Kommentar zur Wahl

Eine Chance für die Ukraine

Wahlen in Kriegszeiten: Die große Mehrheit in der Ukraine hat demokratische Parteien gewählt und nicht die Scharfmacher. Das ist beeindruckend. Nun muss der Westen helfen – finanziell und auch durch Perspektiven.
43 Kommentare
Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.

StockholmKriegsmüde und der Korruption überdrüssig haben die Ukrainer am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Obwohl das amtliche Endergebnis noch nicht vorliegt, ist eines sicher: Die prowestlichen Kräfte haben ein klaren Sieg errungen und die rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Kräfte in die Schranken verwiesen. Ob das aber reicht, dem vom blutigen Konflikt mit Russland geschundenen Land den langerhofften Frieden zu bringen, ist noch unklar.

Der Block Poroschenko des prowestlichen Präsidenten Petro Poroschenko hat zwar die prognostizierten 30 Prozent der Stimmen nicht erreicht, ist aber mit rund 23 Prozent klarer Wahlsieger. Der bisherige Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk landete mit seiner Volksfront knapp dahinter.

Das gute Abschneiden des Bürgermeisters von Lviv, Andrij Sadowyj, hatte sich bereits in den letzten Tagen abgezeichnet: Seine liberale Partei Selbsthilfe kam mit 13 Prozent der Stimmen auf den dritten Platz. Damit werden die prowestlichen Parteien in der Obersten Rada, dem Parlament in Kiew, die Mehrheit stellen, möglicherweise sogar die für Verfassungsänderungen notwendige Zweidrittel-Mehrheit erreichen.

Auch wenn Präsident Poroschenko auf mehr Stimmen gehofft hatte, darf er zufrieden sein: Einige der rechtsradikalen Kräfte ziehen zwar ins Parlament ein, können aber angesichts der überwältigenden Mehrheit der prowestlichen Parteien wenig ausrichten. Das ist gut für ein Land, das sich zuletzt immer häufiger dem Vorwurf ausgesetzt sah, ein Sammelbecken für nationalistische und rechtsradikale Kräfte zu sein.

Es ist beeindruckend, dass die große Mehrheit der Bevölkerung den demokratischen Parteien ihre Stimme gegeben hat. Bemerkenswert deshalb, weil die Ukraine ein Land im Krieg ist, die Wirtschaft nahezu komplett am Boden liegt und trotzdem die Scharfmacher und Nationalisten wenn nicht ganz, dann aber doch größtenteils deutlich in abgestraft worden sind. In vielen anderen Ländern hätten Populisten angesichts der katastrophalen Lage ein leichtes Spiel gehabt.

Präsident Poroschenko braucht nun e norme Anstrengungen, um die wirtschaftlich völlig am Boden liegende Ukraine wieder aufzurichten. Quelle: ap

Präsident Poroschenko braucht nun enorme Anstrengungen, um die wirtschaftlich völlig am Boden liegende Ukraine wieder aufzurichten.

(Foto: ap)

Und noch etwas: Das Wahlergebnis ist auch mehr als ein lautstarkes „Njet“ zu den Vorwürfen Moskau, in Kiew würde eine faschistische Junta regieren. Nein, das Argument, mit dem ein auf der Krim offener, in der Ostukraine verdeckter Einsatz russischer Militärs durchgeführt wird, zieht nicht mehr. Auch in einer äußerst schwierigen Situation hat die große Mehrheit der Ukrainer bewiesen, dass sie weiter an den Rechtsstaat und die Demokratie glaubt, dass sie sich weiter Europa zu- und von Moskau abwenden will.

Jetzt die EU-Tür zuzuschlagen wäre verantwortungslos
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Kommentar zur Wahl - Eine Chance für die Ukraine

43 Kommentare zu "Kommentar zur Wahl: Eine Chance für die Ukraine"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • >> Eine Chance für die Ukraine
    >>

    Hier liegt die Chance des Schurkenstaates :

    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58975

  • Ach, seit wann gibt es denn einen "russischen" Kontinent?

  • @ Herr otto r. kristek

    >> putin könnte die derzeitige schwäche der bundeswehr genau so ausnutzen
    >>

    Weder Deutschland noch die NATO hat militärisch einen Hauch einer Chance gegen die Russen in Europa !

    Die Russen verfügen alleine über 20.000 Panzern, die schnell Richtung Westen bei einem Militärkonflikt unterwegs sind.

    Die 6.000 NATO-Panzern werden wohl kaum dagegen halten können.

    Wenn es in Europa zu einem Militärschlag kommt, ist Deutschland wegen der AMI-Militärstützpunkte auf deutschem Boden als Erstes Land ausgelöscht !

    Die "Iskanders" der Russen sind schon längst in Position !

    http://de.wikipedia.org/wiki/Iskander_(Rakete)

    Deswegen schwafeln Sie keinen NONSENS !

  • @ Leon Krausnick

    >> Das ist doch soooo ein alter Hut...Weil Fragmentationssprengköpfe wie bei der BUK eben das Ziel durchsieben? LOL >>

    Das stimmt. Eine Buk durchsiebt sein Ziel......wäre eine Buk im Spiel, hätte man Wrackteile in den gefundenen Größen NIE gefunden.

    Und die Buk durchsiebt sein Ziel IMMER NUR IN EINER RICHTUNG.....die Splitter einer Buk-Rakete schlagen NICHT ein und fliegen dann zurück, um NOCHMALS einzuschlagen.

    Und die Aufständischen hatten weder eine Buk ( Bestehend aus 8 verschiedenen mobilen Teilen ) noch das Know-How für Umgang damit. Die Buk wird vom Personal bedient, die eine mehrjährige Ausbildung abverlangt.

    Und dann fehlt auch noch ganz einfach das Motiv bei den Aufständischen, eine Boeing abzuschiessen !

    Dieses Motiv hatten aber die Amis und die Junta.....um die Russen und die Aufständischen zu diskreditieren.
    Nun ging dieser Schuß vollends daneben.

    Die Boeing haben die Junta-Mörder mittels Militärjets und Bordkanonen vom Himmel geholt. Die Einschüsse der 30 mm Kanonen sprechen ihre Sprache.

  • ...wenn ich als ukrainischer Wähler wüßte, das in den kommenden Jahren / Jahrzehnten die Gasrechnung sowieso und die Staatsschulden zum großen Teil von der EU und hier wiederum mit dem größten Anteil vom deutschen Steuerzahler übernommen wird, dann hätte ich auch "pro-europäisch" abgestimmt.

    Die Kanzler-Darstellerin Merkel hat ja die ersten 500 Mio. EUR - getarnt als "Bürgschaft" - jedoch faktisch unwiderbringlich rüber gewunken.

  • Auch Krausnick, was ist die Welt doch schön, wenn man nicht selbständig denken kann und nach dem Propagandagetrommel tanzt. Herzlichen Glückwunsch! Solche Leute brauchen wir unbedingt. Das sag nicht ich... aber raten Sie mal, wer!!
    Entsetzlich!

  • Horst Schmidt,
    absolute Zustimmung.
    Die Ukraine liegt auf dem russ. Kontinent und da hben wir nichts zu suchen

  • "...Herr Krausnick, sie springen von einem Baum auf das Andere..."

    Affen machen das auch. Das klärt einiges ...

  • @Krausnick: Wieso schreiben Sie jetzt unter einem anderen Namen Herr Weißenfels?

  • Und Sie Herr Krausnick, ihr echter Name wird anders sein, werden sich mit Ihren Bemerkungen hier wohl ein Denkmal für Blödheit setzen wollen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%