Kommentar

Warum sich Briten und Deutsche nicht verstehen

Auch wenn die Briten nicht in der Euro-Zone sind, steht für das Land mit der Eurokrise viel auf dem Spiel. Aber auch Deutschland könnte bei einer wachsenden Distanzierung Großbritanniens vom Kontinent verlieren.
17 Kommentare
David Cameron (r.) fordert, dass sich die 17 Euro-Zonen-Länder enger zusammenschließen Quelle: dpa

David Cameron (r.) fordert, dass sich die 17 Euro-Zonen-Länder enger zusammenschließen

(Foto: dpa)

LondonSo weit man zurückdenken kann, wollten Engländer verhindern, dass auf dem Kontinent ein Machtblock gegen sie entsteht. Genau das fürchten sie nun mit der Konsolidierung der Euro-Zone im Zeichen der Krise. Die Debatte zwischen Briten und Deutschen, aber auch zwischen Briten und Frankreich wird hitziger.

In britischen Ohren klangen die Worte von Volker Kauder wie ein Wehrmachtsbefehl. "Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen - nicht in der Sprache, aber in der Akzeptanz der Instrumente, für die Angela Merkel so lange und dann erfolgreich gekämpft hat," hatte der Unionsfraktionschef beim CDU-Parteitag gewettert. Zuvor hatte schon Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit seinem „Mund halten“-Zitat in Richtung Cameron die Richtung gewiesen.

Der Eindruck in London: Europa wird jetzt in Berlin gemacht, es wird monolithischer und die britische Politik wechselnder Allianzen damit schwerer. Sarkozy klammert sich an die Bundeskanzlerin, um noch Einfluss vorzutäuschen. Merkel spielt mit, um den Eindruck deutscher Dominanz abzuschwächen.

Der britische Premier fordert, dass sich die 17 Euro-Zonen-Länder enger zusammenschließen, um das Schlimmste zu verhüten. Gleichzeitig fürchtet er nichts mehr als den neuen Block, der Europa endgültig in „ins“ und „outs“ spaltet. Großbritannien könnte die Wortführerschaft bei den „outs“ übernehmen, aber die Dynamik wird sich zugunsten der Euro-Zone verändern. Auch die EU-Kommission als Schutzpatron des Binnenmarkts wird Einfluss verlieren.

Der Streit über die Finanztransaktionssteuer führt den Briten die drohende Ohnmacht vor. Sollte Cameron ein Veto einlegen, wollen die 17 allein handeln, ohne Rücksicht auf die Vormachtstellung der City, der Briten wichtigstes Gut. Kauder beschwört europäische Solidarität, Briten sehen eine „Kugel ins Herz Londons“ und das Interesse der Euro-Zone, ihre Kassen zu füllen.

Britische Europaskeptiker fordern ein Austrittsreferendum, auch Labour ist in die skeptische Mitte der Nation gerückt und spricht von Neugewichtung der Kompetenzen, nicht einmal die Liberaldemokraten wagen noch, vom Euro-Beitritt zu sprechen. Europa droht nicht in zwei Blöcke unterschiedlicher Geschwindigkeiten zu zerfallen, „es geht in ganz unterschiedliche Richtungen“, warnt Ex-EU-Kommissar Peter Mandelson.

Kritik am deutschen Krisenmanagement
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

17 Kommentare zu "Kommentar: Warum sich Briten und Deutsche nicht verstehen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @margrit117888
    Wenn ich richtig informiert bin, dann bekommt Merkel in Europa von allen Regierungen Unterstützung für das Ziel einer Fiskalpolitik.

    OK, die Briten haben was gut bei Kauder. Aber Leute, was soll's, jeder macht mal was falsch.

  • Um sie muss es ziemlich finster sein.

  • @invincible
    Hey, nehmen Sie bitte meinen Landsleuten nicht so übel was sie sagen. Sie sind halt reich und unerziogen, haben keine Erziehung usw. Naja, es sind halt Leute, die nie Sorgen hatten.

    Liebe Landsleute, Ihr seid einfach schlecht erzogen. Die Briten haben einfach eine sehr heftige Krise und es wäre auch für sie gut, wenn ihr jetzt etwas solidarischer sein könntet.

  • Wenn England total falsch liegen würde, würde Merkel und Co. richtig liegen. Aber leider ist es genau umgekehrt. Es reicht aus wenn wir eine freie Handelszone haben und der übrige Dreck wo Deutschland nur der Zahler ist, brauchen wir nicht. Auch ohne Euro hätte Deutschland mindestens die gleichen Exporte. Vor dem Euro hatte die BRD mehr Exporte in der EU. Zweitens war der Euro der größte Wahnsinn aller Zeiten, auch hier hatte England Recht gehabt und nicht den großen Fehler gemacht, in den Euro zu gehen. Zweitens ist England nach wie vor eine große Militärmacht und die BRD ein Land, was sich nicht selber nicht ausreichend schützen kann. Wir brauchen England und wir brauchen keine Merkel und Co. - Die uns eine Diktatur über Brüssel beschert, wo wir keine direkte Mitsprache mehr haben. Die EU ist gescheitert durch die Korruption, wo die anderen Länder sich quasi eingekauft haben und Schweigegelder für ihre Misswirtschaft (sie hatte sich nicht an die Gesetze und Regeln der EU gehalten) bezahlt haben. Auch hier haben die Engländer Recht, wir brauchen kein korruptes Brüssel, noch deren Regeln. Selbstverantwortung muss jedes Land für sich selber übernehmen.

