Kommunistisches Land verweigert sich weiteren Gesprächen
Nordkorea räumt Besitz von Atomwaffen ein

Nordkorea hat nach eigenen Angaben Atomwaffen zur Selbstverteidigung produziert. Das Land habe Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Donnerstag einen Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums.

HB SEOUL/LUXEMBURG. Ein Außenamtssprecher in Pjöngjang sagte laut KCNA: „Wir haben Nuklearwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt, um der immer unverhohleneren Politik der Bush-Regierung etwas entgegenzusetzen, die die Demokratische Volksrepublik Korea isolieren und in die Knie zwingen will.“

Zugleich kündigte der Sprecher an, dass Nordkorea die Teilnahme an den Sechs-Länder-Gesprächen über eine Beendigung seines Atomprogramms „auf unbestimmte Zeit“ aussetze. Als Grund nannte das Ministerium die jüngsten Äußerungen der neuen US-Außenministerin Condoleezza Rice, die das Land zusammen mit fünf anderen autoritären Staaten als „Vorposten der Tyrannei“ bezeichnet hatte.

Rice warnte Pjöngjang unterdessen davor, sich mit der Entwicklung der Waffen weiter zu isolieren. Bei einem Besuch der EU in Luxemburg forderte sie Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogramms auf. Sie fügte jedoch hinzu: „Es gibt keine Absicht der USA, Nordkorea zu besetzen oder anzugreifen.“ UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte Nordkorea während eines Besuchs in London zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Besorgt zeigten sich auch Südkorea, Frankreich, Russland, Deutschland und Großbritannien. China äußerte sich zunächst nicht.

Die USA gehen bereits seit längerem davon aus, dass das kommunistische Land einige Atomwaffen hat. Im vergangenen September hatte der stellvertretende nordkoreanische Außenminister Choe Su Hon vor Ministern der UN-Generalversammlung gesagt, sein Land habe bereits waffentaugliches Plutonium zum Bau von Atomwaffen verwendet. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben Nordkoreas ist nicht möglich, seitdem das Land keine Inspektionen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) mehr zulässt.

Den USA warf Nordkorea erneut vor, durch eine „feindselige Politik“ eine ernste Situation herbeigeführt zu haben und das Land mit einer „nuklearen Rute“ zu bedrohen. „Dies zwingt uns zum Ausbau des Atomwaffenarsenals, um die Ideologie, das System, die Freiheit und die von den Nordkoreanern gewählte Demokratie zu schützen.“

In der KCNA-Erklärung wurde eine Teilnahme an den Gesprächen mit den USA, China, Südkorea, Russland und Japan nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Nordkorea stehe zu seiner Haltung, „das Problem durch Dialog und Verhandlungen zu lösen“, und zu seinem endgültigen Ziel einer atomwaffenfreien koreanische Halbinsel. Die Sechsergespräche sind bisher ohne einen Durchbruch geblieben.

Südkorea bedauerte die Erklärung Nordkoreas über den Besitz eigener Atomwaffen. Das Außenministerium wiederholte den Standpunkt der Regierung in Seoul, keine Atomwaffen in Nordkorea tolerieren zu wollen. Ein Ministeriumssprecher sagte, dass die Sechsergespräche unverzüglich wieder aufgenommen werden müssten.

Bundesaußenminister Joschka Fischer erklärte bei einem Besuch in Malaysia, Pjöngjang müsse alles unterlassen, was zu einer weiteren Eskalation führen könnte. Bundesverteidigungsminister Peter Struck sagte bei einer NATO-Konferenz in Nizza: „Das ist natürlich eine ernsthafte Situation. Aber es ist auch eine Situation, die auf diplomatischem Wege gelöst werden kann.“ Großbritanniens Außenminister Jack Straw sprach von einem „Fehler“ Nordkoreas.

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