Kommentar zu Russlands Eingreifen in Syrien
Fasst euch an die eigene Nase!

Kremlchef Putin trifft mit seinen Luftangriffen in Syrien weniger die Terrormiliz Islamischer Staat als vielmehr das Selbstwertgefühl der US-Regierung und ihrer Verbündeten. Denn der Westen kann die Krise nicht lösen.
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Der Westen fühlt sich von Wladimir Putin düpiert. Erneut hat der Kremlchef offenbar ohne größere Absprache gehandelt, als er mit den Luftangriffen nahe Homs in Syrien begann. Getroffen wurde dabei laut Medienberichten weniger die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als vielmehr das Selbstwertgefühl der US-Regierung und ihrer Verbündeten.

Freilich müssen sich die Verantwortlichen in den USA und Europa fragen lassen, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Die Krise in Syrien eskaliert seit vier Jahren immer stärker, woran der Westen nicht unschuldig ist. Zuerst wurde die Opposition, auch die bewaffnete, unterstützt. Auf das Aufkommen des IS reagierten die USA und arabische Staaten mit vereinzelten Luftangriffen gegen die Dschihadisten. Doch zählbare Resultate gibt es nicht. Stattdessen erstarkt die Terrormiliz weiter.

Immer deutlicher wird: Der Westen kann die Krise nicht lösen. Wie er zuvor auch andere Krisen in der Region nicht lösen konnte; weder im Irak (wo es vor dem US-Einmarsch zwar einen Diktator, aber keine Krise gab), noch in Afghanistan, noch jüngst in Libyen. Das Eingreifen hat das Chaos eher noch verstärkt.

In Syrien hat man sich daher militärische Zurückhaltung auferlegt, versucht aber weiter am Stuhl des syrischen Machthabers Assad zu sägen. Dass Moskau nach der Erfahrung in Libyen – wo die russische Führung einer Flugverbotszone im Uno-Sicherheitsrat zugestimmt hat, um dann zu erleben, wie die Resolution zur Durchführung von Luftangriffen missbraucht wurde – nun nicht tatenlos zusehen wird, wie ihr Verbündeter in Damaskus vom Thron gestoßen wird, war zu erwarten. Als die massive russische Militärhilfe für Assad nicht ausreichte, folgte nun das direkte Eingreifen als nächster aus Moskauer Sicht logischer Schritt.


Die derzeitige Stärke Putins spiegelt also nur die Schwäche des Westens wider. Allerdings – und darin besteht die Crux für den Kreml – die Frage bleibt, ob Putin die Krise lösen kann. Allein mit Luftangriffen ist dies wohl kaum zu schaffen.

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  • Zurecht wird hier auf das Versagen des Westens verwiesen. Aber wieder wird reine Personalisierung und Zuspitzung auf Russlands Präsidenten Putin betrieben. Mit Brecht könnte gefragt werden „Hatte er nicht wenigstens eine beratende Person zur Seite?“. Doch die gab und gibt es: Den russischen Föderationsrat. Dieses Gremium hat einstimmig Luftangriffe in Syrien genehmigt. Und „Telepolis“ schreibt sogar: „Im Unterschied zu der von den USA geführten Koalition, deren Luftangriffe in Syrien völkerrechtswidrig sind, hält sich Russland an das internationale Recht, da die Angriffe mit Genehmigung der syrischen Regierung erfolgen. Die syrische Regierung meldete heute auch gleich, dass die Entsendung russischer Kampfflugzeuge auf Bitten des syrischen Präsidenten geschehen sei.“ Also: Herr Medick könnte auch die NATO-Staaten fragen: Und jetzt fliegen ihre Kampfjets Angriffe auf – ja auf was eigentlich? Andernfalls wirkt es wie das „Heulen mit den Wölfen“. Quelle Nachdenkseiten.

  • „“““Washington ist grundsätzlich für Friedensgespräche – aber ohne die EU am Tisch.“““
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    Man kann froh sein wenn man gute „Freunde“ hat, was soll ein Vasallen Konstrukt auch an so einem Tisch wenn der Papa dabei ist?
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    „““Die EU trägt die Hauptlast der Vertreibungen aus Syrien.“““

    Wir schaffen das und die anderen lachen sich kaputt über unsere Politik Clowns. So viel Naivität hätten Sie nicht für möglich gehalten und der dumm gedaddelte Bürger merkt noch immer nix!!
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    „““Doch die EU hat es sich offenbar auch mit Russland verscherzt.“““

    Macht nix, wir haben doch erst gerade die Rechnungen der Ukraine in Russland aus dem Topf der EU-Steuerzahler bezahlt.

  • McCain will russische Flugzeuge abschiessen ?
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    Nun stellt sich heraus das wie schon viele vermutet haben die Isis von den USA unterstützt wurden. Nach über einem Jahr wurde die nicht geschwächt sondern noch gestärkt.
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    Was hat denn der Westen beschossen ? Die Zivilisten und die Infrastruktur. Auch Saudi Arabien will das Russland aufhört. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen was der Westen treibt.
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    Für mich sind es Mörder und Verbrecher. Es geht nicht um Assad sondern darum das die Öl/Gas-Pipeline von Katar nach Europa gebaut werden kann.Somit würde die USA nicht nur Russland den Hahn abdrehen sondern den gesamten Gasmarkt in Europa kontrollieren.
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    Wir wären dann nicht mehr von Russland,,,abhängig,,, wie die EU immer so schön schreibt sondern wir wären der USA ausgeliefert. Darum müssen die Menschen sterben. Traurig das sich Merkel für soetwas hergibt.
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    Für mich sind das Verbrechen aus niedrigen Beweggründen und die Beteiligten gehörten vor ein Gericht.Ich jedenfalls wünsche Russland viel Glück und sehe jetzt schon das sie in 2 Tagen mehr erreicht haben als die NATO in einem Jahr

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