Kommentar zum Amoklauf in den USA
Gebete sind nicht genug

Traurig, frustriert, wütend: Noch nie hat die Welt den US-Präsidenten so aufgewühlt erlebt wie bei seiner Rede nach dem Amoklauf an einem US-College in Roseburg. Der Grund: Er ist machtlos.
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BerlinNoch nie hat Amerika den wohl mächtigsten Mann der Welt so machtlos gesehen wie am Donnerstagabend. Traurig, frustriert, aber vor allem wütend trat Präsident Obama nach dem Amoklauf an einem College in Roseburg im US-Bundesstaat Oregon vor die Presse. Obama war nicht nur gekommen, um den Hinterbliebenen der zehn Opfer sein Mitgefühl auszusprechen. „Unsere Gedanken und Gebete sind nicht genug“, sagte er mit bitterer Stimme. Wohl selten war Amerikas angeblich so emotionsloser Präsident so aufgebracht.

Der Grund für Obamas Wut: Zu oft hat er vor der Nation seine Trauer über solche Amokläufe an Schulen bekundet, zu wenig, viel zu wenig hat sich geändert. Obama sprach von einer schrecklichen „Routine“ von Amokläufen und forderte zu Recht die in der National Rifle Association (NRA) versammelte Waffenlobby Amerikas auf, endlich ihren Widerstand gegen strengere Waffengesetze aufzugeben. Der Präsident appellierte aber vor allem die Amerikaner, direkt Druck auf ihre Kongressabgeordneten auszuüben.

Dass Obama sich direkt ans Volk wendet, zeigt, dass er nicht mehr daran glaubt, die Widerstände gegen schärfere Waffengesetz überwinden zu können. Nach dem Massaker an der Sandy Hook Grundschule in Newtown/Connecticut 2012, bei dem 22 Kinder erschossen wurden, hatte Obama noch versprochen, dem Schrecken mit einem neuen Waffengesetz ein Ende zu machen. Nicht mehr jeder Amerikaner sollte ohne weiteres an eine Waffe kommen. „Daran werden wir gemessen werden“, sagte Obama damals. Wenige Monate später wurden die neuen Waffengesetze im Kongress von Vertretern beider großer Parteien blockiert.

Offenbar glaubt die Waffenlobby immer noch, dass das beste Mitte gegen solche Amokläufe mehr Waffen sind. „Das einzige, was einen Verbrecher mit einer Waffe stoppen kann, ist ein guter Bürger mit einer Waffe“ – das ist seit Jahren das Argument der NRA und ihrer Gefolgsleute im Kongress. Sie berufen sich dabei auf den 2. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung, der es angeblich der Regierung verbietet, den Waffenbesitz einzuschränken. Doch das ist unter Juristen seit langem umstritten. Obama hat gestern noch einmal deutlich gemacht, dass die Verfassung keine Entschuldigung bietet.

Was hingegen unbestritten ist, sind die Statistiken des Grauens. Sie zeigen eindeutig, dass Länder mit strengeren Waffengesetzen zwar nicht vor Amokläufen gefeit sind, ihre Zahl dort jedoch deutlich geringer ist als in Amerika. In den USA kommt ohnehin bereits auf jeden Amerikaner eine Waffe in Privatbesitz. Noch mehr Waffen, wie die NRA es fordert, sind also nicht nur sinnlos, sondern gefährlich.

Obama hat den Amerikaner diese Wahrheiten jetzt ins Gesicht gesagt. Es ist nun an ihnen, den öffentlichen Druck zu verstärken. Gebete sind jedenfalls nicht mehr genug.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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  • Den Familienangehörige der Opfer meine persönliche Anteilnahme und Beileid.

    ABER...betrachten wir die gesamte Weltlage.

    Überall Kriege und Konflikte sowie Flüchtlinge.

    WER GLAUBT DASS AUS DEN TRAUMATISIERTE FLÜCHTLINGSKINDER eines Tages sich nicht solche oder ähnliche Umstände verstärkt geben wird ?

    KINDER die unter Bombenhagel um ihr Leben selbst schützend davon rennen müssen...

    KINDER die mit ansehen wie Erwachsene andere Erwachsene Kaltblütig ermorden...

    KINDER die selbst Opfer dabei sind von Sexualtäter...

    WER WILL DIESE KINDER BEI EVENTUELL SELBST VERSCHULDETE STRAFTATEN DEN MORAL APOSTEL DANN SPIELEN UND DIESE KINDER SAGEN WAS RICHTIG UND WAS FALSCH IST ?

    Da fragen die gleiche Kinder doch glatt zurück :

    " WARUM GALTEN DIESE GESETZE NICHT UM MICH EINST VOR SOLCHE TÄTER ZU SCHÜTZEN ? "

    Was wollen wir dann Antworten ?

    Stell Dir vor eines dieser Kinderopfer wäre Dein eigenes Kind !!!

    Wir bedauern uns wegen eine nicht Erfolgreiche Handy Verbindung oder Internet Verbindung gleich beim Chef des Providers...und machen einen Staats-Drama daraus...

    ABER WENN ES UM KINDER IN DIESER WELT GEHT...

    DANN SCHALTEN WIR NACHRICHTEN UND UNSEREN HIRN AUS ???

    Warum tun Politiker alle so scheinheilig wie etwa Putin dass den Baschar Al ASSAD noch unterstützt obwohl wegen ASSAD´s CLAN mehr als 3 Millionen Kinder auf der Flucht sind.

    UND PUTIN PROVOZIERT ABSICHTLICH EINEN LUFTUNFALL ZWISCHEN RUSSISCHE KAMPF-FLUGZEUGEN UND FLUGZEUGE AUS DER NATO GEBIETEN.

    ==>>> PUTIN SUCHT ABSICHTLICH EINEN LUFT UNFALL UM DIESES ALA ANGRIFF AUF RUSSLAND ALS GRUND NEHMEN ZU KÖNNEN UM NICHT ALS KRIEGS BEGINNER DA ZU STEHEN !!!

    SIEHE ---> UKRAINE LUFT VERLETZUNGEN DURCH RUSSLAND
    SIEHE ---> ENGLAND LUFT VERLETZUNGEN DURCH RUSSLAND
    SIEHE ---> TÜRKEI LUFT VERLETZUNGEN DURCH RUSSLAND

    Und PUTIN und RUSSLAND wird weiter provozieren um einen Kriegsgrund als Angegriffener zu bekommen um dann den Krieg als Verteidigungsfall einstufen zu können !

    AMOKLAUF RUSSLANDS ???


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Es gibt auch Stimmen, dass dies (analog wie 9.11) inszeniert wurde, um Einschränkungen demokratischer Rechte durchsetzen zu können. Das Waffenrecht in den USA dient dem Schutz der Freiheiten der Bürger. Leider verstehen dies unsere stromlinienförmig staatsgläubigen deutschen Untertanen nicht. Gleiches gilt für die Schweiz. Die Deutschen tragen eben lieber das Risiko vom Staat umgebracht zu werden, als von Amokläufern. Dies rechtfertigt es aber an dieser Stelle nicht die US Bürger zu kritisieren.

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