Kommission untersucht nach Wahl Manipulationsvorwürfe
Schröder weist Kritik an Afghanistan-Besuch zurück

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich in Kabul zum Abschluss seiner sechstägigen Asienreise gegen Kritik an seinem Kurzbesuch gewehrt. Mehrere Präsidentschaftskandidaten hatten die Schröder-Visite nur zwei Tage nach der Wahl als Parteinahme für den Favoriten, Präsident Hamid Karsai, bemängelt.

cr DÜSSELDORF. „Ich sehe nun überhaupt nicht, wie man das kritisieren kann,“ sagte Schröder in Kabul. Er habe zeigen wollen, dass die Abstimmung ein „ganz wichtiger Meilenstein in der Entwicklung Afghanistans ist“.

Er rechne fest mit einem Sieg Karsais, „und zwar in der ersten Runde“, sagte Schröder. Der Kanzler würdigte die Wahl als „historischen Durchbruch“ und kündigte dem kriegszerstörten Land weitere Hilfe an. Als historischen Meilenstein bezeichneten auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana die Wahl. Der demokratische Prozess müsse nun durch die im Frühjahr geplanten Parlamentswahlen vorangetrieben werden, sagte die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek- Zeul.

Bei einem Besuch in „Camp Warehouse“, dem Feldlager der internationalen Friedenstruppe Isaf, sagte Schröder, der Truppen-Einsatz sei noch etliche Zeit nötig. Der Kanzler würdigte den Einsatz deutscher Soldaten, die insgesamt knapp 2 000 der fast 9 000 Soldaten des Isaf-Kontingents stellen (siehe „Der Kanzler, der sich nach Kabul traut“). Auch Karsai bedankte sich für die „massive deutsche Hilfe“.

Mit der Auszählung der Wahl kann nach Angaben der Wahlkommission frühestens am Mittwoch begonnen werden. Die unabhängige Kommission zur Überprüfung von etwaigen Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung forderte die Gegenkandidaten von Karsai am Montag eindringlich auf, ihren angedrohten Boykott aufzugeben. Die 15 Bewerber um das Präsidentenamt hatten zunächst gedroht, die Wahl nicht anzuerkennen, weil in mehreren Wahllokalen eine nicht fälschungssichere Tinte zur Markierung der Stimmabgabe verwendet worden war. Die am Sonntag bekannt gegebene Einrichtung einer Untersuchungskommission war eine schnelle Reaktion der Vereinten Nationen und der afghanischen Behörden auf die Manipulationsvorwürfe. Dem Gremien gehören internationale Experten und Afghanen an. Der Vorsitzende der Wahlkommission, Faruk Wardak, erklärte, es habe einige technische Probleme gegeben. Insgesamt sei die Wahl aber ordnungsgemäß verlaufen.

Nach Uno-Angaben soll zunächst die Anzahl der abgegebenen Stimmzettel mit der Zahl der Wahlberechtigten des jeweiligen Bezirks abgeglichen werden. Dann sollen die Stimmzettel vermischt werden, weil die Ergebnisse einzelner Regionen geheim bleiben sollen. Erst danach beginnt Auszählung. Das Ergebnis wird Ende Oktober erwartet.

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