Kommentar zum Gipfel auf Schloss Elmau
Die Merkelisierung der G7-Gemeinschaft

Bundeskanzlerin Angela Merkel gelingt es beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau, ihren Politikstil, den sie seit Jahren innenpolitisch pflegt, auch international zu verankern: Wohlfühl-Klima, kleine Schritte und wenig Risiko.
  • 27

KrünAls am Sonntag, dem Eröffnungstag des G7-Gipfels, die Sonne vom weiß-blauen Himmel auf das Wetterstein-Gebirge strahlte, fasste die Kanzlerin einen Entschluss: Kurzerhand entschied sie, das Familienfoto mit den übrigen Regierungschefs vorzuverlegen. Was nach einer Petitesse klingt, trieb die Organisatoren des streng durchgetakteten Treffens fast zum Wahnsinn. Doch Merkel wollte das Wetter ausnutzen, sie hatte Sorge vor dem aufziehenden Gewitter.

Die Begebenheit erzählt viel über den G7-Gipfel, und wie Merkel ihn inszenierte. Ihr ist es gelungen, ihren Politikstil, den sie seit zehn Jahren innenpolitisch kultiviert, nun auch international zu verankern. Die Kollegen aus den führenden Industrienationen richten sich nach dem Drehplan der Kanzlerin.

Und der sah zunächst mal Wohlfühl-Klima und schöne Bilder vor. Deshalb prostete sie sich mit US-Präsident Barack Obama auf dem Rathausplatz des Dörfchens Krün fröhlich zu und zelebrierte bayerische Folklore. Und auch ansonsten spielte das Wetter für Merkel. Immer wieder versammelte sie Obama und die Kollegen vor der Alpenkulisse. Die Bürger fühlen sich bei der Kanzlerin gut aufgehoben – und das sollten die Staatenlenker auch ausstrahlen auf den Bildern. Noch besser für Merkel: Es gab keine Fotos von randalierenden Demonstranten, welche die Harmonie-Show leicht hätten überlagern können.

Und noch etwas verdeutlicht Merkels Kurzschlussentscheidung beim Familienfoto: Die Kanzlerin scheut das Risiko. Das gilt nicht nur für aufziehende Gewitter. Merkel hat versucht, die konfliktträchtigen Themen klein zu halten. Griechenlands drohende Pleite? Kaum Thema. Sagt zumindest Merkel. Flüchtlingskatastrophen, Terror und Ukraine-Krise? Durchaus Gesprächsthemen, aber auch nur soweit der Konsens der Gruppe trägt.

In dem 21-seitigen Abschluss-Kommunique versichern sich die Regierungschefs der G7-Staaten vor allem, ihrer schon verabredeten gemeinsamen Positionen. Das gilt für die Ukraine. Hier wird Russland erneut kritisiert und aufgefordert, das Minsker Friedensabkommen einzuhalten. Bei den Wirtschaftssanktionen hält man sich alles offen – Aufweichung wie Verschärfung. Das gilt auch für die Weltwirtschaft, wo sich die G7-Staaten vor allem gegenseitig loben für die konjunkturelle Erholung, die sich in ihren Ländern abzeichnet. Risiken durch die ultralockere Geldpolitik oder die anhaltend hohe Staatsverschuldung werden allenfalls gestreift.

Seite 1:

Die Merkelisierung der G7-Gemeinschaft

Seite 2:

Nur beim Klima hat Merkel Druck gemacht

Kommentare zu " Kommentar zum Gipfel auf Schloss Elmau: Die Merkelisierung der G7-Gemeinschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Im Wesentlichen ist ja schon alles zum Ausdruck gebracht worden. Die Meisten hier denken immer noch, die "Amis" wären unsere Freunde. Solange uns die Systemmedien das so einhämmern, tagtäglich, dann wird dieser verklärte Blick auch weiterhin so bleiben. Vor allem aber die auf G7 so beschworene Wertegemeinschaft, die ja die Basis für die Antirusslandpolitik darstellen soll, ist doch in Wahrheit einfach und schlicht nur gelogen. Allein ein Blick auf den letzten Amerikagipfel im April 2015 reicht, um die Wahrheit zu sehen. Hier hat die USA Venezuela als eine Gefahr für die Sicherheit der USA bezeichnet und das nur, weil sie ihre Probleme selbst lösen wollen. Sind das die Werte, die auf dem G7 Gipfel so beschworen worden sind, dass jedes Land selbst bestimmen darf ?
    Es ist inzwischen unerträglich geworden, wie verlogen der Westen in der Welt auftritt, wie er sich als Retter der Welt darstellen möchte. Dabei ist er das eigentliche Problem.

  • "Es wird nicht ehrlich analysiert (...), es wird viel zu wenig Tacheles geredet. Überall karrieregeile Opportunisten (...)"

    Zwar haben die "Deutschen" - wie jedes Volk - auch ihre guten Seiten bzw. Vorzüge, aber ich muss leider zugeben, dass an Ihrer Kritik m.E. immer noch eine Menge dran ist (kennen Sie übrigens den "Untertan" von Heinrich Mann?).

    Selbsterkenntnis war schon immer der beste Weg zur Besserung...

  • Fortsetzung

    Washingtons Politik wird mittel- bis langfristig in einer harten Konfrontation mit China münden. Sollen wir uns dann wieder auf Geheiß Washingtons zu unserem Schaden benutzen und instrumentalisieren lassen?! Wann sagt uns unser gesunder Menschenverstand es reicht jetzt, erst wieder einmal nach dem “Endsieg“ oder dieses mal vorher?!

    In der seit ca. zwei Jahren bis heute völlig desaströs gelaufenen Ukraine Politik ist Deutschland und der gesamten EU jetzt schon ein gigantischer Schaden entstanden. Jeder normale und durchschnittliche Arbeitnehmer mit einer ähnlichen Leistungsbilanz müsste sofort unter Schimpf und Schande das Betriebsgelände verlassen. Und das ist noch lange nicht die endgültige Bilanz, das Desaster wird noch fürchterlich werden. Die verantwortlichen Eurokraten und Politiker hingegen vermitteln dreist ihr ins Desaster führende Handeln sei erfolgreich und zudem alternativlos. Was ist los in Deutschland, habt IHR alle euren Verstand ins Nirwana gesoffen oder was soll diese Scheiße schon wieder!
    Ich sage euch, wacht endlich auf und tut etwas gegen diese Feudalmischpoke oder IHR werdet es sehr bitter bereuen müssen.

    Hört doch wenigstens den US-Amerikanern mal genau zu, sie sagen es doch sogar öffentlich, die Deutschen sind keine wahren Freunde von uns, das waren sie nie und das werden sie niemals sein.
    In der weltpolitischen Realität gab es innerhalb einer Abhängigkeit noch nie Freundschaft, sondern nur den Vasallenstatus, aber die meisten Deutschen leben in der Beziehung in einem Karl May Roman, aber nicht in der Wirklichkeit und das wird sich noch fürchterlich rächen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%