Kommentare zu Münteferings Äußerungen
Ausland lehnt Kapitalismuskritik ab

Mit zeitlicher Verzögerung registriert nun auch das Ausland die kapitalkritischen Töne des deutschen SPD-Chefs. Franz Münteferings Attacken stoßen dabei auf Unverständnis, Kopfschütteln und Abscheu. So fällt es etwa dem britischen „Economist“ schwer, beim Heuschrecken-Vergleich „nicht an die Nazi-Propaganda gegen ,soziale Parasiten’ erinnert zu werden“.

HB LONDON/NEW YORK/MADRID. Müntefering hatte Finanzinvestoren mit den biblischen Heuschrecken verglichen, die über Unternehmen herfielen und sie abgrasten. Vielleicht müsse Deutschland aber durch eine solche Phase gehen, „um letztlich zu verstehen, dass sein Wirtschaftsmodell seine besten Jahre hinter sich hat“, spekuliert das Magazin.

Man könnte glauben, „Karl Marx sei aus dem Grab wieder auferstanden“, kommentiert die US-amerikanische „Newsweek“. Von New York aus unterscheidet man auch nicht zwischen SPD-Chef und Kanzler: Gerhard Schröders neue marxistische Rhetorik, so Newsweek weiter, sei nicht nur dem verzweifelten NRW-Wahlkampf geschuldet, sondern solle die Wiederwahl 2006 vorbereiten. Dabei setze der Kanzler auf eine „weit verbreitete Angst unter den Deutschen vor den ,gesichtslosen’ Mächten der Ökonomie.

Die britische „Financial Times“ geißelt Münteferings Kritik als „dreist und dumm“. Angesichts der Alternativen in der EU sei nicht zu erwarten, dass Investoren in einem solch „politisch vergifteten Klima“ investierten. Der durchschnittliche Sozialdemokrat hasse den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, weil dessen Gehalt zunehme, während sein eigenes sinke, schreibt die vor allem an der Londoner Börse sehr einflussreiche Zeitung.

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