Kommentar zur vertagten Eurogruppe
Die quälende Suche nach einem Kompromiss

Fortschritte brachte auch das zweite Treffen der EU-Finanzminister in dieser Woche nicht. Alexis Tsipras plant offenbar Gespräche auf Chefebene. Die Zeit wird knapp auf der Suche nach einer Lösung der Griechenland-Krise.
  • 16

BrüsselSeinem Wesen nach ist der Kompromiss eine Einigung, auf die sich zwei Verhandlungspartner verständigen. Deshalb kann es weder einen guten Kompromiss geben, noch einen schlechten. Der Blick darauf ist entscheidend. Ob sich ein Kompromiss allerdings als tragfähig erweist, das steht auf einem anderen Blatt.

Griechenland und seine Geldgeber machen es sich nicht leicht, eine möglichst tragfähige Einigung für das vor der Staatspleite stehende Land hinzubekommen. Das zweite Treffen der Euro-Finanzminister in dieser Woche wurde am Mittwochabend nach durchschnittlicher Spielfilmlänge auf Donnerstagmittag vertagt - zu groß waren nach wie vor die Dissonanzen.

Was sich derzeit in Brüssel abspielt, gleicht einem Ritt auf der Rasierklinge. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras strebt offenbar Verhandlungen mit den Staats- und Regierungschefs an, die sich an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel treffen. Zwar stehen mit Einwanderungs- und Sicherheitspolitik zwei äußerst wichtige Themen für die gesamte EU auf der Agenda.

Doch die Causa Griechenland droht wieder einmal alles andere zu überlagern. Die Hellenen setzen offenbar darauf, dass sie bei den Verhandlungen auf Ebene der Chefs mehr für sich herausholen können, als in den Gesprächen mit EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds. Tatsächlich lehnt Athen wohl vor allem die von den Geldgebern geforderten vorrangigen Sofortmaßnahmen ab.

Die Gläubiger verlangen von der griechischen Regierung, dass sie einige Reformen durch das Parlament bringt, bevor die letzten 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden zweiten Hilfsprogramm ausgezahlt werden können. Und insgesamt ist den Geldgebern der Anteil der Sparmaßnahmen am Griechen-Paket offenbar einfach zu klein. Als nicht akzeptabel weisen sie auch die Athener Forderung zurück, Schulden auf den ESM-Rettungsschirm umzuschichten.

Seite 1:

Die quälende Suche nach einem Kompromiss

Seite 2:

Schluss mit Schlendrian

Kommentare zu " Kommentar zur vertagten Eurogruppe: Die quälende Suche nach einem Kompromiss"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ""Ab dem 1. Juli seid Ihr auf Euch alleine gestellt". Griechischen Medienberichten zufolge haben das die Gläubiger zu Regierungschef Tsipras gesagt". Sollte diese Meldung zutreffend sein und die Hinhaltetaktik der Gläubiger scheint da zu bestätigen, dann dürfen wir ja erwartungsfroh gespannt sein...
    Der Sprung des Dax heute früh dürfte dann aber auch nur von kurzer Dauer sein, denn bei einem Grexit gehe ich von mind. 1000 Punkten in Richtung Süden aus

  • Es wird vermutlich einen Kompromiss geben, dieser wird ein Fauler für die gläubiger sein. Sofern man sich auf Massnahmen verständigt, werden diese sowieso nicht umgesetzt. Sofern sich Neuwahlen abzeichnen, beginnt mit einer neuen Regierung das Spiel vorn vorne.

    Lasst sie endlich ziehen, davon geht die Welt nicht unter.

  • Ich nehme an wir sind uns einig, dass dieses System seinen Zenit überschritten hat, bzw. sich in der 2. Hälfte seiner Existenz befindet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%