Kommentar zu Griechenland
Tsipras vertane Chance

Aus Alt mach Neu: Griechenlands Premier Alexis Tsipras setzt bei der neuen Kabinettsbildung auf Kontinuität und beruft fast alle Minister aus seiner alten Mannschaft. Das klingt konstruktiv, ist aber keine gute Nachricht.
  • 6

Ein Neubeginn sieht anders aus: Um eine „zweite Chance“ bat Alexis Tsipras die Griechen, und die Wähler haben sie ihm am Sonntag bei der Parlamentswahl gegeben. Aber nun will Tsipras offenbar so weitermachen wie bisher. Darauf deutet jedenfalls die neue Mannschaftsaufstellung hin, mit der er jetzt antritt. Die Stammspieler sind dieselben. Länger als erwartet brütete Alexis Tsipras mit seinen engsten Beratern über der neuen Ministerliste. Erst gegen Mitternacht konnte Regierungssprecherin Gerovasili am Dienstag die Kabinettsliste verlesen. Sie besteht größtenteils aus jenen Namen, die man schon aus der vorigen Regierung kannte. Tsipras setzt also auf Kontinuität. Das klingt konstruktiv, ist aber keine gute Nachricht.

Wenn man sich an den Leerlauf, das Durcheinander und die Inkompetenz der ersten Tsipras-Mannschaft erinnert, hätte man sich mehr Erneuerung gewünscht. Aber dafür fehlten ihm wohl die Ressourcen.

Nach der Abspaltung des linksextremen Flügels ist die Personaldecke beim Linksbündnis Syriza noch dünner geworden. Der Premier tat zwar gut daran, die wenigen qualifizierten Ressortchefs wie Finanzminister Tsakalotos, Vizeminister Chouliarakis und Wirtschaftsminister Stathakis auf ihren Posten zu belassen. Damit signalisiert er seine Absicht, das mit den Geldgebern vereinbarte Anpassungsprogramm umzusetzen. Aber die von vielen gehegte Hoffnung, Tsipras werde überparteiliche Fachleute in seine neue Regierung holen und damit die Fachkompetenz seines Teams stärken, hat sich nicht erfüllt.

In der Ministermannschaft spiegeln sich vielmehr die innerparteilichen Kräfteverhältnisse bei Syriza, auf die Tsipras glaubt Rücksicht nehmen zu müssen. So gehört einer der wenigen erfolgreichen Minister des alten Kabinetts, der parteilose Juraprofessor Giannis Panousis, der neuen Regierung nicht mehr an, weil Tsipras ihn in der eigenen Partei nicht durchsetzen konnte.

Mit der überhasteten Erneuerung seiner Koalition mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen hat Tsipras die Chance vertan, seine Regierung auf eine breite Basis zu stellen. Dabei hatten pro-europäische Parteien wie die Mitte-Links-Gruppierung „To Potami“ und die sozialdemokratische „Pasok“, die zudem über Regierungserfahrung verfügt, durchaus ihre Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit signalisiert.

Tsipras entschied sich für die Rechtspopulisten als den bequemeren, gefügigen Partner. 155 von 300 Mandaten haben beide Parteien im neuen Parlament. Eine riesige Mehrheit ist das nicht, wenn man bedenkt, wie groß die Aufgaben sind, vor denen diese Regierung steht.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

Kommentare zu " Kommentar zu Griechenland: Tsipras vertane Chance"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herr Tsipras hat nun nur noch eine einzige Wahl zu betätigen...

    er muss die Wirtschaft in Griechenland nach vorne bringen.

    Er muss die politische Stabilität des Landes schnellstens einbringen um gleich danach sich um das Vertrauen von Internationale Anleger und Investoren für Griechenland zu bekommen.

    Die ganze Zeit wird in Griechenland über Deutschland gesprochen...

    dann soll jetzt auch Griechenland seine Steuereinnahmen und Industrie nach Deutschen Beispiele angehen.

    In Deutschland ist das Produkt " AUTO " ein wichtiger Faktor...

    also warum stehen die vorhaben in Griechenland das Auto " PONY " immer noch nur auf Papier ?

    Und scheinbar sind Investoren die in Griechenland in Industrie investieren wollten abgeschreckt wieder abgezogen sein ?

    Jetzt um Vertrauen und Investitionen in Griechenland nicht nur nochmal werben sondern auch alle notwendige Maßnahmen zu solche Umsetzungen auch mit staatliche Unterstützungen in dem Start bringen.

    Ewig als Bittsteller da zu stehen kann keinen Erfolg für egal welche Regierung sein.

    Und Herr Draghi hat vollkommen Recht wenn er als EZB-Chef keine weitere Geld Überschwemmungen macht...

    die Aufgabe EUROPAS WIRTSCHAFT NACH OBEN ZU BRINGEN MUSS AUCH IN DESSEN ETAGEN BEGINNEN !!!




  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Es ist doch vollkommen gleich was Griechenland macht oder nicht macht, ob es alle Reformen durchführt oder keine, am Ende bezahlt die deutsche Regierung, der jegliches Volk dieser Erde weit näher am Herzen liegt als das eigene.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%