Konflikt im Kaukasus
Die zwei Gesichter des Wladimir Putin

In einem Interview am Freitagabend zeigte Wladimir Putin sich von zwei unterschiedlichen Seiten: Gegenüber der EU sprach er von baldigem Abzug seiner Truppen und fordert eine „vernünftige Position“ der Gemeinschaft, gegenüber den USA wiederholte er seine Vorwürfe, den Kaukasus-Konflikt erst provoziert zu haben.

HB MOSKAU/TIFLIS/BRÜSSEL. Russland will seine Truppen nach Worten von Ministerpräsident Wladimir Putin nicht „langfristig in den Sicherheitszonen um Südossetien und Abchasien“ lassen. Das sagte Putin am Freitag in einem Interview mit dem ARD-Fernsehen in Sotschi am Schwarzen Meer. Putin kündigte an, dass Moskau seine Truppen in der sogenannten Pufferzone auf georgischem Kerngebiet nach Entspannung der Lage abziehen werde.

Der Einsatz von Beobachtern der Europäischen Union und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Konfliktgebiet sei von russischer Seite erwünscht. „Wir werden Südossetien auch dabei helfen, die eigene Grenze zu sichern.“ Der Regierungschef wies westliche Befürchtungen vor einer möglichen Invasion Russlands auf der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeer- Halbinsel Krim als „Provokation“ zurück. „Wir haben seit langem die ukrainischen Grenzen anerkannt“, sagte Putin.

Der russische Regierungschef rief vor dem Krisengipfel der Europäischen Union zum Kaukasus-Konflikt die EU zu einer „vernünftigen Position“ auf. „Die Frage von Sanktionen ist uns nicht gleichgültig. Wir hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt“, sagte Putin. Die EU plant bei ihrem Sondergipfel am Montag eine Verurteilung Moskaus, ohne Russland jedoch weiter in die Isolierung zu treiben, wie nach einem Treffen der EU-Botschafter bekanntwurde. Sanktionen wurden öffentlich nicht gefordert. Spanien, Bulgarien, Griechenland und Deutschland lehnten solche Maßnahmen ausdrücklich ab. Auch Polens Präsident Lech Kaczynski, von dem eine entsprechende Forderung erwartet wurde, ließ durch seinen Sprecher Zurückhaltung äußern.

Aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hängt der Verlauf des Treffens in Brüssel entscheidend davon ab, ob Russland den Sechs-Punkte-Plan zur Beilegung der Krise befolgt. Das sei nach Einschätzung der Europäer derzeit nicht der Fall, weil russische Streitkräfte in Kerngeorgien immer noch Kontrollposten unterhielten und auch in der Hafenstadt Poti präsent seien, sagte der Berliner Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag. Die Kanzlerin strebe „ein deutliches politisches Signal der Geschlossenheit“ der EU an, fügte er hinzu.

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