Konflikt im Gazastreifen
Kritik an Israels Kriegsführung wächst

Israels Militäreinsatz im Gazastreifen gerät wetlweit in die Kritik. Besonders der Einsatz von international geächtete Waffen wie Phosporgranaten oder Clusterbomben sorgt für Empörung. Experten befürchten eine Radikalisierung der Palästinenser.

BERLIN. Die anhaltende Gewalt im Gazastreifen hat auch Kritik am Vorgehen der israelischen Armee ausgelöst. Britische Medien kritisierten den Einsatz von Phosporgranaten, die schwere Verbrennungen bei palästinensischen Zivilisten auslösten. Der außenpolitische Berater von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, Marco Aurélio Garcia, nannte Israels Vorgehen „Staatsterrorismus“. Der Vizevorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Walter Kolbow, sprach von einem „unverhältnismäßigen Vorgehen“ der israelischen Armee. „Immerhin hat es innerhalb weniger Tage das größte Blutopfer seit dem Krieg von 1967 gegeben“, sagte Kolbow dem Handelsblatt. Nach palästinensischen Angaben wurden bei Israels Angriffen bisher mehr als 575 Palästinenser getötet und knapp 2 900 weitere verletzt.

Zudem wächst die Sorge, dass Israel am Ende das Gegenteil seines Kriegsziels erreichen könnte. So warnte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, vor einer weiteren Radikalisierung der Palästinenser. In etlichen EU-Hauptstädten sorgt man sich zudem, dass der Krieg zu einer Radikalisierung der Opposition in bisher moderaten moslemischen Ländern in Nahost führen könnte.

Etliche Politiker äußerten sich besorgt über die wachsende Zahl ziviler Opfer im Gazastreifen. Bereits im Libanon-Krieg hatte es Kritik gegeben, dass Israels Armee international geächtete Waffen wie Phosporgranaten oder Clusterbomben eingesetzt hatte. Noch heute verletzen sich im Südlibanon Zivilisten durch damals nicht detonierte Sprengsätze.

Seit dem Beginn der israelischen Bodenoffensive am Wochenende hat sich auch die Tonlage in den deutschen Regierungsfraktionen geändert. Während Kanzlerin Angela Merkel anfangs Kritik für ihre Unterstützung des israelischen Vorgehens einstecken musste, wird in Berlin nun vor allem die Notwendigkeit eines schnellen Waffenstillstands und eines Korridors für die Versorgung palästinensischer Zivilisten betont.

Sowohl CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg als auch der CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden verteidigten jedoch die Position der Kanzlerin. „ Ich habe ein großes Problem mit solchen Kritikern, die nicht wahrnehmen, dass in den vergangenen Monaten und auch jetzt noch Raketen der Hamas in Israel eingeschlagen sind“, sagte zu Guttenberg dem Handelsblatt. „Deshalb teile ich die Meinung der Kanzlerin voll und ganz.“ Mit dem selben Hinweis auf anhaltende Hamas-Angriffe nannte auch von Klaeden die Kritik an Merkel „völlig unberechtigt“.

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