Konflikt in Ostafrika
Burundi versinkt vor Parlamentswahl im Chaos

Die Lage in Burundi spitzt sich kurz vor der Parlamentswahl zu: Nachdem ein Oppositionspolitiker ermordert wurde, gehen andere Politiker aus Angst in den Untergrund. Viele bezweifeln, dass so Wahlen stattfinden können.
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BujumbraNach der Ermordung eines Oppositionsführers in Burundi hat es in dem ostafrikanischen Land neue gewaltsame Auseinandersetzungen gegeben. In der südlichen Stadt Muyange in der Provinz Bururi wurde am Montag mindestens ein Demonstrant von Sicherheitskräften erschossen, wie ein Behördenvertreter und ein Augenzeuge berichteten. Bereits am Sonntag nahmen in der Hauptstadt Bujumbura tausende Menschen Abschied von Oppositionsführer Zedi Feruzi.

In Muyange etwa 60 Kilometer südöstlich von Bujumbura schossen Polizisten den Angaben zufolge auf eine Gruppe von etwa hundert Menschen, die gegen Präsident Pierre Nkurunziza demonstrierten. Zwei Menschen seien verletzt worden. Auch aus der Stadt Matana, die weiter südlich in Bururi liegt, wurden Unruhen gemeldet.

In Bujumbura gelang es hunderten Jugendlichen, im Stadtteil Cibitoke Barrikaden zu errichten. Die Menge skandierte zudem Parolen gegen Nkurunziza, einige Demonstranten warfen Steine auf Polizisten. Als die Polizei einschritt, wurden fünf Demonstranten von Beamten verletzt.

In Bujumbura gaben am Sonntag bis zu 3000 Menschen dem ermordeten Feruzi das letzte Geleit. Die Trauergemeinde zog vom Haus des Oppositionspolitikers zu einer Moschee im Industriegelände der Hauptstadt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Dort wurde Feruzi beigesetzt.

Die Menge hielt Schilder mit Protestslogans gegen Nkurunziza in die Höhe. „Diejenigen, die Zedi Feruzi getötet haben, werden früher oder später dafür bezahlen“, hieß es auf einem Plakat. Der Chef der Oppositionspartei UPD war am Samstag in Bujumbura auf dem Heimweg erschossen worden.

Auch ein Leibwächter Feruzis wurde bei dem Angriff getötet. Das Bündnis gegen eine dritte Amtszeit für Nkurunziza verurteilte die „schändliche Tat“ und legte den von den Vereinten Nationen vermittelten Dialog mit der Regierung auf Eis. In den vergangenen Tagen waren mehrere Oppositionspolitiker in den Untergrund gegangen, weil sie sich nach eigenen Angaben nicht mehr sicher fühlen.

Die Proteste gegen Nkurunziza richten sich insbesondere gegen die Kandidatur des seit zehn Jahren amtierenden Staatspräsidenten für ein drittes Mandat. Die Regierungsgegner sehen darin einen Verstoß gegen die Verfassung, die lediglich zwei Amtszeiten für den Staatschef vorsieht.

Die Präsidentschaftswahl soll am 26. Juni stattfinden. Die eigentlich bereits jetzt geplanten Parlaments- und Kommunalwahlen wurden wegen der politischen Krise um zehn Tage auf den 5. Juni verschoben. Allerdings fordern viele angesichts der jüngsten Unruhen, dass auch dieser Termin verschoben werden sollte, um keine gewaltsamen Konflikte zu provozieren. „Ich glaube nicht, dass in diesem Umfeld Wahlen abgehalten werden können“, sagte Oppositionspolitiker Agathon Rwasa, der als unabhängiger Präsidentschaftskandidat antreten will.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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