  • Lieber Pierre, ich lese nur eine Zeitung regelmässig (IHT), die ich auch abonniert habe. In den USA und Europa liest man oft die Meinung, dass etwas mehr Inflation gut wäre in der jetzigen Situation. Aus Deutschland, Niederlande, eventuell Finnland, übrigens auch Schweden (die vor einiger Zeit erfolgreich eine schwere Finanzkrise überwunden haben) hört man andere Töne: "Austerity" (Gesundsparen) soll besser sein. Geld drucken ist auf jeden Fall der bequemere Weg. Es gibt viele Beispiele für Volkswirtschaften, die durch Sparen erfolgreich wurden. Es gibt keine Beispiele, wo Inflationierung ebenso erfolgreich war. Ausnahmen sind Volkswirtschaften mit sehr hohem Wachstum, die gleichzeitig auch höhere Inflation haben - und die dabei unvermeidlichen sozialen Probleme.

    Bezüglich Deutschland kommt ein anderer Gesichtpunkt hinzu. D war nach dem 2. Weltkrieg froh, allmählich wieder in den Kreis der zivilisierten Völker aufgenommen zu werden. Frankreich hat hier Grossartiges geleistet. Natürlich musste D dafür zahlen. Z.B. über die EU die französischen Subventionen für deren Landwirtschaft. Deutschland hat auch einen Teil des ehemaligen Ostblocks (ehemalige DDR) unter ihre Fittiche genommen und vorwiegend die Lasten für die Re-Integration nach Westeuropa getragen. Deutschland muss und wird weiterhin seinen Beitrag leisten. Deutschland darf aber fordern, dass auch andere etwas tun. Das Beste ist immer Hilfe zur Selbsthilfe. Die Länder, denen es jetzt besser geht, haben unangenehme, umstrittene Reformen in den letzten 20 Jahren umgesetzt. Andere müssen das jetzt nachholen.

  • "David Cameron ist mit Sicherheit derjenige, der die Sorgen und Ängste einigen Ländern zum Ausdruck vortragen möchte."

    Mit Sicherheit nicht. Cameron verfolgt konsequent die Interessen seines Landes. Ausserdem will er auch die nächsten Wahlen wieder gewinnen. Sein "Altruismus" dürfte sich in Grenzen halten, wie der aller Politiker. Die Interessen Englands stimmen sicherlich mit denen anderer nicht-EURO-Länder überein, aber sie sind keinesfalls deckungsgleich. Das liegt u.a. am Übergewicht des Finanzsektors an der gesamtem Volkswirtschaft; eher Gemeinsamkeiten mit den USA als mit anderen europäischen Ländern. Da der Finanzsektor uns aber die Krisen seit 2008, inklusive der jetzigen Krise, eingebrockt hat, ist es notwendig, dass stärker reguliert und Exzesse in Zukunft erschwert und vermieden werden. So wie man den Deutschen gerne sagt: "Nicht alle könenn so viel exportieren wie ihr." müsste sich England sagen lassen: "Nicht alle können nur gebackene Luft in Form von Finanzinstrumenten verkaufen".

  • "Liebe deutsche Freude, lesen Sie bitte die Zeitungen in Frankreich, in den Vereinigten Staaten oder selbst in Asien. Sie sind alle der Meinung, dass Deutschland Solidaritat annehmen muss."
    Und alle wollen Freibier auf Kosten der Deutschen Unterschicht, die von nominellen Einkünften lebt und durch Inflation zunehmend verarmt - wie in USA, England usw.

    Welche Volkswirtschaften stecken denn die Krise am besten weg?
    Warum wohl?
    Freier Zugang zur Uni, Lehrlingsausbildung, Agenda 2010 usw.
    Wer pleite geht, muß lernen.
    Von GB lernen heißt untergehen.

  • "Was bildet die Frau sich eigentlich ein, über andere Länder befehlen zu wollen?
    Wer sagt ihr das endlich mal?
    Wiederholt sich Geschiche?"

    Sie übertreiben hier ein wenig. Wenn Sie Geschichte sagen, meinen Sie dann den Nazismus? Dann würde ich ihnen zusätzlich empfehlen, sich ein Geschichtsbuch zu besorgne. Ein ganz ganz dünnes mit vielleicht 10 Seiten würde schon genügen.

  • England sollte nicht ausgegrenzt werden - so interpretiere ich die Fragen am Schluss des Artikels. Aber Europa kann auch nicht aus lauter Rücksicht auf britische Sonderwege auf eine Klärung seiner existenzbedrohenden Probleme verzichten. "Autsch, wir könnten ja den Engländern auf die Füsse getreten haben." Nein, Europa als Ganzes ist wichtiger als England - und die Briten müssen das einsehen lernen.

  • Aber wer versteht sich schon mit den Deutschen auf Dauer? Warum hat sonst Deutschland in den letzten 150 Jahren die Hälfte seines Gebietes?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%