Leihmutter: Das Geschäft mit dem Frauenbauch

Kommerzielle Leihmutterschaft in Asien
Das Geschäft mit dem Frauenbauch

Kinderwunsch auf Rechnung: Immer mehr Staaten gehen gegen die kommerzielle Leihmutterschaft vor. Doch die Branche wandert einfach immer weiter. Die wohl größten Baby-Fabrik der Welt steht vor dem Aus. Ein Ortsbesuch.
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AnandIn der Lobby der Akanksha-Klinik strahlt die Sonne auf blank geputzte Fliesen. Doch dorthin, wo das Leben heranreift, kommt nur wenig Licht. Durch ein dunkles Treppenhaus geht es hinunter in das wahre Zentrum der Klinik.

Rund 25 Frauen leben hier unten, sie verbringen ihre langen Tage in einem karg eingerichteten Gemeinschaftsraum, der an eine Jugendherberge erinnert. Zur Mittagszeit tratschen die Frauen und essen Gemüse mit Reis. Aber was nach einem gemütlichen Treffen aussieht, nennen die Frauen Arbeit – sie alle sind schwanger und tragen ein Kind aus, das nicht ihres ist. Viele nennen die Klinik deswegen auch: die Baby-Fabrik.

Anand im nordwestlichen Bundesstaat Gujarat ist das Zentrum der indischen Leihmutter-Industrie. Hunderte Frauen verdienen in der Region mit dem Austragen von Babys ihr Geld, allein in der Akanksha-Klinik sind bereits mehr als 1200 Kinder geboren worden. Die wohl größte Leihmutter-Klinik gilt als Aushängeschild der Branche und Klinik-Chefin Nayana Patel als eine der prominentesten Verfechterinnen der kommerziellen Leihmutterschaft. Dass arme Frauen vom Land reichen Städtern den Kinderwunsch erfüllen, nennt sie eine „Win-Win-Situation”.

Derzeit kämpft Patel ihre vielleicht letzte Schlacht. Denn im indischen Parlament beraten die Abgeordneten über ein Gesetz, das die kommerzielle Leihmutterschaft in Indien komplett verbieten würde. Es wäre eine Zäsur: Mehrere tausend Leihmutter-Kliniken bieten in Indien ihre Dienstleistung an. Der Umsatz der Branche lag einst bei rund zwei Milliarden Euro. Zwar dürfen ausländische Paare seit Kurzem keine Leihmütter mehr in Indien in Anspruch nehmen, doch immerhin blieben noch Inder als große Kundengruppe erhalten. „Kommt das Gesetz in seiner jetzigen Form, würden Kliniken endgültig schließen und ins Ausland abwandern”, sagt Patel. „Oder einfach im Geheimen weiter operieren.”

Wieder einmal steht die globale Leihmutter-Industrie vor einem Umbruch und wieder einmal wird die Branche wohl einfach weiter wandern: Das Austragen von Kindern ist in der globalisierten Weltwirtschaft zu einer Dienstleistung geworden, und in den Schwellenländern bleibt das Angebot dieser Dienstleistung nahezu unerschöpflich – trotz zahlreicher Gesetzesverschärfungen. „Die gesamte Branche ist im Umbruch, aber sie verschwindet nicht”, sagt Sam Everingham, Global Director der Beratungsorganisation „Family through Surrogacy“.

Gleich mehrere Regierungen waren in der jüngsten Vergangenheit nach Skandalen gegen die kommerzielle Leihmutterschaft vorgegangen: Die thailändische Junta verbot die kommerzielle Nutzung der Reproduktionstechnik, nachdem 2014 ein japanischer Millionär rund ein Dutzend Leihmutter-Kinder in Auftrag gegeben hatte und ein australisches Pärchen sich weigerte, ein mit Down-Syndrom geborenes Baby mit nach Hause zu nehmen. Fast zeitgleich verschärften auch die indischen Behörden die Gesetze und untersagten Leihmutterschaften für Ausländer.

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