Konflikt im Irak, Syrien und der Türkei

Wie IS den Krieg vor unsere Haustür trägt

Straßenschlachten in Hamburg, Stuttgart und Bremen: Der Kampf um die syrische Stadt Kobane sorgt für gewaltsame Zusammenstöße zwischen Kurden und Salafisten. Der Krieg ist in Deutschland angekommen – wie unbequem.
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Gewaltsame Proteste auf deutschen Straßen: Die zuerst friedlichen Demonstrationen, hier in Hamburg, arteten nach Provokationen aus. Quelle: dpa

Gewaltsame Proteste auf deutschen Straßen: Die zuerst friedlichen Demonstrationen, hier in Hamburg, arteten nach Provokationen aus.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDreieinhalbtausend Kilometer reichen nicht mehr aus, um den Krieg von Deutschland fern zu halten. Die Bilder aus der syrischen Grenzstadt Kobane gehen um die Welt. Sie zeigen Häuserkampf, Rauchsäulen und bis an die Zähne bewaffnete Kämpfer.

Sie zeigen einen heißen, unerbittlich geführten Krieg, der plötzlich auch Bilder auf deutschem Boden produziert: Wasserwerfer gegen Schlagstöcke. Polizei gegen Kurden. Kurden gegen Salafisten. Salafisten gegen die Polizei. Die Szenen spielen sich vor unserer Haustür ab: In Hamburg und Bielefeld, in Celle und Stuttgart, Bremen, Oldenburg und Göttingen demonstrieren Kurden seit Tagen für Solidarität mit den Menschen in der syrischen Grenzstadt Kobane, die vom Islamischen Staat (IS) besiegt zu werden droht.

Die zuerst friedlichen Kundgebungen hierzulande entwickelten sich vielerorts zu blutigen Straßenschlachten zwischen Kurden und gewaltbereiten Muslimen. Aus Athen, Brüssel und Ankara kommen ähnliche Bilder. Die Medien zeigen die Bilder und titeln unter anderem „Mit Dönerspießen und Macheten“ (Focus Online), die Hamburger Ausgabe der „Bild“ schreibt von einem „Kleinkrieg“ zwischen Kurden und Salafisten. Mit dieser Wortwahl suggerieren die Blätter, der Konflikt habe nichts mit uns zu tun.

Deutschland wird widerwillig zum Nebenkriegsschauplatz der krisenbelasteten Weltpolitik. Auf deutschen Straßen findet sich zwar kein direktes Abbild des Konflikts in Nahost um Macht, Machtteilung, politischer Teilhabe und Widerstand gegen die Mörderbanden des IS. Es zeigt mehr die Entgrenzung eines Krieges, von dem die Deutschen nicht mehr sagen können, es sei nicht ihrer. Auch, wenn das der ein oder andere Politiker noch versucht: Es sei „leider nicht das erste Mal, dass Konflikte, deren Ursachen in anderen Staaten oder in unterschiedlicher religiöser Prägung liegen, mit Gewalt auf unseren Straßen und Plätzen ausgetragen werden“, sagte etwa Wolfgang Bosbach (CDU) der „Passauer Neuen Presse“.

Die türkischen Kurden sind Zaungast des Kriegs
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  • ISIS trägt den Kampf nicht vor unsere Haustür, er findet hier schon längst statt, seit Jahren.

    Biedermann und die Brandstifter lassen grüßen.

    Was die Kurden betrifft, so kann ich mich sehr gut an brennende Polizeifahrzeuge und eine total verwüstete Autobahn in NRW erinnern – und nichts passierte, weil die Kurden hier immer noch als Verfolgte der türkischen Regierung gelten. Sie mißbrauchen das ihnen gewährte Asyl für ihren politischen Kampf. Es wird Zeit ihnen den Weg frei zu machen.

  • Wir wollten den Krieg in Deutschland. Hr. Gauck hat dazu aufgefordert. Kommt alle nach Deutschland. Wir sind reich und bezahlen alles, auch eure Waffen. Ihr braucht euch auch nicht zu integrieren!

  • Die meinte ich zwar nicht vorrangig, sondern die damaligen Regierungsparteien, aber letztendlich stimmt das auch! (:
    Inzwischen macht es aber keinen Unterschied mehr, da alle "Etablierten" die Schleusen für die völlig unkontrollierte Überfremdung geöffnet haben.
    Höchste Zeit, was Neues zu probieren!

  • @Herr Willi Kammschott

    wenn Sie mit "Parteien" die Amerikaner und Engländer meinen gebe ich Ihnen vollkommen Recht!

