Kompetenzwirrwarr und Unvermögen bringen russische Inlandsgeheimdienste um ihren Ruf
Ohrfeige für Putins Sicherheitskräfte

„Uns ist der Krieg erklärt worden, aber der Feind hat keine klare Front.“ Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow sieht eine Terrorwelle über das Land hereinbrechen: „Es herrscht Krieg. Das war nicht der erste Terroranschlag, und es wird auch nicht der letzte sein“, sagte er am Dienstag mit Hinweis auf den Bombenanschlag vor einem Moskauer U-Bahnhof am Dienstagabend und die Geiselnahme am Mittwoch in einer Schule im Nordkaukasus.

MOSKAU. Attentäter hatten am Morgen das Gebäude gestürmt und am landesweiten Tag des Schulanfangs bis zu 400 Schüler, Lehrer und Eltern als Geiseln genommen. Präsident Wladimir Putin brach seinen Urlaub am Schwarzen Meer ab, um sich in Moskau mit den Chefs seiner Sicherheitsdienste zu beraten. Er schickte den Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolaj Patruschew, nach Nord-Ossetien, um die Geiselbefreiung zu koordinieren.

Die Serie von Bombenanschlägen und Geiselnahmen sind eine Ohrfeige für Putins Sicherheitsdienste: Der russische Präsident hatte die von seinem Vorgänger Boris Jelzin verfügte Aufspaltung der Geheimdienste weitgehend rückgängig gemacht. Der frühere KGB- Spion stattete zudem seine Sicherheitsdienste massiv mit Geld und Personal aus und räumte ihnen weitreichende juristische und politische Vollmachten ein. Für Armee und Sicherheitsdienste ist im Etat eine Mittelaufstockung um fast ein Drittel vorgesehen. Zudem sind die Schlüsselposten der Chefs des Verteidigungsministeriums und des FSB mit engen Vertrauten Putins besetzt.

Dennoch konnten die Behörden bislang nur einen einzigen Bombenanschlag vereiteln. Ansonsten hinken sie sogar den Medien hinterher: So hatte die „Iswestija“ bereits am Montag von vier tschetschenischen Selbstmordattentäterinnen berichtet, die nach Moskau gekommen waren. Zwei von ihnen hatten sich vor gut einer Woche in zwei aus Moskau gestarteten Flugzeugen in die Luft gesprengt und 88 Passagiere und Besatzungsmitglieder mit in den Tod gerissen. Direkt nach dem Absturz hielt der FSB einen Terroranschlag noch für unwahrscheinlich. Als am Dienstagabend sich offenbar eine weitere der zwei in Moskau verbliebenen „Dschahidys“ (Märtyrerinnen im islamischen Dschihad) vor einer U-Bahn-Station in die Luft sprengte, räumte der Geheimdienst eine Anschlagsserie ein.

Seite 1:

Ohrfeige für Putins Sicherheitskräfte

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%