Kommentar zum Petersburger Wirtschaftsforum
Märchenstunde an der Newa

Sie verbreiten Wunschvorstellungen: In ihren Rede auf dem Peterburger Wirtschaftsforum klammern der russische Präsident Putin und der griechische Premier Tsipras die Realität völlig aus. Doch das stört die beiden nicht.
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Oh, wie schön ist Panama – so hat es der Kinderbuchautor Janosch aufgeschrieben. Streiche Panama und ersetze es durch Russland und Griechenland und schreibe statt Janosch dann Wladimir Putin und Alexis Tsipras. So lässt sich der Auftritt beider Politiker auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum zusammenfassen, als Märchenstunde fernab der Realität.

Für Tsipras etwa spielt Griechenland „die Rolle von Stabilität und Sicherheit“. Ausgerechnet sein Land sei „ein Knoten für Investitionen und Transport, ein Sprungbrett“. Und Präsident Putin spricht über Russland als dem Land von „Freiheit und Berechenbarkeit für Unternehmer“ – obwohl bis zuletzt weitreichende Verstaatlichungen stattgefunden haben sowie Verhaftungen von Unternehmern.

Beide Reden basieren auf weitgehender Realitätsverweigerung. So greift Tsipras, der gleich zu Beginn seiner Rede selbst danach fragt, „warum bin ich hier und nicht bei den Verhandlungen in Brüssel?“, die EU als alleinschuldig an: Die aktuelle Krise sei „nicht das Problem Griechenlands“, vielmehr müsse die EU „zurückfinden auf den Weg der deklarierten Werte: Solidarität, Fairness und soziale Gerechtigkeit“. Sein Land sei „in der Mitte des Taifuns“, so Griechenlands Premier, doch „wir haben keine Angst vor dem Sturm und dem Meer. Wir sind bereit in ein neues Meer zu segeln.“ Das hörte sich schon fast an wie eine Abschiedsrede auf den Euro.

„Die Sparmaßnahmen führen ins Nichts“, lehnte Tsipras erneut ein Einlenken seines Landes ab. „Wir sind nicht imstande, die alten Fehler weiter zu tragen. Wir brauchen eine neue Entscheidung“, verlangte Athens Regierungschef ein Einlenken der EU in der Euro-Grenze. Kompromissuche und das Wahrnehmen der Realität hört sich anders an.

Kommentare zu " Kommentar zum Petersburger Wirtschaftsforum : Märchenstunde an der Newa"

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  • @Siegfried Filla Vor wenigen Monaten hätte ich Ihnen zugestimmt. Inzwische sind so viele widersprüchliche Informationen aufgetaucht, wer alles legal und weniger legal von GR Krediten massiv profitiert hat, dass es einem übel aufstösst, wenn Grossanleger hohe Zinsbeträge aus dem armen Land ziehen, und wenn GR nicht zahlen kann, dann von uns europäischen Steuerzahlern abziehen, dass einem die Haare zu Berge stehen. Dazu liest man, dass der einfache Mensch in GR NICHTS von den Krediten profitiert. Die angeblich hohen Pensionen sind wohl Erfindungen von uns. Tsipras hat nun gar nichts mit der Vorgeschichte dieser Kredite zu tun.

  • Märchenstunde an der Newa.
    Märchenstunde in Brüssel.
    Welches Märchen ist schöner?

  • Brüggemann als Stimmungsjournalist fernab von jeder Realität.

    Russland nutzt die Sanktionen sehr geschickt um innovativ zu handeln und eigene Produktionen und Produktlinien zu optimieren und zu intensivieren.

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