  • Der Autor hat keine Ahnung! Würde mich über Autoren wie Scholl Latour freuen, die über geopolitisches- und geschichtliches Backgroundwissen verfügen. Die Türken leben mitlerweile auch seit über 60 Jahren in Deutschland, fordern aber nicht, dass NRW und Berlin zur türkischen Enklave wird. Und wer behauptet, dass die PKK Aktivitaten in Deutschland immer friedlich waren, hat die Angriffe auf Türken in den 90 ern nicht durchleuchtet. Unschuldige Zivilisten wurden lebendig verbrand und die Politik hat nur zugeschaut als Öcalan Fahnen geschwenkt wurden. Wer Terroristen aufnimmt und sie im Kampf bestarkt, hat es nicht anders verdient, dass der Krieg bei ihm vor der Haustür stattfindet. Und warum die Türkei die Kurden nicht in Kriegsgebiet schickt, ist der Selbe, warum es die Deutschen nicht machen. Damit diese Menschen nicht als ausgebildete Tiere wieder zurückkommen..

  • Der Autor hat keine Ahnung! Würde mich über Autoren wie Scholl Latour freuen, die über geopolitisches- und geschichtliches Backgroundwissen verfügen. Die Türken leben mitlerweile auch seit über 60 Jahren in Deutschland, fordern aber nicht, dass NRW und Berlin zur türkischen Enklave wird. Und wer behauptet, dass die PKK Aktivitaten in Deutschland immer friedlich waren, hat die Angriffe auf Türken in den 90 ern nicht durchleuchtet. Unschuldige Zivilisten wurden lebendig verbrand und die Politik hat nur zugeschaut als Öcalan Fahnen geschwenkt wurden. Wer Terroristen aufnimmt und sie im Kampf bestarkt, hat es nicht anders verdient, dass der Krieg bei ihm vor der Haustür stattfindet. Und warum die Türkei die Kurden nicht in Kriegsgebiet schickt, ist der Selbe, warum es die Deutschen nicht machen. Damit diese Menschen nicht als ausgebildete Tiere wieder zurückkommen..

  • Das hoffe ich...
    Allerdings lehne ich persönlich Extrem-Lösungen ab - ohne die wir aber, wenn sich die Balkanisierung hierzulande so weiter entwickelt, so und so nicht mehr auskommen werden...

  • Entschuldigen Sie, Herr Roeder, aber das sehe ich etwas anders. Gerade die konservativen Wähler, die in den letzten Wahlen stets die Mehrheit der Stimmen abgegeben haben, waren und sind entschieden gegen diesen Multi-Kulti-Wahnsinn. Das Grundlegende Problem besteht darin, dass sich sämtliche - auch vermeintlich konservative Parteien - vermutlich auch unter dem Druck der rot-grün geprägten Medien (Stichwort: Rechtsextrem, Nationalistisch, Ausländerfeindlich) und der EU (Stichwort: Gender-Mainstream) – konsequent dem gesunden Menschenverstand und der Bevölkerungsmehrheit „im Sinne der guten Sache“ widersetzten und weiterhin widersetzen. Unser sog. Parlament besteht somit auch in diesem Punkt aus Parteien bzw. Volksvertretern, die das Wohl und den (Mehrheits)Willen des Volkes ignorieren bzw. die sich sogar dem Mainstream-Konsens angeschlossen und einen etwas eigene Auslegung zur Demokratie (nix mehr mit „vox populi, vox dei“ – im Gegenteil) entwickelt haben (siehe hierzu die Kommentare gewisser Entscheidungsträger zum Schweizer Volksentscheid bzgl. Freizügigkeit EU-Ausländer).

  • Herr Daniels, leider muss ich Ihnen widersprechen. Die Bevölkerungsmehrheit hat sich eine bunte und vielgestaltige Lebenswelt in Deutschland gewünscht und dieses, von allen etablierten politischen Parteien vertretene Konzept in ihren Wahlentscheidungen immer wieder aufs Neue bestätigt. Auch unser Staatsoberhaupt überreichte öffentlichkeitswirksam Zuwanderern aus aller Welt ihre Einbürgerungsurkunde. Ich sehe es als einen zutiefst heilsamen Prozess, dass unsere Mitbürger jetzt schmerzvoll lernen werden, dass kulturelle Bereicherung nicht nur Folklore und gesicherte Aufträge für einen gigantischen sozialen Apparat bedeutet, sondern auch die Auseinandersetzung mit Konflikten auf einem archaischen Niveau, das wir in unserer Entwicklung eigentlich schon längst überwunden hatten.

  • Konflikt im Irak, Syrien und der TürkeiWie IS den Krieg vor unsere Haustür trägt!

    Der Grund ist doch ganz einfach, die sogenannten Volkvertreter (aller Parteien) haben diese Straßenkämpfe zu verantworten.
    Alle diese verlogenen Politiker in Berlin, hoffen das endlich ein großer Terroranschlag auf deutschem Boden stad findet, warum sonst holen sie diese sogenannten Flüchtlinge in die BRD???

    Politiker beschließen nur noch gegen das eigene Volk, wenn dann solche Ausschreitungen stadtfinden, sind diese Politiker abgetaucht, was für eine Politiker Elite!!!

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