Konflikt beim BDEW
Kluges Rückzug belastet Energiebranche

Er sollte der wichtigste Energielobbyist werden. Doch Jürgen Kluge zog sich zurück - und hinterließ einen Scherbenhaufen. Jetzt verteidigt Kluge seinen Rückzug. Er ist sich sicher: "Das Image der Branche kann nicht mehr viel schlechter werden."

BERLIN. Der für den Posten eines Cheflobbyisten der Energieunternehmen gehandelte frühere McKinsey-Deutschland-Chef Jürgen Kluge hat seine Absage an die Branche verteidigt. Er sei zwar nach wie vor davon überzeugt, dass man dem Branchenverband BDEW hätte helfen können. "Wenn jedoch gleich zu Anfang die Bedingungen nicht stimmen, kann man das Ziel nicht erreichen", sagte Kluge dem Handelsblatt. Die Entscheidung Kluges hat in der Branche Verunsicherung ausgelöst. Man stehe vor einem "riesigen Scherbenhaufen", sagte ein Verbandsfunktionär.

Kluge war bereits im Februar für das Amt eines hauptamtlichen Verbandspräsidenten ins Gespräch gebracht worden. Derzeit wird der BDEW von zwei ehrenamtlichen Präsidenten geführt. Ihnen stehen zwei Hauptgeschäftsführer zur Seite. Kluge galt als Wunschkandidat der großen Konzerne. Am Montag erklärte er, er stehe für den Posten nicht mehr zur Verfügung. Vorausgegangen waren brancheninterne Querelen. Insbesondere die kleineren BDEW-Mitgliedsunternehmen hatten kritisiert, sie würden von den großen Konzernen vor vollendete Tatsachen gestellt.

Kluge sagte, der unglückliche Verlauf des Verfahrens stelle "ein Abbild der Branche" dar. "Weil einige das Wasser nicht halten konnten, wurde ich vorschnell zum künftigen Präsidenten erklärt. Insbesondere die kleineren Unternehmen fühlten sich übergangen. Und schon war der erste Eklat da", sagte Kluge. Wenn bereits im Vorfeld eine kleinliche Debatte losbreche "und völlig vernünftige Reformbestrebungen torpediert werden, liegen die Erfolgschancen für eine neue Verbandsspitze bei Null". Der Plan, einen hauptamtlichen Präsidenten zu installieren, sei richtig gewesen, sagte Kluge. Der hauptamtliche Präsident sollte die Schlagkraft der Branche erhöhen, als zentraler Ansprechpartner für die Politik dienen und die Arbeit des Verbandes neu ausrichten.

Aus Sicht Kluges kann das Image der Branche "nicht mehr viel schlechter" werden. "Sie sitzt in einem tiefen Loch. Man möchte ihr zurufen: Stop digging!" Die Fakten stünden allerdings im Gegensatz zum Image. "Die Unternehmen liefern überaus zuverlässig Energie. Sie sind in dieser Hinischt weitaus besser als die Konkurrenz in anderen Ländern", sagte er. Auch die Preise bewegten sich "im Rahmen". Die Unternehmen stünden allerdings vor großen Herausforderungen. Kluge zählt dazu den Bau neuer Kraftwerke und den Ausbau der Netze. Wenn in naher Zukunft nicht die richtigen Entscheidungen fielen, habe das Einfluss auf die Sicherheit und die Kosten der Versorgung.

Der frühere McKinsey-Chef kritisierte das Erscheinungsbild des BDEW, der aus der Fusion mehrerer Branchenverbände hervorgegangen war. Dem Verband fehle das post-merger-management. Auch Monate nach dem Zusammenschluss gebe es noch erhebliche Reibungsverluste. Kluge forderte, den Verband von einer Unternehmensberatung "sehr genau durchleuchten" zu lassen.

Der Rückzug Kluges stellt die Branche vor Probleme. Ein Manager sagte, die Fliehkräfte innerhalb des Verbandes nähmen deutlich zu, es werde immer schwieriger, eine einheitliche Linie zu finden. Man benötige dringend eine starke Integrationsfigur. Die aktuelle Lage dürfte auf die heutige BDEW-Bundestagung ausstrahlen. Auf dem Programm steht die Wahl eines neuen Präsidenten.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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