Kommentar zu Flüchtlingen: Hinsehen!

Kommentar zu Flüchtlingen
Hinsehen!

Wir reden von „Wirtschaftsflüchtlingen“ und wollen damit den Horror von uns fernhalten. Doch das Bild eines toten Jungen zeigt uns: Wir ignorieren unsere Natur als Mitmenschen.
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Die ungeschminkte Wahrheit ist selten schön. Meist ist sie hässlich und brutal, manchmal kaum auszuhalten. Das Foto des toten syrischen Kindes, das im Mittelmeer ans türkische Ufer gespült wurde und nun im Internet und in Zeitungen abgebildet ist, ist schrecklich. Es ist so schrecklich wie die Wahrheit, die hinter dem Bild steckt: Hunderte von solchen Kindern sind in den vergangenen Monaten auf der Flucht gestorben. Ertrunken, verhungert, erfroren.

Wer aufmerksam die Berichte von Seenotrettern verfolgt hat, ist zwar entsetzt, aber in seinem Ersetzen nicht mehr überrascht. Seit Beginn der Flüchtlingswelle hätten wir oft mitbekommen können, wie die Retter, vor Horror fast ohnmächtig weinend berichten, wie sie sehen mussten, dass Babys noch im letzten Moment kurz vor der Rettung durch die Rettungsringe ins schwarze Nichts versanken, Kinder und Jugendliche nur noch erfroren oder ertrunken an Bord eines Rettungsschiffes gezogen werden konnten.

Dieser Horror – ob auf hoher See, in der Kühltruhe oder in aufgeschweißten Lastwagen – ist unerträglich: Ein täglicher tödlicher Horror für die Flüchtlinge, die wir gerne Wirtschaftsflüchtlinge nennen.

Doch was Berichte und Erzählungen wohl nie schaffen, das bewirkt ein solches Bild, das uns jetzt so sehr schockt. Das Dokument der uns umgebenden Wirklichkeit zeigt uns nämlich aufs drastischste, dass dieser kleine Mensch in seinem hochgerutschten roten T-Shirt, seiner Jeanshose, den kleinen Turnschuhen und seinem zusammengepressten kleinen Händchen einer von uns ist. Er wäre bestimmt ein fröhlicher Spielkamerad unserer Töchterchen und Söhnchen geworden.

Wir müssen durch das Bild bitterböse lernen, dass auch wir mit diesem namenlosen Kind zu Opfern werden, uns zu Opfern machen, dass eigentlich jeder einzelne von uns dort am Meeresufer ein Stück mitstirbt. Das ist der Horror in uns selber. Diesem Wissen versuchen wir angestrengt aus dem Weg zu gehen. Wir wollen diesen Horror fern von uns halten, ihn austreiben, in dem wir aus Entsetzen entweder nicht (mehr) hinschauen oder diese kleinen Einzelnen jeden für sich in unseren Worten und in unserem Denken fortschaffen.

Damit wir das überhaupt können, reden wir von Flüchtlings„flut“ und vom Flüchtlings„strom“, „von Wohlstands“- oder „Wirtschaftsflüchtlingen“ und lassen die vielen kleinen Einzelnen in der großen Zahl der schon „wieder Hunderte von Opfern“ als erste ertrinken. Das aber ist die wirkliche, brutalstmögliche Wahrheit, die uns das Bild unter die Haut und ins Herzen ritzt. Wir ignorieren so unsere Natur als Mitmenschen. Also: Hinsehen!

Kommentare zu " Kommentar zu Flüchtlingen: Hinsehen!"

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  • Frau Steer ("das mit den gefäschten syr. Pässen... vor allem derzeit nicht im Fernsehen"),
    Bei uns ist der Fernseher seit Monaten nur noch ab und zu für Spielfilme auf DVD oder mal für ein Fußballspiel eingeschaltet worden, ansonsten genießen wir konsequent die Ruhe, die von diesem großen schwarzen Flachbildschirm ausgeht! ((: Ich kann das wirklich sehr empfehlen!
    Informationen findet man am ehesten auf bestimmten Seiten im Internet! (:

  • Die meisten Media (z B FAZ) haben die Kommentarfunktion komplett abgeschaltet, wenn es um
    Fluechtlinge geht. Opfer wie diesen kleinen Jungen hat es schon hunderte, vielleicht tausende
    gegeben und es wird noch weiter welche geben. Die Frage ist: wie konnte es dazu kommen,
    Syrien und andere Laender waren friedlich, bevor vom Ausland bestimmte Kampagne gestartet
    wurde. Die Verursacher sind bekannt und muessen als Moerder gebranntmarkt werden!

  • Die ganze Familie ist ein Opfer einer skrupelhaften Politik geworden: Die der Geldgeber des IS und der Türkei.
    Diese Familie ist durch die Türkei gekommen. Keiner hat Sie aufgehalten oder vor dem Besteigen des Bootes gehindert.
    Ist es nicht ein erstaunlicher Zufall, wie schnell die türkische Polizei die hierfür mutmasslich verantworlichen Schlepper "gefunden" hat.
    Wie naiv oder politisch kalkuliert wird hier vom Schreiber weggesehen?
    Was hier passiert ist eine Migrationskampagne: Es wird Druck aufgebaut und dann die Schleuse geöffnet. Das ist skrupeloses Kalkül, auch eines Erdogans, der jetzt den moralischen Zeigefinger hebt.

    Und wenn der Schreiber die EU jetzt dafür verantwortlich zu machen, das "Wasser" nicht komplett auffangen zu können, ist Auftragsberichterstattung: Hier soll Stimmung gemacht werden und zwar auf die ganz miese Tour.

    PS: Das Schicksal dieser Familie, die sicherlich aus einer sehr schlimmen Situation entkam, viel auf der Reise erlitten hat und jetzt zerstört wurde, ist sehr erschütternd. Ich wüsste nicht, wie ich damit als Überlebender zurechtkommen sollte.

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