Kommunalwahlen in Belgien
Drohender Dammbruch

Bei der Kommunalwahl in Belgien könnten die Rechtsextremen von Vlaams Belang am Sonntag die absolute Mehrheit holen. Deren Chef Filip Dewinter ist salonfähig geworden. Eine Handelsblatt-Reportage.

ANTWERPEN. Eine, zwei, fünf Minuten lang „Standing Ovations“. Filip Dewinter steht auf der Bühne des Theaters von Antwerpen und lächelt. Dann reißt er die Arme in die Höhe. Die gut tausend Anhänger skandieren seinen Namen und schwenken die gelbe Flandernfahne mit dem schwarzen Löwen. Einen Moment noch genießt er den Jubel. Dann bringt Dewinter die Menge mit einer Armbewegung zum Schweigen und setzt zu seiner Rede an.

Eigentlich ist es nur ein ganz einfacher Parteikongress. Eigentlich finden am Sonntag in Belgien nur Kommunalwahlen statt. Eigentlich ist das nicht der Rede wert.

Aber in Antwerpen ist das anders. Nach jüngsten Umfragen kommt die rechtsextreme Partei Vlaams Belang von Filip Dewinter auf rund 38 Prozent der Stimmen und ist damit bei weitem die stärkste Partei in Belgiens zweitgrößter Stadt. Die könnte bald von einem Bürgermeister regiert werden, der nichteuropäische Einwanderer vertreiben und Flandern von Belgien abtrennen will.

„Mathematisch gesehen, wäre es möglich. Der Vlaams Belang könnte die absolute Mehrheit erreichen“, sagt der Lütticher Politikwissenschaftler Jerôme Jamain, der sich seit Jahren mit der rechtsextremen Partei in Belgien beschäftigt. Vlaams Belang ist die Nachfolgerin des Vlaams Blok, der 2004 wegen rassistischer Äußerungen verboten wurde.

20 Jahre lang war Dewinter in der Opposition. Nun kommt seine Partei in einigen Stadtteilen auf knapp 50 Prozent der Stimmen. Das macht selbstbewusst. „Wir sind die stärkste Partei in Flandern. Wir haben ein Recht aufs Regieren. Alles andere ist undemokratisch“, ruft Dewinter seinen Anhängern im Theater zu.

Stark macht den Vlaams Belang auch die Schwäche der gemäßigten Parteien. Bisher hatten sie sich zum so genannten „Cordon sanitaire“ zusammengeschlossen. Die Vereinbarung verbietet jede Zusammenarbeit mit den Rechtsextremen.

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