamik wird sich zugunsten der Euro-Zone verändern. Auch die EU-Kommission als Schutzpatron des Binnenmarkts wird Einfluss verlieren.

Der Streit über die Finanztransaktionssteuer führt den Briten die drohende Ohnmacht vor. Sollte Cameron ein Veto einlegen, wollen die 17 allein handeln, ohne Rücksicht auf die Vormachtstellung der City, der Briten wichtigstes Gut. Kauder beschwört europäische Solidarität, Briten sehen eine „Kugel ins Herz Londons“ und das Interesse der Euro-Zone, ihre Kassen zu füllen.

Britische Europaskeptiker fordern ein Austrittsreferendum, auch Labour ist in die skeptische Mitte der Nation gerückt und spricht von Neugewichtung der Kompetenzen, nicht einmal die Liberaldemokraten wagen noch, vom Euro-Beitritt zu sprechen. Europa droht nicht in zwei Blöcke unterschiedlicher Geschwindigkeiten zu zerfallen, „es geht in ganz unterschiedliche Richtungen“, warnt Ex-EU-Kommissar Peter Mandelson.

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  • @margrit117888
    Wenn ich richtig informiert bin, dann bekommt Merkel in Europa von allen Regierungen Unterstützung für das Ziel einer Fiskalpolitik.

    OK, die Briten haben was gut bei Kauder. Aber Leute, was soll's, jeder macht mal was falsch.

  • Um sie muss es ziemlich finster sein.

  • @invincible
    Hey, nehmen Sie bitte meinen Landsleuten nicht so übel was sie sagen. Sie sind halt reich und unerziogen, haben keine Erziehung usw. Naja, es sind halt Leute, die nie Sorgen hatten.

    Liebe Landsleute, Ihr seid einfach schlecht erzogen. Die Briten haben einfach eine sehr heftige Krise und es wäre auch für sie gut, wenn ihr jetzt etwas solidarischer sein könntet.

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