Kommentar
Wer sitzt am längeren Hebel?

Die Entscheidung von S&P hat den zarten Optimismus der Euro-Retter im Keim erstickt. Doch es hilft nichts: Sie müssen ihren eingeschlagenen Weg weitergehen.
  • 33

DüsseldorfDas Muster ist immer das gleiche: Nach langem Zögern, das oft angeführt wird von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, entschließen sich die Europolitiker einen nächsten Schritt zu machen, um der Schuldenkrise auf ihrem Kontinent Herr zu werden. Die Freude über den Entschluss währt dann ein paar Stunden. Länger dauert es in der Regel nicht, bis der mühsam errungene Schritt von all denen, die ihr Geld in Sicherheit bringen wollen und Marktteilnehmer genannt werden, wieder überholt wird.

Genau nach diesem Muster ist es auch jetzt gelaufen. Merkel und Sarkozy retten und verkünden am Abend, den Rettungsschirm ESM schneller in Kraft treten zu lassen. Drei Stunden später kommt die Ratingagentur S&P und verpasst den Euroländern, die bei ihr bislang noch uneingeschränkt gut dastanden, einen negativen Ausblick. Schon ist es blitzschnell vorbei mit der Herrlichkeit. Schon steckt die Politik wieder in der Defensive.

Was tun? Es bleiben theoretisch zwei Möglichkeiten: Möglichkeit Nummer eins ist, dass die Politik ihre Entscheidungen beschleunigt. Dass es ihr gelingt, sich an die Spitze der Bewegung und nicht hintenan zu stellen. Dass sie die Märkte überrascht und ihnen nicht hinterher hetzt. Das Dumme an dieser Idee ist, dass sie angesichts des Abstimmungsbedarfs unter 17 Eurostaaten, die unterschiedliche Interessen haben, kaum umzusetzen sein wird.

Bleibt die zweite Möglichkeit. Sie besteht darin, grundsätzlich klarzumachen, dass Europa am Euro festhalten wird, koste es was es wolle, und ansonsten das Votum der Marktteilnehmer, so gut es geht, zu ignorieren. Dahinter steckt die Überzeugung, dass letztlich die Politik und nicht die Finanzwelt am längeren Hebel sitzt. Merkel und die Euroretter setzen auf diese Lösung, weil sie keine andere Wahl haben. Drücken wir Ihnen die Daumen!


Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Wer sitzt am längeren Hebel?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ---@ ihr

    Demokratie, dass ich nicht lache.

    - Der Bundeskanzler wird von den Bilderbergern bestimmt

    - Die Banken sind letztendlich in der Hand der FED und entscheiden über Krise oder wohlstand
    - undd ei Medien sidn informativ in ein Netzwerk eingebunden, was weltweit von 2-3 Familien bestimmt wird.

    Das volk denkt doch nur,d ass es ein Mitspracherecht hat. Aebr ehrlich, wenn man sich mal die Volksmeinung so ansieht, muss man sich nicht wudnern, wenn man das Volk noch nie um seine Wahlmeinung gefragt hat.

  • Es wird keine Katastrophe geben.

    Das alles wurde schließlich initiiert, damit die Profanen endlich bereit sind, die nächste Stufe im GROSSEN PLAN (der neuen Weltordnung) zuzustimmen.

    GR udn I sind bereits befriedet
    Nun geht es an F, Sp, Pt, und die anderen Wackelkandidaten.

  • All das Geschimpfe auf die Ratingagenturen hilft doch überhaupt nichts. Das ist so ähnlich, als wenn man über die Wettervorhersage schimpft, bloss weil die sagt, dass es morgen regnen wird.

    Es dürfte doch überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass für Deutschland über die Anteile an der EZB (die in großem Umfang Schrott aufkauft) oder in Zukunft über die Eurobonds die Eventualverbindlichkeiten und Mithaftungen steigen, und damit die Bonität sinkt. Wer das ignoriert, hat von wirtschaftlichen Zusammenhängen überhaupt keine Ahnung, ist dabei allerdings bei unseren Politikern in bester Gesellschaft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%