Kommission warnt vor dramatischer Aufholjagd in Asien
China holt EU bei Forschung bald ein

Die Europäische Union läuft Gefahr, bei den Forschungsausgaben in wenigen Jahren von China überflügelt zu werden. EU-Industriekommissar Günter Verheugen warnte vor einer „dramatischen Aufholjagd“ in Ländern wie China und Indien, welche die Wettbewerbsfähigkeit der EU im Bereich der Spitzentechnologie bedrohe.

BRÜSSEL. Forschungskommissar Janez Potocnik ergänzte, die Entwicklung der Forschungsausgaben in Europa sei „nicht sehr vielversprechend“. Die EU sei weit von ihrem Ziel entfernt, bis zum Jahr 2010 drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Forschung zu investieren.

Nach Berechnungen der Brüsseler Behörde wird der Anteil der öffentlichen und privaten Forschungsinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt ab 2010 in China höher sein als in der EU, wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt. Denn während die Zuwachsraten in den 25 EU-Ländern zuletzt zusammengenommen nur 0,2 Prozent pro Jahr betrugen, liegen sie in China bei 20 Prozent. Auch der Innovationsrückstand der EU gegenüber den USA habe sich nicht verringert, warnte Verheugen. 2003 investierte die EU ein Viertel weniger in die Forschung als die USA (siehe Grafik). Die Brüsseler Kommission fürchtet, dass dieses Defizit mittelfristig viele Arbeitsplätze in Europa bedroht. Nur mit höheren Investitionen in Wissen werde die EU ihren Lebensstandard halten können, sagte Potocnik.

Der Forschungsrückstand beunruhigt auch die Wissenschaft. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, warnte: „Es geht so nicht weiter.“ Die EU sei von ihrem Ziel, im Jahr 2010 technologisch an die Weltspitze zu gelangen, weit entfernt. „Statt dessen werden wir zusätzliche Wettbewerber erhalten, denn China und Indien geraten in absehbarer Zeit auf den gleichen Stand“, sagte Winnacker dem Handelsblatt. Die EU müsse gewaltige Summen investieren, wenn sie bei dem weltweiten Wettlauf um die besten Forschungsstandorte mithalten und technologisch nicht zurückfallen wolle.

Doch die Forschungsausgaben in Europa stagnieren und Besserung ist nicht in Sicht. So wollen die nationalen Regierungen das geplante Forschungsbudget der EU-Kommission für die Jahre 2007 bis 2013 in Höhe von 100 Mrd. Euro um 30 Prozent kürzen. Es betrüge dann knapp neun Prozent des EU-Haushalts, während die Ausgaben für die Landwirtschaft bei etwa 40 Prozent liegen sollen.

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