Konflikt in Malaysia
„Ich bin der ärmste Sultan der Welt“

Ein muslimischer Clan – geführt von einem verarmten Sultan – erhebt Anspruch auf den rohstoffreichen Staat Sabah auf Borneo. Und sorgt damit für militärische Spannungen zwischen den Philippinen und Malaysia.
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ManilaAndere muslimische Herrscher residieren in großen Palästen und pflegen einen opulenten Lebensstil. Das Reich von Sultan Jamalul III. befindet sich in einem heruntergekommenen zweistöckigen Gebäude in einer ärmlichen muslimischen Gemeinde in der philippinischen Hauptstadt Manila. Der einzige Hinweis auf seine Macht und seinen Ruhm ist sein Titel. „Ich bin der ärmste Sultan der Welt“, klagt der 74 Jahre alte Kiram. Doch obwohl er einer vergangenen und weitgehend vergessenen Ära angehört, sorgt sein Sultanat derzeit für eine der größten Krisen zwischen Malaysia und den Philippinen seit Jahrzehnten.

Unter der Führung von Kirams Bruder Agbimuddin setzten am 9. Februar etwa 200 Anhänger, teils schwer bewaffnet, mit dem Boot von den Südphilippinen auf den malaysischen Teil der Insel Borneo über, besetzten dort im Staat Saaba ein Dorf und machten den Anspruch geltend, dass der rohstoffreiche Staat dem Sultanat gehöre.

Das völlig überraschte Malaysia schickte Soldaten und Elitepolizisten in seinen zweitgrößten Staat und flog Luftangriffe gegen die bewaffneten Eindringlinge. Am Dienstag startete Malaysia unter dem Motto „Operation Sovereign“ einen Großangriff, aber offenbar vergeblich: Der Großteil der Philippiner blieb unverletzt, wie Kirams Familie erklärte.

Der Kiram-Clan macht geltend, dass Sabah seit Jahrhunderten ihm gehöre und nur an Malaysia verpachtet sei – für eine jährliche Summe von 5300 Ringgit (rund 1300 Euro). Von malaysischer Seite heißt es dagegen, die Zahlungen seien Teil einer Übereinkunft, nach der das Sultanat das 74.000 Quadratkilometer große Gebiet abgetreten habe.

Von der Geschichte überholt, ist den Kirams nicht viel mehr als ihr Titel geblieben. „Als ich ein Kind war, dachte ich, Prinzessin wäre nur mein Vorname. Denn als Kind denkt man, dass eine Prinzessin eine Krone trägt, in einem Palast lebt und mit einer Kutsche fährt. Doch das hatte ich alles nicht“, sagt Jacel Kiram, eine 35 Jahre alte Tochter des Sultans.

In seinem Haus im Stadtteil Maharlika spricht ihr Vater mit schleppender Stimme. Er ist nierenkrank und sein Herz ist schwach. Doch erinnert er an die ruhmreiche Familiengeschichte des Sulu-Sultanats. Dieses entstand im 15. Jahrhundert, weit vor der philippinischen Republik und Malaysia. Herrscher aus China und Europa hätten Gesandte geschickt, um seinen mächtigen Vorfahren ihre Ehrerbietung zu erweisen, berichtet der Sultan. Sabah sei seiner Familie vom Sultan von Brunei vermacht worden – aus Dank weil ihre tapferen Soldaten im 17. Jahrhundert bei der Niederschlagung eines Aufstands geholfen hätten.

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