Kommentar zur Griechenland-Krise
Am Ende gibt es nur Verlierer

Alexis Tsipras hat die Gläubiger erneut enttäuscht. Die Quittung ist eine echte Galgenfrist: Sonntag ist Ultimo für Griechenland. Liegt bis dahin kein überzeugendes Reformpaket vor, wird die EZB den Geldhahn zudrehen.
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BrüsselDie Euro-Zone hat Griechenland schon viele Termine gesetzt: Erst sollte Athen bis Ende Februar liefern, dann bis Ende April und schließlich bis Ende Juni. Griechenlands Premier Alexis Tsipras ließ alle Fristen verstreichen.

So auch am Dienstag: Wieder kamen die Finanzminister und die Regierungschefs der Euro-Zone vergeblich nach Brüssel. Wieder gab für sie nichts zu verhandeln. Ein neuer griechischer Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM lag nicht vor, griechische Vorschläge für Reformen und Einsparungen erst recht nicht.

Die Euro-Zone hat der Regierung in Athen daraufhin noch einmal mehr Zeit gegeben. Doch vieles spricht dafür, dass es dieses Mal eine echte Galgenfrist ist. Spätestens Donnerstag soll Tsipras vorschlagen, wie er sein Land in den kommenden zwei Jahren zu sanieren gedenkt. Am Sonntag kommen die Regierungschefs erneut in Brüssel zusammen, um darüber zu beraten – und um das griechische Schicksal zu besiegeln . Um es mit den Worten der Kanzlerin zu sagen: Am Sonntag gibt es keinen Beratungs-, sondern einen Entscheidungsgipfel.

Vor allem eine Bemerkung der deutschen Regierungschefin macht klar, dass es am Sonntag wirklich ernst wird. Angela Merkel wies daraufhin, dass EZB-Präsident Mario Draghi wieder dabei sein wird. Sie fügte hinzu, dass die europäische Bankenaufsicht bekanntlich bei der EZB angesiedelt ist. Die Bankenaufsicht hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Schließung insolventer Geldhäuser anzuordnen.

Genau das, so die implizite Botschaft der Kanzlerin, wird am Sonntag mit den vier großen griechischen Banken passieren – sofern dann immer noch keine Einigung auf ein neues Hilfsprogramm für Hellas möglich ist.

Alexis Tsipras muss das als Warnung verstehen: Wenn die EZB die großen griechischen Geldhäuser offiziell für zahlungsunfähig erklärt, dann ist es endgültig Aus und vorbei mit dem Euro für Griechenland. Denn dann muss Draghi die Versorgung der Geldhäuser mit Ela-Notkrediten sofort stoppen – und Griechenland wäre zur Einführung einer eigenen Währung gezwungen.

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  • Alexis Tsipras hat die Gläubiger erneut enttäuscht.
    Übersetzung: Wir sind toll. Ihr seid schon wieder scheiße.

  • Meine Prognose: Er will gar nicht. Er will den Grexit und Fortfall der Kontrollen, dabei freie Hand im eigenen Land. Das wird er erreichen. Und die ganze Eurogruppe nebst -Rat und dazu die Parlamentarier und Kommission stehen da wie begossene Pudel.

    In der Tat ein Bild für die Götter, die bekanntlich Griechen sein sollen.
    Besser konnte man diese Funktionärscamarilla kaum vorführen.
    Jedenfalls ist es so besser für alle Beteiligten - und sogar der Euro hat noch eine Galgenfrist von ein paar Wochen, vielleicht.

  • die EU soll eine Sekte sein?

    Das ist aber gaaaaaaaanz "rechts" , "unsolidarisch" und "uneuropäisch" - was fehlt noch?

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