Konflikt in Asien
China und Japan streiten um Gas

In den angespannten Beziehungen zwischen Japan und China zeichnet sich neues Konfliktpotenzial ab. Dieses Mal geht es um ergiebige Gasvorkommen in einem Meergebiet, auf das beide Länder gleichzeitg Anspruch erheben.

bas HB TOKIO. Die japanische Regierung teilte am Mittwoch mit, dass sie noch am gleichen Tag mit der Auswahl der Unternehmen beginnen wolle, die in einem umstrittenen Seegebiet im Ostchinesischen Meer probeweise nach Gas bohren wollen. Der Streit um die Gasvorkommen belastet die politischen Beziehungen der beiden größten asiatischen Volkswirtschaften seit Monaten.

Das chinesische Staatsunternehmen CNOOC hat bereits ungeachtet japanischen Protests mit Probebohrungen begonnen. Japan argumentiert, die Tiefsee-Gasfelder würden sich in die japanische Wirtschaftszone erstrecken, die jedoch von China nicht anerkannt wird. Vor zwei Wochen hatte Tokio gewarnt, Bohrungen zu genehmigen, wenn die chinesische Seite keine genauen Informationen über das Projekt zur Verfügung stelle. Bis japanische Unternehmen jedoch tatsächlich im Ostchinesischen Meer mit Testbohrungen beginnen, dürften Monate vergehen.

Der Konflikt um die Gasvorkommen belastet die bilateralen Beziehungen jedoch zu einem sensiblen Zeitpunkt. Am vergangenen Wochenende waren zehntausende Demonstranten in China auf die Straße gegangen, um gegen einen ständigen Sitz Japans im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und japanische Geschichtsbücher zu demonstrieren, die in Pekings Augen Japans Besat-zungsvergangenheit beschönigen.

Bei den Protesten kam es zu gewalttätigen Übergriffen, für die sich die chinesische Regierung jedoch trotz der For-derung Tokios nicht entschuldigen will. Vielmehr deutete der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao in diplomatischer Sprache an, China werde einen Sitz Japans im UN-Sicherheitsrat nicht unterstützen, wenn das Land nicht das Vertrauen seiner asiatischen Nachbarn gewinne.

Japans Außenminister Nobutaka Machimura wird voraussichtlich an diesem Sonntag für zwei Tage nach China reisen. Dabei stehen Gespräche über das bilaterale Verhältnis im Mittelpunkt. Gestern kündigte Machimura an, er wolle seinen chinesischen Kollegen Li Zhaoxing ein gemeinsames Projekt zur Interpretation der bilateralen Geschichte vorschlagen. Japan und Südkorea haben dies vor drei Jahren gestartet. Auf chinesischen Internetseiten wird auch für das kommende Wochenende wieder zu antijapanischen Demonstrationen aufgerufen.

Die politischen Spannungen zwischen Japan und China haben auch den Aktienmarkt in Tokio verstimmt. Nach dem Aufruf zum Boykott japanischer Produkte waren die Kurse am Mittwoch an der Tokioter Börse gefallen. Insgesamt verlor der Nikkei-Index verlor seit dem Wochenende 237 Punkte, nachdem es in China zu Protesten wegen der Rolle Japans als Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg und eines immer noch fehlenden Schuldbekenntnisses gekommen war.

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