Konflikt
Nord- und Südkorea liefern sich Seegefecht

Zwei Kriegsschiffe aus Nord- und Südkorea haben sich vor der Westküste der Halbinsel ein Feuergefecht geliefert. Dabei sei das nordkoreanische Schiff schwer beschädigt worden, meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Verletzte habe es aber nicht gegeben. Aber die Börse reagierte kurzzeitig.
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HB SEOUL. An der ungeklärten Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea ist es am Dienstag zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder zu einem Gefecht zwischen Kriegsschiffen beider Länder gekommen. Dabei wurde ein Schiff aus Nordkorea nach Militärangaben aus Seoul erheblich beschädigt. An einem südkoreanischen Schiff gab es leichte Schäden. Über mögliche Opfer wurde nichts bekannt. Beide Staaten machten sich gegenseitig für den Zwischenfall verantwortlich.

Nach Darstellung des südkoreanischen Generalstabs überquerte ein Patrouillenboot aus dem Norden die Seegrenze vor der Westküste der Halbinsel. Daraufhin habe ein südkoreanisches Kriegsschiff Warnschüsse abgegeben, sagte ein Sprecher des Generalstabs. Das nordkoreanische Patrouillenboot reagierte mit scharfen Schüssen, die von dem südkoreanischen Schiff erwidert wurde. Als das Patrouillenboot schließlich nach Norden abgedreht sei, habe es in Flammen gestanden, sagte Ministerpräsident Chung Un Chan.

In einer Erklärung der nordkoreanischen Streitkräfte wurde Südkorea eine „schwere bewaffnete Provokation“ vorgeworfen. Es seien südkoreanische Schiffe gewesen, die auf nordkoreanisches Territorium vorgedrungen seien. Diese hätten das Feuer eröffnet, seien aber geflohen, nachdem ihnen das nordkoreanische Patrouillenboot „einen Vergeltungsschlag“ versetzt habe, hieß es in einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Südkorea müsse sich dafür entschuldigen.

Der ungeklärte Verlauf der Grenze an der Westküste hat bereits 1999 und 2002 zu Zwischenfällen auf See geführt. Vor sieben Jahren kamen dabei sechs südkoreanische Seeleute ums Leben. Mehr als 50 Jahre nach dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 gibt es keine von beiden Seiten anerkannte Seegrenze. In Ermangelung eines Friedensvertrags zog der damalige Kommandeur der Uno-Truppen nach dem Ende des bewaffneten Konflikts einseitig eine Linie zur Festlegung der Seegrenze im Gelben Meer.

Erst im Oktober warf Nordkorea dem Süden vor, mit Kriegsschiffen in das eigene Seegebiet eingedrungen zu sein. Die Zone zwischen beiden Staaten ist eine bevorzugte Fangregion von Krabbenfischern.

Unterdessen wurde in Washington bekannt, dass sich die US-Regierung nach monatelangen Beratungen zu direkten Gesprächen mit Nordkorea entschlossen hat. Präsident Barack Obama will den Sondergesandten Stephen Bosworth zu Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm nach Pjöngjang schicken, wie am Montagabend aus Regierungskreisen in Washington verlautete. Ein Termin steht noch nicht fest.

Bereits in Pjöngjang eingetroffen ist eine französische Delegation unter Leitung des ehemaligen Kulturministers Jack Lang, der von Staatspräsident Nicolas Sarkozy zum Sondergesandten für Nordkorea berufen wurde. Er traf am Dienstag mit dem nordkoreanischen Außenminister Pak Ui Chun zusammen. Im Mittelpunkt des fünftägigen Besuchs stehen Bemühungen um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten.

Die 248 Kilometer lange Grenze zwischen Nord- und Südkorea ist die am stärksten militarisierte auf der Welt. Hunderttausende Soldaten stehen sich dort gegenüber. In Südkorea sind auch rund 28 500 US-Soldaten stationiert.

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