Brexit-Pläne von Theresa May: Auf die harte Tour

Kommentar zu Mays Brexit-Plänen
Ein riskantes Spiel

Die britische Premierministerin Theresa May geht in die Offensive und schickt Drohungen in Richtung der „europäischen Partner und Freunde“. Das ist ein riskantes Spiel, das Brüssel kaum mitmachen wird. Ein Kommentar.
  • 16

Die Brexit-Befürworter in Großbritannien – und im Rest der Welt – werden jubeln. Mit deutlichen Worten hat die britische Premierministerin Theresa May am Dienstag ihre Vorstellungen zur Zukunft ihres Landes publik gemacht. Am Brexit – für den im vergangenen Sommer nur eine knappe Mehrheit der Briten gestimmt hatten – ist nicht mehr zu rütteln: Großbritannien steigt aus der Europäischen Union (EU) aus.

Keine Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft, im EU-Binnenmarkt oder in der Zollunion, denn dann würde man nicht die Kontrolle über die Einwanderung zurückerhalten und sich nicht vom Europäischen Gerichtshof lossagen können.

Statt der Mitgliedschaft in dem europäischen Club, in den Großbritannien 1973 eingetreten war, will May einen „umfassenden Freihandelsvertrag“ mit der EU schließen. Zugleich sieht die Premierministerin ihr Land auf dem Weg zu einer „großen, globalen Handelsnation“.

Die Zukunft, die man sich in London vorstellt, ist nicht mehr eng mit der des europäischen Kontinents verknüpft. Kein Wunder, dass man sich so freute, als der designierte US-Präsident Donald Trump verkündete, er wolle bald mit Großbritannien über ein gemeinsames Handelsabkommen sprechen.

Dass May nun so in die Offensive geht und sogar Drohungen in Richtung der „europäischen Partner und Freunde“ schickt, indem man sich als Steuerparadies für internationale Unternehmen ins Spiel bringt, ist jedoch riskant. Schließlich gehen 44 Prozent der Exporte des Landes in die EU. Sollte es Zölle oder Einfuhrbeschränkungen geben, würde das der britischen Wirtschaft schwer schaden – sicher mehr als europäischen Unternehmen.

Die Verhandlungen mit der EU haben noch nicht begonnen und es wird dauern, bis man Handelsbeziehungen mit anderen Ländern oder Regionen aufgebaut hat. In der Situation hohe Forderungen zu stellen, mag aus verhandlungstaktischen Gründen nachvollziehbar sein – aber es ist gewagt.

May hat Recht in ihrer Einschätzung, dass es nicht im Interesse der EU ist, im Schlechten mit Großbritannien auseinander zu gehen. Doch das Entgegenkommen von Brüssel dürfte allein mit Blick auf derartige Drohungen begrenzt sein. Die Gefahr, dass es zu dem von allen Seiten befürchteten Scheidungskrieg kommt, ist groß.

Kommentare zu " Kommentar zu Mays Brexit-Plänen: Ein riskantes Spiel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @Frau Karin Binder, 17.01.2017, 18:39 Uhr

    Danke für Ihren Kommentar.

    Er zeigt einmal mehr auf, wie dringend wir weg müssen von einer "Politik", die von einigen wenigen "für alle" gemacht wird, genauso wie von der damit verbundenen Bürokratie (ich beziehe mich hier natürlich auf die EU - naja, in vielen anderen Ländern beneidet man uns trotzdem, noch jedenfalls), und hin zur Eigenverantwortung.

  • Lieber Herr Schwarz,

    ich habe leider nicht kapiert, was Sie mit Ihrer mail sagen wollen. Meinen Sie wirklich, die Afrikaner vermehren sich wie die Karnikel (und offensichtlich stirbt da auch keiner, da Sie sich nur auf die Fertilitätsrate beziehen) und alle kommen nach Europa, vornehmlich Deutschland, weil Sie hier frei Kost und Logis bekommen, nichts tun müssen und sich freudig weitervermehren können?

    Soviel ich weiß, kommen mehrheitlich junge Männer, meistens aus afrikanischen Ländern mit einer im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern eher niedrigen Geburtenrate. Und wie sich nun junge Männer in 'Flüchtlingsunterkünften weitervermehren, weiß ich nun auch nicht; das müssen Sie mir erklären. Ich habe eigentlich noch nicht gehört, dass afrikanische Menschen in Deutschland übermäßig vermehrt hätten. Meine afrikanischen Freunde neigen eigentlich ganz deutsch zur 1-2-Kind-Familie.

    Und dann wäre noch zu sagen, dass das Gros der Flüchtlinge sehr gerne arbeiten wüürde, wenn man Sie nur ließe und das Asylanerkennungsverfahren nicht so müßig wäre. Ich empfehle Ihnen, sich mal einen der Flüchtlinge an die Hand zu nehmen und zu versuchen, ihm/ihr einen Arbeitsplatz zu finden. Sie werden viel über Ämter und Bürokratie lernen!

    Nein, ich verstehe Ihren Kommentar inhaltlich nicht. Er scheint wohl eher vom Beobachten aus der Ferne als dem täglichen Miteinander mit der von Ihnen an den Pranger gestellten Bevölkerung zu entstammen. Und meine Erfahrung nach sechs Jahren Leben in Afrika (Nord-, Süd, Ostafrika), dass die Menschen Fremden gegenüber weit weniger Vorurteile haben und eng im Kopf sind als ich es hier auf der Seite lesen darf. Dabei sind wir Europäer doch das Kulturvolk. Sagte jedenfalls mal jemand...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%