Konflik um Inselgruppe
Japan gibt nach im Streit mit China

Der Konflikt zwischen Japan und China, ausgelöst durch die Festnahme eines chinesischen Fischerboot-Kapitän durch die japanische Küstenwache, könnte bald beendet sein. Der Mann wurde aus der Haft entlassen. Zuvor hatte China vier japanische Mitarbeiter der Firma Fujita festgesetzt.
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TOKIO. Damit gibt Japan im Territorialstreit mit China offenbar nach. Die Entlassung des chinesischen Kapitäns meldeten die japanische Internet-Zeitung "Nikkei.com" und der Fernsehensender NHK. Zuvor hatten die chinesischen Behörden vier Japaner festgenommen. Die Männer sollen angeblich illegaler Weise Militäreinrichtungen gefilmt haben. Nach Aussagen von Japans Chef-Staatssekretär Yoshito Sengoku seien die vier Männer in Shijiazhuang verhaftet worden, in Chinas Provinz Hebei. Nach Angaben des Sprechers von Fujita seien die Konzernmitarbeiter ausschließlich in geschäftlicher Angelegenheit unterwegs gewesen. Fujita ist eine Baufirma, die nach eigenen Angaben um einen Auftrag zur Errichtung einer Anlage buhlt, mit deren Hilfe eine Fabrik für chemische Waffen vernichtet werden soll. Die Fabrik hatten die japanischen Besatzer nach dem zweiten Weltkrieg in China zurückgelassen.

"Wir versuchen, die Details zu klären, aber China hat uns informiert, dass eine Untersuchung gegen die vier Japaner eingeleitet ist", sagte Sengoku in Tokio. "Wir glauben nicht, dass das in Verbindung steht mit dem Problem um die Senkaku Inseln." Der verhaftete chinesische Kapitän hatte laut Angaben der japanischen Regierung in einem Gebiet rund um die Inselgruppe Senkaku, von China Diaoyu genannt, gefischt. Dieses Territorium ist Mittelpunkt eines seit langem andauernden Streit zwischen drei Ländern. Die Inseln werden zwar von Japan verwaltet, China und Taiwan reklamieren das Gebiet aber für sich.

Dabei spielen wirtschaftliche Interessen eine große Rolle. Die Gewässer gelten als sehr fischreich, zudem werden dort reiche Gas- und Ölvorkommen vermutet. Nachdem Japan die Haft des Kapitäns vor wenigen Tagen verlängerte, hatte Chinas Premier Wen Jiabao mit harten Vergeltungsmaßnahmen gedroht, sollte der Fischer - was nun offenbar geschehen ist - nicht sofort freigelassen werden. Jiabao wiederholte die Drohungen gestern auf der UN-Vollversammlung in New York. Einen Medien-Bericht, dass China Ausfuhren von seltenen Erden wie etwa Lithium an Japan gestoppt habe, dementierte die chinesische Regierung hingegen. Auch Chef-Staatssekretär Senkaku sagte, er könne einen solchen Vorgang nicht bestätigen. Seltene Erden werden etwa für Computer, aber auch für Batterien benutzt, die in der neuesten Generation von Elektroautos zum Einsatz kommen.

Die USA stellen sich im Streit an die Seite Japans. Man stehe fest zu seinem Bündnispartner, ließ die Clinton-Administration verlauten.

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