Kompromiss Russland – Ukraine
Entwarnung beim Gaspreis

Der Gasfriede zwischen Russland und der Ukraine ist auch mit höheren Durchleitungsgebühren für Gaslieferungen Richtung Westen erkauft worden. Für die Verbraucher besteht aber wohl kein Anlass zur Sorge, dass sie künftig stärker zur Kasse gebeten werden.

HB FRANKFURT. Für die deutschen Gaskunden beispielsweise habe der Kompromiss überhaupt keine Folgen, heißt es aus der Analystenabteilung der Commerzbank. Zwischen Russland und Deutschland gebe es feste Verträge, die in der Regel Laufzeiten von etwa 30 Jahren haben. „Und neue Verhandlungen stehen derzeit nicht zur Debatte“, sagte eine Analystin.

Außerdem gebe es bei den Gaspreisen die so genannte „Ölpreisbindung“, erläuterte Analyst Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. „Auch wenn alle auf die gesetzlich verankerte Koppelung des Preises für Erdgas an die Ölpreise schimpfen, hat sich die Preisbindung ausnahmsweise als nützlich erwiesen“, sagte der Experte.

Was genau ist Ölpreisbindung? Lesen Sie es im neuen Handelsblatt-Wirtschaftswiki nach – und wenn Ihnen die Erklärung nicht ausreicht, ergänzen und verbessern Sie sie:
» Ölpreisbindung im Wirtschaftswiki.

Die Einigung sei für die Ukraine „ein ganz passabler Kompromiss“, sagte Frondel. Künftig wird laut Energieversorger Gazprom russisches Gas zu einem Preis von 230 Dollar (195 Euro) an einen Zwischenhändler verkauft. Diese Firma, die zum Teil Gazprom selbst gehört, mischt das russische Gas gemeinsam mit billigerem Gas aus Zentralasien, so dass für die Ukraine ein Preis von 95 Dollar herauskommt. Bislang zahlte die Ukraine 50 Dollar an Russland.

Im Gegenzug erhält die Ukraine für den Transit von russischem Gas durch ukrainische Pipelines in Richtung West- und Mitteleuropa 1,60 Dollar statt bisher 1,09 Dollar für 1000 Kubikmeter je 100 Kilometer Strecke. Dies hatte Befürchtungen ausgelöst, die europäischen Endkunden könnten letztlich für den Gasfrieden zahlen.

Die in Deutschland entbrannte Debatte um die künftige Energieversorgung des Landes halten die Experten für wenig hilfreich. „Hier eine generelle Energiedebatte loszutreten ist zu undifferenziert“, hieß es von der Commerzbank. So betrage der Gasanteil an der Stromversorgung nur zehn Prozent. Wegen des russischen Gaslieferstopps hatte beispielsweise Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) für Energiequellen wie Steinkohle und Atomkraft plädiert. Der Gaskonflikt gebe Anlass, „grundsätzlich darüber nachzudenken, wie wir unsere Energieversorgung längerfristig stärker mit in Deutschland verfügbaren Energiequellen sicherstellen können“, sagte Glos als Reaktion auf die Einigung.

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