Kommentar zum Terroranschlag in Tunis: IS-Gotteskrieger stehen vor Tunesiens Haustür

Kommentar zum Terroranschlag in Tunis
IS-Gotteskrieger stehen vor Tunesiens Haustür

Ein Anschlag in Tunis mit mehr als 20 Toten – unter ihnen viele Touristen – erschüttert die Welt. Dennoch darf Tunesiens Führung jetzt nicht die Nerven verlieren. Sonst sind alle Erfolge des Arabischen Frühlings passé.
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TunisTunesien war der Anfang des Arabischen Frühlings. „Würde, Freiheit, Arbeit“, lauteten im Januar 2011 die Ideale des Volksaufstands. Anders als Ägypten, Libyen, Jemen und Syrien hat die kleine Elf-Millionen-Nation ihren Weg in die Demokratie bisher ohne Bürgerkrieg und ohne Militärputsch gemeistert.

Die innere Polarisierung in ein säkulares und islamistisches Lager wurde immer wieder durch Kompromisse entschärft, eine Verfassung am Ende im Konsens verabschiedet. Die Menschen sind gebildet, die Zivilgesellschaft ist stark und gut entwickelt.

Auch die Terrorgruppen auf seinem Territorium schien das Land zuletzt immer besser in den Griff zu bekommen. 1500 Extremisten wurden festgenommen, zahlreiche Rekrutierungsbüros des „Islamischen Staates“ (IS) geschlossen und die Kontrolle über die meisten radikalen Moscheen zurückgewonnen.

Im vergangenen Oktober wählten die Bürger dann ihr erstes reguläres demokratisches Parlament, im Dezember bestimmten sie mit Beji Caid Essebsi das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt ihrer Geschichte. Nun jedoch droht der schreckliche Terroranschlag im Herzen von Tunis auch diese letzte Bastion der Hoffnung in den destruktiven Abwärtsstrudel der arabischen Welt hineinzuziehen.

IS-Gotteskrieger in Libyen stehen vor Tunesiens Haustür. Tausende junger Leute lassen von deren blutrünstiger Ideologie in den Bann ziehen, während daheim Arbeitslosigkeit, Armut und Misere wachsen. Für Tunesiens Führung wird es jetzt entscheidend darauf ankommen, trotz der schrecklichen Bluttat nicht die Nerven zu verlieren und besonnen zu reagieren.

Sonst könnte der Arabische Frühling ausgerechnet in Tunesien auch sein Ende finden.

Martin  Gehlen
Martin  Gehlen
/ Freier Journalist

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  • Die Islamisten wollen den "Gottesstaat" schaffen --- kompromisslos --- und wo er errichtet wird, werden Andersdenkende unterdrückt. Das Gegenmodell kann nur eine säkulare Diktatur sein, in der die Islamisten konsequent ausgeschaltet und verfolgt werden.
    Islamische Länder sind nicht wirklich zu "demokratisieren". Der Islam steht der Demokratie als Gesellschaftsmodell feindlich gegenüber, was auch in Europa in Erscheinung treten wird, wenn die Mehrheiten dereinst "stimmen". EURO-Islam ? Lachhaft !!
    Die Demokratie wird von den Islamisten lediglich als Vehikel zum "Gottesstaat" benutzt.
    Insofern stehen die Chancen der westlichen Demokratien schlecht, dieser Seuche Herr zu werden.
    Das Modell für Tunesien wird die Variante des "arabischen Frühlings" sein, wie sie von Herrn Sissi in Ägypten kreiert wurde, wenn Tunesien den "Gottesstaat" vermeiden will !!!

  • Wieder ein Zeichen des friedliches Islams, wie unsere Politiker uns täglich einhämmern und ihn auch in Deutschland haben wollen!!

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