Konflikt
Mindestens 300 Tote bei Kämpfen in Zentralafrika

Elf Monate nach der Militäroffensive in Mali eilt Paris einer anderen Ex-Kolonie zur Hilfe: Französische Truppen sollen die Gewalt in Zentralafrika beenden. Dort kämpfen muslimische und christliche Rebellen gegeneinander.
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Bangui/ParisFrankreich hat einen Kampfeinsatz in der von einer humanitären Katastrophe bedrohten Zentralafrikanischen Republik gestartet. Von Paris entsandte Truppen patrouillierten bereits wenige Stunden nach dem grünen Licht des UN-Sicherheitsrates in der Hauptstadt Bangui, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Freitag dem Sender RFI. Bei einem französisch-afrikanischen Gipfel zum Thema Frieden und Sicherheit sollte die Lage in dem Krisenland am Freitag ebenfalls im Mittelpunkt stehen. Zu dem zweitägigen Treffen hatte Präsident François Hollande geladen.

Augenzeugen bestätigten die Patrouillen in Bangui. Die französischen Militärs seien vor allem in den Stadtteilen Gabongo und Fouh aktiv, hieß es. Erst am Donnerstag war es zu den schwersten Kämpfen seit der Machtergreifung der Rebellenallianz Seleka im vergangenen März gekommen. Mehrere Dutzend Menschen wurden getötet und zahlreiche weitere verletzt, als Anhänger des bei dem Putsch gestürzten Präsidenten François Bozizé offenbar Angriffe auf Bangui von mehreren Seiten starteten. Nach stundenlangen Gefechten konnten die Seleka-Rebellen wieder die Oberhand gewinnen.

Bei den Gefechten in der Hauptstadt sind nach Angaben des Roten Kreuzes seit Donnerstag mindestens 300 Menschen getötet worden. 281 Tote seien in den Leichenhallen und auf den Straßen Banguis gezählt worden, sagte am Freitag ein Mitarbeiter der Organisation der Nachrichtenagentur AFP. Die Helfer seien aber noch nicht in alle Stadtviertel vorgedrungen, wo nach Zeugenaussagen noch zahlreiche weitere Leichen geborgen werden müssen.

Seit dem Staatsstreich kommt es immer wieder zu schwerer Gewalt zwischen den Bozizé nahestehenden christlichen Bürgermilizen „Anti-Balaka“ (Gegen die Macheten) und den muslimischen Seleka-Kämpfern, die nun unter ihrem Anführer und Übergangspräsidenten Michel Djotodia das Land regieren. Beobachter sprachen bereits von einem drohenden religionsbedingten Völkermord.

Hollande hatte am Donnerstagabend nach der Verabschiedung der UN-Resolution 2127 angekündigt, sofort Kampftruppen nach Zentralafrika zu schicken. Frankreich sei aufgerufen, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Die ehemalige Kolonialmacht hat bereits rund 650 Soldaten in dem afrikanischen Land. Rund 1000 weitere Soldaten stehen für den Einsatz bereit. Die Soldaten sollen afrikanische Truppen bei der Stabilisierung des Landes unterstützen. Die Intervention soll vermutlich nur vier bis sechs Monate dauern.

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